Fukushima und die Atomdebatte

Fast ein Vierteljahrhundert nach der Katastrophe von Tschernobyl ist es Anfang März nach einen starken Erdbeben in Japan zu einem Unfall in einem der dortigen Kernkraftwerke gekommen: im KKW Fukushima brach ein Teil der Sicherheitshülle und es kam (vielleicht) zu einer Kernschmelze. Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen der Gegner und schon hat es kurze Zeit später wieder die Forderung gegeben, die Kernkraftwerke abzuschalten und aus der Kernenergie auszusteigen.

Ich will mich an dieser Stelle nicht so sehr zur technischen Seite auslassen. Hierfür verweise ich auf einen großartigen Blog, wo dieses Thema im Artikel “Die Probleme beim Kernkraftwerk Fukushima I” hervorragend abgehandelt wird. Ebenfalls geben die anschließenden Kommentare einen guten Einblick in die ganze Sache, ein paar Links am Ende des Artikels runden die Sache ab. Auch sehr zu empfehlen ist der Artikel von Jörg Rings auf dem ScienceBlogs, er gibt hier eine Liste von Quellen und Links zum Thema. Ich will daher mehr auf einen anderen Aspekt eingehen: auf die Forderung einiger Politiker, die nun gleich wieder eine Gefahr in den deutschen Kraftwerken sehen und diese am liebsten sofort abschalten wollen.

Unsicher und nicht beherrschbar

Gleich zu Beginn muss natürlich festgestellt werden, dass es in der Tat unvernünftig ist, in einer Erdbebenregion ein KKW zu bauen und zu betreiben. Auch muss ich zwar zugeben, dass ich gerade im Bereich Kraftwerktechnik nur bedingt Bescheid weiß (mein Fachgebiet ist nun mal die Endlagerung), aber ich kann mir kaum vorstellen, dass das wirklich auf Dauer gutgeht. Gerne lasse ich mich hier aber belehren. Dennoch halte ich es für Unsinn, jetzt aus den Bedingungen in Japan auf Deutschland zu schlußfolgern. Ein schweres Erdbeben oder Tsunamis werden hier einfach mal nicht stattfinden.

Einen ähnlichen Weg geht auch Christian Reinboth in seinem Artikel auf den ScienceBlogs. Allerdings geht er noch einen Schritt weiter und fragt, mit welchen Ereignissen schlimmstenfalls zu rechnen wäre – und wie gut die deutschen Atomkraftwerke darauf vorbereitet sind. Ferner fordert er, dass jetzt natürlich auch die Vorausplanung für andere Zwischenfälle – wie etwa Flugzeugabstürze, Hochwasserereignisse oder Terroranschläge – erneut auf den Prüfstand gehören.

Hier bleibt aber festzustellen, dass die kerntechnischen Anlagen in Deutschland seit Jahren den höchsten Sicherheitsstandards zu genügen haben, kein Gesetz ist restriktiver als das Atomgesetz. Und kaum eine technische Anlage ist “sicherer” als ein KKW. Natürlich, absolute Sicherheit gibt es nicht, kann es nicht geben. Hier möchte ich gerne einen Kommentar zitieren: “Gibt es irgendeine zivile oder industrielle Anlage auf der Welt, die gegen Flugzeugabstürze gesichert ist? Keine Schule, kein Baudenkmal, kein Wahrzeichen und kein Bürogebäude bleibt von dem Einschlag eines mit Kerosingefüllten Hohlkörpers unbeeindruckt. Sprengstofffabriken und andere chemische Anlagen sind ebenso nicht gesichert. Und den Aufwand einer Flugzeugentführung muss man sich als Terrorist gar nicht antun. Eine Sprengladung bequem an einer Seite eines Laugebeckens einer Aluminiumfabrik platziert, schon hat man eine veritable Katastrophe.” (Kommentar von ‘OPS’ am 14.12.2011 zu meinem Artikel Risiken der Technik)

Stellt man wirklich die Forderung, dass nur Technologie zulässig ist die absolute Sicherheit birgt, dann müsste man auch viele Chemiebetriebe oder auch Staumauern abbauen und stilllegen (man denke hier nur mal an den Kolontár-Dammbruch oder die mehr als 100.000 Toten die durch Dammbrüche allein in den letzten fünfzig Jahren zu beklagen sind). Demgegenüber muss festgestellt werden, dass bis jetzt die Folgen des Unfalls in Japan zweifellos sehr schlimm, aber eben nicht ganz so schlimm sind wie teilweise dargestellt (auf der International Nuclear Event Scale INES wurde der Unfall mit Stufe 4 eingestuft). Die Sicherheitsmechanismen scheinen bisher ihren Zweck erfüllt zu haben, Tote sind nur im Zusammenhang mit dem Erdbeben, nicht aber mit dem Reaktorunfall zu beklagen und auch der radioaktive Fallout hält sich bis jetzt in Grenzen. Ich will den Unfall nicht verharmlosen, dazu ist er zu ernst. Aber er zeigt meines Erachtens sehr gut, dass diese Technologie sehr wohl beherrschbar ist. Wäre sie es nicht – die Folgen wären schon jetzt wesentlich schlimmer.

Sofortiger Ausstieg ist nicht möglich

Ein anderes Argument, welches ich seit gestern immer wieder höre, ist, dass der Ausstieg sofort zu vollziehen ist. “Die Technik ist nicht berherrschbar” (Unsinn, siehe vorigen Absatz) und “wir müssen sofort die Sache beenden”. Tja, und was dann? Nehmen wir wirklich mal an, dass wir jetzt und sofort die KKW’s runterfahren. Wie ich schon einmal hier geschrieben habe, stehen wir dann vor dem großen Problem, dass der Beitrag, den die KKW’s liefern, wegfällt bzw. irgendwie ersetzt werden muss. Wir reden hier von einem Beitrag von rund 18 GW in der Grundlast oder 134 TWh erzeugten Strom pro Jahr. Das fällt doch nicht einfach vom Baum, das muss irgendwie ersetzt werden. Mag sein, dass wir eines Tages in der Lage sind, diesen Beitrag durch regenerative Quellen zu decken, zur Zeit können wir es aber nicht.

“Die Sonne liefert permament hundertmal mehr Energie als die ganze Welt verbraucht”. Ein Argument was richtig sein mag (hab diese Zahl nicht geprüft, aber könnte schon stimmen), aber was nutzt uns das? Wenn jemand viele Millionen Euro auf dem Konto hat kann ich mir deswegen trotzdem nichts davon kaufen. Und so muss vor einem Abschalten der KKW’s doch erstmal der Kopf angemacht werden und man sollte sich die Frage stellen, ob das überhaupt realistisch ist. Stattdessen aber gehen ein Haufen Menschen auf die Straße um gegen die Atomkraft zu demonstrieren.

Hier hab ich mal einen Vorschlag: vielleicht sollte man wirklich mal die KKW’s abschalten. Einfach mal für 24 Stunden, so von vier Uhr früh bis vier Uhr früh. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ein großer Teil der Gegner sich dann mal Gedanken macht und vielleicht ein bisschen nachdenkt bevor er solche Forderungen stellt und demonstrieren geht. Denn dann wird es in einige Gegenden zumindest in den Hauptzeiten duster werden.

Keine Sache: dieser Unfall zeigt deutlich, dass wir nach wie vor sehr vorsichtig sein müssen und mit dieser Technologie umsichtig umgehen müssen. Und auch die Sicherheitsstandards können gar nicht hoch genug sein. Ganz allgemein sollten wir uns aber hüten, jetzt sofort über solche Dinge zu debattieren oder gar Forderungen zu stellen, die realistisch nicht machbar sind. Leider kochen gerade die Gefühle in dieser ohnehin sehr emotionalen Debatte sehr hoch, bleibt nur zu hoffen, dass wir bald wieder einen etwas kühleren Kopf haben und mit einem gewissen Abstand die Sache als das betrachten, was sie ist: ein schlimmer Unfall aus dem wir lernen können und sollten. Und betrachtet man mal die Statisitk, so kann man feststellen, dass nach der Katastrophe von Tschernobyl enorme Fortschritte in der Sicherheitstechnik gemacht wurden, die Anzahl der meldepflichtigen Ereignisse deutlich zurückgingen.

Derzeit aber wünschen wir den Kollegen in Japan maximale Erfolge dass sie die Sache in den Griff bekommen, ich für meinen Teil werde das ganze mit großer Aufmerksamkeit weiter verfolgen.

Nachtrag 15.03.2011: am 15.03. äußerte sich Prof. Dr. W. Sander, der Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, zur aktuellen Situation, da gibt es hier einen guten Link.

Nachtrag 22.03.2011: ich möchte hier nochmal auf den Physikblog.eu verlinken, dort haben sich die Jungs richtig Mühe gegeben und eine richtig gute Zusammenfassung geschrieben die keine Wünsche offen lässt. Respekt, die ist aus dem ganz hohen Regal.

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    • Rainer
    • 14. Mrz. 2011 12:01pm

    Wieder einmal ein guter Artikel! Zwei Punkte!
    Du sagst, dass du in Kraftwerkstechnik nicht Bescheid weißt. Diese Probleme hat Greenpeace nicht. Die schicken einen (wahlweise) Atom-, Strahlungs-, Naturkatastrophen, Öl-, … Experten ins TV, der dort Panik machen darf. Dabei ist der Herr von Lieven Volkswirt.
    24h abschalten bringt nichts, weil das anschließende Chaos ja sowieso die EVU absichtlich verursacht haben.
    Ich hoffe nur, dass die Menschen in Japan vor weiteren Beben und auch schlimmeren Folgen aus Fukushima verschont bleiben.

      • JanG
      • 14. Mrz. 2011 12:11pm

      das ist es ja, und selbst als ich gestern zdf geschaut habe war ich ueberrascht dass es derart einseitig berichtet wurde. und dann war das schon ein experte.

      das mit der abschaltung kann schon sein, aber mittlerweile bin ich fast schon soweit zu sagen: dann schaltet die gottverdammten dinger eben ab. werdet schon sehen was das soll. dummerweise wird das dann aber auch leute wie mich treffen.

      auf jeden fall bin ich aber sehr gespannt was nun die kommenden tage und wochen nicht nur für die japaner sondern auch für uns bringen werden.

    • Leah Bierfass
    • 14. Mrz. 2011 7:21pm

    ist ja gut und schön das die politik endlich mal reagiert..
    und alle AKWs überprüfen lässt in D-Land… aber… was bringt es wenn wir in deutschland nachher alle sicherheits vorkehrungen getroffen haben und unsere nachbarn weiter ohne sicherheit unterwegs is? wir wohnen selber nur 50km von nem AKW weg was nicht überprüft wird von deutschen leuten…
    das was da kommt ist hoffentlich ein Europa projekt und gilt für alle AKWs in der EU mit unabhängigen leuten.

    denn wer weiss schon, wieviele von den “überprüfern” gekauft sind von der strommafia..

      • JanG
      • 14. Mrz. 2011 7:48pm

      Einer der Gründe dass ich den Ausstieg damals Mist fand war, dass die ganzen Experten und Fachleute verschwanden und Deutschland seinen führenden Status verlor. Wir sind, was Sicherheitsstandards angeht, absolut spitze. Daher sage ich, lasst uns weitermachen, lasst uns zusammenarbeiten und nicht nur Europaweit die Technik verfeinern. Da stimme ich Ihnen nämlich zu: das muss ein Gesamtprojekt werden.

      Nur habe ich die Befürchtung, dass in der nächsten Zeit die Stimmung arg kippen wird und eine Technologie verteufelt wird, die es nicht verdient hat.

    • Rainer
    • 14. Mrz. 2011 10:35pm

    Tja, das wars dann wohl. Wir werden in D partiell verdummen und Wissen, dass über Jahrzehnte aufgebaut wurde und viel weiter hätte entwickelt werden können, wird ins Klo geschmissen. Da kannst du jetzt noch so viel sachlich argumentieren. Der Drops ist bei uns gelutscht. Wer am lautesten und am buntesten schreit wird gehört. In Ruhe und Sorgfalt wird während des Moratoriums nichts diskutiert. Es wird sich nur wieder in Talksshows gegenseitig Dreck ins Gesicht geworfen.
    Wie wollen die eigentlich bis 2020 2000 Windenergieanlagen (10GW) in die Nordsee stellen, verkabeln und vernünftig betreiben? Die haben für 12 Anlagen bei Alpha Ventus fast drei Jahre gebraucht. Und die notwendigen Rammarbeiten für weitere Parks stehen auf den Prüfstand weil die Schweinswale Kopfschmerzen kriegen. Vom Elektrosmog der Überlandleitung ganz zu schweigen. Was passiert hier? Au Mann!

      • JanG
      • 15. Mrz. 2011 3:25pm

      ich sage was passieren wird: die meiler werden runtergefahren und wir holen dann den strom aus frankreich. und irgendwann in zehn jahren wundern wir uns, warum kein mensch mehr hier forschen will. zu dem zeitpunkt hat deutschland dann seinen status in sachen forschung und entwicklung komplett abgegeben.

      trotzdem hoffe ich noch immer, dass es nicht dazu kommen wird. bin da irgendwie optimistisch. wie gesagt: die nächsten wochen werden zeigen was passiert.

  1. Gefaellt mir sehr der Blog. Schone Themenwahl.

      • JanG
      • 15. Mrz. 2011 9:07pm

      Danke. Das lese ich natürlich gern. Ich hoffe dass ich da auch in Zukunft gute Themen finde.

    • Rainer
    • 15. Mrz. 2011 8:40pm

    Ich habe eben gerade Frontal21 angeschaut. Die Behauptung, dass mehrere 100.000 Menschen gestorben sind. Wieder Greenpeace Experten und Dr. Lengefelder, der Spezi von Schmidt-Feuerhake. Die WHO-Studie wird war nebenbei als Betrug dargestellt. Gefragt wird dazu niemand. Es folgten dann noch mehr Behauptungen, die allesamt hanebüchen waren. Es wurde noch nicht mal jemand gefragt!
    Oh MANN! Sorry, dass ich meinen Frust hier los werde.
    Rainer

      • JanG
      • 15. Mrz. 2011 9:12pm

      Krasse Sache das, hatte immer gedacht dass ZDF soweit neutral ist. Schätze mal, dass nun auch von dieser Seite Stimmung gemacht werden soll. Soll heißen: wir müssen sehen dass wir in der nächsten Zeit einen Ersatz schaffen wenn die KKW’s wirklich abgeschaltet werden.

      Zu Greenpeace kann ich nur auf den zweiten Teil zur Subventionsstudie verweisen, der Spruch den ich von Dr. Roth zitiert hatte der meinte dass Greenpeace “praktisch ausschließlich solche Aussagen zusammengetragen [hat], die ihr für ihr Ziel, die Folgen des Tschernobyl-Unglücks möglichst drastisch erscheinen zu lassen, ‘geeignet’ erscheinen konnten. Andere Aussagen hat Greenpeace fast vollständig ignoriert oder oberflächlich als interessengebundene Aussagen abgetan.”

      Schlimm ist, dass viele Menschen Laien sind und diesen Unsinn glauben. So wird Meinung gemacht.

    • chefin
    • 17. Mrz. 2011 9:24pm

    Ich möchte deiner ansonsten fundierten Argumentation in einem Punkt widersprechen:

    Wir wären sehr wohl in der Lage, unter in Kaufnahme von Milliardenverlusten (Abschreibungsverlust…also eher Wertverlust von Aktien) in 1-2 Jahren aus der Atomenergie auszusteigen. Dazu müssen aber eine Menge Einstellungen sich ändern.

    Speicherung der Energie aus Solar ist machbar, kostet jedoch enorme Summen, die am Ende jeder über die Stromkosten dann erstmal bezahlen muss. Solarenergie forsieren ist auch machbar, genauso wie Wind und Wasserenergie. Dann darf allerdings nichts in der Art in die Quere kommen, wie es in meiner Nachbarschaft passiert ist: Ein Grün-dominierter Stadtrat (45%, stärkste Fraktion) hat einen Windpark in guter Lage gestopt wegen brütender seltener Vogelart und allgemeiner Lärmbelästigung.

    Technisch gesehen und auch Wirtschaftlich ist es drin. Schränken wir dann noch Individualverkehr ein und nehmen das dadurch gesparte CO2 für Kraftwerke halte ich es als Überbrückung für ausreichend. Zusätzlich vieleicht noch Stromkontingente Pro Person, überschreitung selbiger kostet Strafsteuer um sparsamen Einsatz zu gewährleisten, können wir AKWs innerhalb von 2 Jahren abschaffen.

    http://www.stromtarife-vergleich.net/stromerzeuger/2704-aktueller-strommix-in-deutschland.html

    Wir reden gerade mal von 22,6% in der Grundlastversorgung. Und das bei Entnahmeschwankungen von über 50%.

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Stromnetz_Lastkurve.png&filetimestamp=20100611025119

    Aus diesem Diagramm ersichtlich, könnten wir durch Entzerrung unseres Verbrauchs mit dem Verlust von 23% Stromerzeuger durchaus hinkommen.

    Das Problem daran ist der Komfortverlust, den wir nicht wollen und die Wertvernichtung durch die Abschreibungsverluste bei der Industrie. Politisch wird sich keiner finden, der sowas wirklich durchsetzt.

    Innerhalb von 5-8 Jahren würde ich allerdings eine Abschaltung für möglich halten ohne obige Konsequenzen, eher sogar schneller. Die Weichen müssten halt politisch gestellt werden, so das die Atomlobby 100% weis, da geht nichts mehr. Dann investieren sie auch in alternative Stromquellen, nur davon sind wir momentan recht weit entfernt. Und Demospinner die sofortige Abschaltung fordern, tun der Sache einen Bärendienst. Greenpeace propagandiert keine realistische Einschätzung, ebensowenig die Energieerzeuger. Solange beide masslos übertreiben in die ihnen am besten gefallende Richtung, glaubt am Ende keiner an irgendwelche Sprüche und es bewegt sich nichts.

      • JanG
      • 17. Mrz. 2011 9:55pm

      Dem stimme ich im Großen und Ganzen zu. Ob wir das wirklich in zwei Jahren schaffen kann ich jetzt so auf die Schnelle nicht nachvollziehen, würd ich mir aber mal in Ruhe anschauen. Ein wenig bin ich auch immer von dem Standpunkt rangegangen, dass wir ja schon einen gewissen Standard behalten und auch keinen zu hohen Preis für die Energie zahlen wollen. Aber prinzipiell gebe ich Dir absolut Recht: wenn wir es wirklich wollten könnten wir den Ausstieg schaffen.

      Nur bei der Grundlast bin ich mir absolut nicht sicher. Ich verweise da mal auf diesen Artikel: die Grundlast wird zu 45% von der Kernkraft, zu 49% von der Kohle und zu 6% aus Laufwasser gedeckt. Und diese drei Posten müssen erstmal ersetzt werden. Solar oder Wind sind es leider nicht. Hier tät mich aber mal der Ansatz zur Speicherung interessieren.

      Eines ist prinzipiell richtig: der Ausstieg sofort ist utopisch, aber im Laufe der Zeit machbar. Und je länger die Zeit umso günstiger. Aber wir müssen endlich mal anfangen. Hier sehe ich durch den Vorfall in Japan auch eine gewisse Chance einerseits dass dieser Prozess endlich mal in Gang kommt, andererseits aber auch die Gefahr, dass jetzt zu panisch Aktionen gestartet werden die alles nur noch mehr kaputt machen. Man darf gespannt sein.

    • chefin
    • 18. Mrz. 2011 3:55pm

    Grundlast, Mittellast, Spitzenlast sind Definitionsbegriffe. Ich kann mit einem Schiffsdiesel die Grundlast bestreiten, aber natürlich nicht mehr effizient und zuverlässig.

    Grundlastkraftwerke müssen zuverlässig über Wochen oder Monate arbeiten, alle Verschleissteile müssen im laufenden Betrieb gewechselt werden können. Sie müssen NICHT schnell regelbar sein.

    Mittellast müssen in relativ kurzer Zeit hochgefahren oder gestopt werden können, trotzdem müssen sie hohe Zuverlässigkeit haben.

    Spitzenlast müssen in wenigen Sekunden von 0 auf 100 kommen, zuverlässigkeit muss nur bedingt gegeben sein.

    AKW sind reine grundlastkraftwerke. Die 45% mögen da stimmen, da sie am Gesamtverbrauch gerade mal 22,6% ausmachen. Das lässt auf Grundlast von um die 50% schliessen.

    Das heist wir haben ca 40% Mittellastkraftwerke, die nur zeitweise auf Volllast fahren, ansonsten aber Teillast oder sogar als Lastabnehmer (Pumpspeicherkraftwerke). Wir können also die Mittellastkraftwerke durchaus für die Grundlast mitverwenden. Uns fehlt dann in Spitzenlastzeiten der letzte Rest. Andererseits haben wir eine Redundanz, da immer mal ein Kraftwerk in Revision muss. Ungefähr 10-15% mehr Leistung als wir brauchen. Normal exportieren wir diese Leistung, fallen Kraftwerke mal aus, verbrauchen wir es eben selbst. Das heist, wir hätten durchaus zeit ohne Stromausfall und Bevölkerungsdruck neue Kraftwerke egal welcher art zu bauen. Reine Bauzeiten für Kohlekraftwerke sind 1 Jahr. Planung und Vorbereitung natürlich nochmals Jahre. Da muss dann wirklich mal der Wille da sein, ja zu sagen ohne lange rumzupopeln.

    Du fragtest nach meinen Vorstellungen für Speicherkraftwerke oder Stromspeicher. Gigantische Einzelösungen sind zu aufwendig und unerprobt um verlässlich zu arbeiten. Eher müssen wir uns da auf kleine Ansätze konzentrieren. Oftmals wird der Effizienz viel zu viel Bedeutung beigemessen. Was spielt es für eine Rolle, wenn wir nur 50% des Stroms im Puffer speichern und bei Rückgewinnung weitere 10% Verlust haben, wenn die Alternative heist: Windkraftwerke abschalten, weil der Strom nicht mehr abgenommen wird. Wasserstoff Erzeugung und Brennstoffzellen, Druckluftspeicher, Unterirdische Wasserkraftwerke, die als Pumpspeicher arbeiten. 1000KV Leitungen nach Norwegen, wo man enormes Potential hat zur Pumpspeicherung. Politische Weichen dazu stellen, Staatliche Zusammenarbeit usw. Sonnenkraft in Spanien, Kombinationen in Deutschland, Windkraft in Norwegen. Solange aber noch jedes Land für sich wurschtelt, fehlt es immer an irgendwas um es funktional zu machen. Deutschland hat zb schon lange keinen Platz mehr für Pumpspeicher, aber hohe Bereitschaft zur Windenergie. In unseren Köpfen muss sich was bewegen. Konsequent strom kaufen von Anbietern, die zb Atomstrom ablehnen und stark über den Europaweiten Handel sich versorgen. Das stärkt die Zusammenarbeit zwischen Länderübergreifenden Konzernen und schwächt den Rest. Wenn wir bereit sind 30cent statt 25 für Strom auszugeben, der wirklich versucht ohne Atomstrom auszukommen (im Einkauf), dann wird EnBW meiner Einschätzung nach: 2 Geldkoffer und 2 Monate Zeit brauchen um uns genau das anzubieten. Dann wird kein müder cent mehr in Atomkraft fliesen. Solange wir aber immer dem billigsten nachhetzen, wird Atomstrom unverzichtbar bleiben. Den wenn Milliardeninvestitionen in AKWs möglich sind, können diese Milliarden auch in Gasdruckspeicher und andere Speicherlösungen fliesen. Mit 10 Milliarden bewegt sich da aber richtig was. Erwarte momentan noch keine all zu großartigen Hightecspeicher, wir stehen dazu noch zu sehr am Anfang dieser Entwicklung.

    Man darf aber auch nicht aus den Augen verlieren, das wir zwar das alles schaffen können und es sicherer als Atomkraft sein wird, aber ganz sicher nicht ohne Unfälle mit Totesrisiko abgehen wird, spezell nicht im laufenden Betrieb. Wir werden in 10 Jahren die Bilanz aus Japan lesen können, wieviel Tote, viele Krebskranke usw. Es sind übrigens bis heute genau Null Tote und nur wenige Verletzte aus der Nuklearkatastrophe. Es besteht nur das Risiko, das es sehr viele werden können. Wobei sind 100.000 Tote durch Atomunfall viel? Sind 150.000 Unfalltote jährlich wenig? Ruhig mal die Unfallstatistiken anschauen was so Jahr für Jahr passiert. Nur spielt in unseren Köpfen das ganze sich anders ab, es ist nicht so massiv sichtbar und von einigen wenigen ausgelöst. Statistisch aber muss man das Wort Gefahr an der größten Menge festmachen, nicht an der die man am besten sehen kann.

      • JanG
      • 18. Mrz. 2011 4:58pm

      Schöner Kommentar, danke dafür. Wenn ich das richtig verstehe läuft alles auf ein Gesamtkonzept in ganz Europa hinaus. Dem kann ich nur zustimmen. Meine Sorge aber ist, dass statt endlich mal voranzukommen, wieder nur politisiert wird, jeder den anderen misstruisch beäugt und am Ende nix bei rumkommt. Aber vielleicht irre ich mich ja auch.

      Nur noch kurz zum Punkt mit dem Risiko: es ist wie bei dem Flugverkehr. Ist ja das sicherste, mit einem Flugzeug zu fliegen. Wenn dann aber mal eins runterkommt und gleich mal auf einen Schlag 100 oder 200 Tote zu beklagen sind, dann gräbt sich das ein. Aber eben auch nur weil wir von den tausenden Verkehrstoten nix mitbekommen. Und solange die anderen Industriezweige keine Meldepflicht haben, erfahren wir auch zu wenig was dort alles schief geht. Hatte ich so ähnlich schonmal hier beschrieben. Bzw. siehe auch diesen klasse Cartoon.

    • reinhard
    • 21. Mrz. 2011 2:09pm

    …….ist das hier der Club der Kernkraftfreunde?….

      • JanG
      • 21. Mrz. 2011 6:41pm

      Nun, in der Tat gehöre ich mehr zur “Pro Kernkraft Kategorie”. Das mag zu einem großen Teil auch daran liegen, dass ich als Kernphysiker einen anderen Zugang zur Thematik habe. Im Gegenteil zum uninformierten (aber bestimmt sehr ambitionierten) Laien habe ich eben Fachkenntniss und kann diverse Berichte anders beurteilen. Und da hat sich über die Jahre dann doch eine solche Haltung ergeben.

      Aber Sie sprechen hier eine andere Thematik an, die mich gerade in der letzten Zeit wieder sehr stark beschäftigt. Denn so sehr ich mich natürlich freue wenn ich Zuspruch und Lob für meinen Blog erhalte, so hatte ich insgeheim auch gehofft, dass der ein oder andere Gegner sich hier zu Wort meldet. Und ich weiß, dass es solche Leute auch in meinem Freundeskreis gibt und meine Texte bei diesen zu Diskussionen führen. Aber irgendwie bleiben die dann unter sich und kommen dann zum Schluss, dass ich Unfug schreibe und das wars.

      Ganz allgemein geht es mir in Diskussionen immer wieder so, dass, wenn ich dann erzähle dass ich vom Fach bin, die Diskussion damit am Ende ist. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass bei den meisten Menschen kein Bedarf an sachlichen Informationen besteht, dass sogar eine gewisse Angst da zu sein scheint, dass das eigene Weltbild erschüttert würde, ließe man sich auf die Argumente der Gegenseite ein.

      Sollten Sie also nicht zum “Club der Kernkraftfreunde” (wie Sie ihn nannten) gehören so freu ich mich natürlich umso mehr, wenn Sie sich zu dem ein oder anderen Kommentar hinreißen ließen. Einzig sachlich und nicht beleidigend sollte er sein. Denn ein Dialog zwischen den beiden Seiten ist meiner Meinung nach gerade in der heutigen Zeit wichtiger denn je.

    • jens
    • 22. Mrz. 2011 1:23pm

    Tach auch,

    ich finde dieses Blog sehr interessant, informativ, aufschlussreich und trotz der Tendenz hin zu ‘Pro’-Kernkraft doch objektiv. Ich bin kein Mensch vom Fach; als Informatiker bin ich eher auf das Endprodukt angewiesen und alles was ich nicht sehen kann, finde ich meist verstörend ;-)
    Das aus meiner Sicht größte und häufig nicht genannte Problem mit Kernkraftwerken sind die Folgen, wenn sie erst einmal verunfallt sind. Im Gegensatz zu allen anderen Techniken, die ich mir vorstellen kann, sind die Folgen hier sehr endgültig und vom Menschen nur sehr bedingt eingrenzbar. Im Falle eines Unfalls ist der Mensch nur noch Passagier.
    Das Thema ist so komplex, das man gar nicht weiß, wo man eigentlich anfangen soll und ich persönlich glaube auch nicht, dass es sich lösen läßt. Letztendlich ist alles eine Risikoabwägung, also welches Risiko ist man bereit zu tragen und was ist man bereit zu tun wenn sich herausstellt, dass das Risiko zu groß ist.
    Nun ja, auf die Diskussion warte ich noch, aber vermutlich vergeblich. Auf ein einfaches ‘Abschalten’ würde ich auch mal setzen, aber da schneide ich mir in’s eigene Fleisch :-)
    Grundsätzlich bin ich der Meinung, so schnell raus wie möglich, so lange drin wie nötig (und zwar in Deutschland). Die Alternaive für mich sind nicht auf fossilen Brennstoffen basierende Kraftwerke.

      • JanG
      • 22. Mrz. 2011 1:42pm

      Danke erstmal für das Lob. Zur Frage, dass der einfache Laie die Radioaktivität als verstörend empfindet, hat es hier einen sehr guten Artikel gegeben den ich nur empfehlen kann.

      Und ja, Sie haben absolut Recht: wenn einmal ein Schaden da ist, ist es zu spät. Hier frage ich mich aber ernsthaft, ob denn der Schaden wirklich so groß wäre (siehe meinen letzten Kommentar gestern abend). Denn ganz ehrlich gesagt denke ich, dass die Störfälle, so furchtbar sie auch sein mögen und so verheerend die Folgen sind, trotz allem beherrschbar geblieben sind. Wir haben andere Technologien die in den letzten 50 Jahren wesentlich krassere Umweltschäden und Todesopfer zu beklagen haben, als im Vergleich dazu die Kernkraft. Ich verweise hier immer recht gern auf meinen Artikel “Risiken der Technik”.

      Aber das ist keine Argumentation und im Grunde gebe ich Ihnen absolut Recht: wir müssen zusehen dass wir aus der ganzen Sache so bald als möglich aussteigen. Die Verheizung der fossilen Brennstoffe ist nicht nur unter umweltrelevanter Sicht ein grober Fehler sondern auch in Hinsicht auf die Verschwendung wertvoller Ressourcen. Aber wie Sie auch schön gesagt haben: so lange drin wie nötig. Anders geht es eben auch nicht.

    • jens
    • 24. Mrz. 2011 8:57am

    Danke für die Artikel.
    Ob “der Schaden wirklich so groß wäre” ist vom Betrachter abhängig. Ich denke wir hier in Deutschland werden irgendwann nur noch im Hinterkopf haben, dass in Fukushima dieser ‘Vorfall’ war. Wie es mir persönlich auch mit Tschernobyl geht.
    Ich kann auch nicht sagen, was dies alles für langzeitliche Folgen haben wird. Ich denke, dass kann zum heutigen Zeitpunkt niemand. Und wenngleich ich den Experten glaube, dass die Umstände einen so großen Unfall wie in der Ukraine nicht zulassen sage ich (wie mein Vater vor mir): “Der Teufel ist wie ein Eichhörnchen, hüpft von Baum zu Baum und taucht immer da auf, wo man ihn nicht vermutet.”
    Nimmt man dann die aktuellen Maßnahmen, die um Fukushima getroffen wurden, dann währe hier, im Falle von Krümmel, schon Hamburg betroffen, eine Stadt mit 1,5 Mio Einwohnern. Muss die dann auch evakuiert werden oder zu hause bleiben? Das wären dann zumindest für diese 1,5 Mio Menschen schon ein recht großer Schaden und ich würde dazu gehören. Vom Hafen und der Wirtschaftskraft ganz zu schweigen.
    Ich bin mir im Klaren darüber, dass es immer Risiken gibt und vermutlich, vielleicht mit Chemie, gibt es noch andere vorstellbare Unfälle, die genau solche großflächigen Folgen haben können.
    Manchmal glaube ich, Menschen brauchen Angst im Leben und da wir heute (in Deutschland) keine Kriege zu befürchten haben (die unsere Existenz bedrohen), muss etwas anderes her.
    Und noch was: wenn ich auf tagesschau.de die Kommentare lese, dann bekomm’ ich Grundfragen. Da regt sich tatsächlich einer darüber auf, dass die heute erst wieder Licht im Kontrollraum bekommen und schlägt als besseren Vorschlag vor, ein Notstromgenerator mit ein paar Verlängerungsleitungen zu legen und 500W Fluter aufzubauen. Der glaubt wirklich, dass es da um Licht geht. Ich hoffe immer, dass der stille Anteil der Bevölkerung doch der vernünftigere ist und die ‘nicht Nachdenkenden’ einfach nur am lautesten schreien.

    Was ich übrigens auch nicht wusste ist das mit dem Meldewesen. Läaßt mich auf die Anzahl der ‘Störfälle’ jetzt auch anders blicken.

  2. Ich hab diese Seite über eine Kommentar von scieneceblog gefunden und finde es ganz schön, hier eine weniger emotionale Diskussion zu finden. Da ist zur Zeit ja wieder ganz Deutschland in “Angst und Schrecken” und eine vernünftige Beurteilung der Atomkraft ist meines Erachtens völlig unmöglich.
    Dennoch bin ich gerade durch den Ablauf der Ereignisse nicht mehr sicher, ob sich die hier eher “pro Atom Meinung” wirklich aufrechterhalten lässt. Mich hat in Japan entsetzt wie schnell sich die Kerne der Anlage als praktisch unbeherrschbar entwickelt haben. Das entsprach wirklich nicht dem, was ich bisher unter “sicherer Atomkraft” verstanden hatte. Ich hab auch versucht Zahlen zum Restrisiko (derzeit sicher Anwärter auf das Unwort des Jahres) zu kriegen. Irgendwo hab ich eine Zahl von irgendwas mal 10 hoch -6 pro Tag gefunden und das beunruhigt mich weiter. Damit würden die kolportierten Zahlen vom Gau einmal alle 10 000 Jahren stimmen, was bei der derzeitigen Anzahl von etwas über 400 Kraftwerken ja wirklich bedeutet, dass wir alle 25 Jahre mit einem großen Unfall rechnen müssen. Das ist in meinen Augen definitiv nicht mehr als “akzeptables Restrisiko” zu bewerten.
    Meine Haltung zu Kernkraftwerken hat sich durch die Ereignisse in Japan wirklich sehr geändert. Vorher war ich durchaus der Meinung, dass es natürlich volkswirtschaftlich blöd wäre Anlagen abzuschalten die täglich eine Million Euro an Gewinn abwerfen (wenn ich das so verkürzt darstellen darf) – aber nun glaube ich, dass das Risko wirklich zu groß ist und der Ausstieg ernsthaft begonnen werden sollte.
    Kernkraft hat uns sicher einen großen Teil unseres Wohlstandes gebracht (auch Japan wäre wahrscheinlich ohne Kernkraft niemals DIE Wirtschaftsmacht geworden) aber so nach und nach werden (und sind) die sogenannten “alternativen” Energien eine praktikable Lösung für die Energieversorgung.
    Das dies keine in wenigen Jahren machbare Umstellung ist, ist mir klar und daher wird uns die Kernkraft doch noch bis zum nächsten großen Unfall begleiten – aber eine Gesamtenergiepolitik die eben die wirklichen Chancen und Gefahren der Kernkraft im Auge hat wäre unbedingt nötig. Da ist von regenerativen Energien bis zu wirklichen Einsparmöglichkeiten alles zu durchdenken.
    Wie aufwendig wäre es das Risiko von Kernschmelzen
    wirklich um eine paar Zehnerpotenzen zu verringern? Liegen die Kosten dann im Gegenzug zu anderen Energiegewinnungen noch in vertretbaren Bereichen?
    Wir haben eigentlich viel zu lange viel zu billige Energie verschwendet. Irgendwie ist niemals klar gemacht worden was eine kWh wirklich ist. Ich hab mir den Spaß gemacht das mal irgendwie zu verdeutlichen – gibt natürlich viele Möglichkeiten dazu und ein schnelles Beispiel wäre es, dass man dafür mindestens 5 Stunden am Rad ziemlich stark strampeln muss um diese Energiemenge zu erzeugen. Und wer würde sich schon darüber freuen wenn er diese Energie ins Netz einspeisen darf und dann für 5 Stunden harter Arbeit 20 Cent Gewinn erwirtschaftet hat.
    Ich muss dagen, dass mich eine Strompreiserhöhung nicht wirklich schrecken würde. Natürlich wollen alle Leute Energie so billig wie möglich kriegen – aber eben dieser Begriff “wie möglich” wird in Zukunft mal ernsthaft durchdacht werden müssen.
    Wäre interssant wenn jemand ausrechnen könnte wie viele AKW’s allein schon durch eine Preiserhöhung von 20 % abgeschalter werden könnten weil Energieeffizienz und Energiesparen plötzlich wchtiger würden und damit der Verbrauch “von allein” reduziert wird.

      • JanG
      • 27. Mrz. 2011 5:28pm

      Prinzipiell bin ich auch der Meinung, dass wir sehen sollten, so schnell wie möglich von fossilen Brennstoffen wegzukommen. Hier meine ich zusätzlich aber auch noch Kohle und Öl. Und wie Du es schon richtig geschrieben hast, das wird noch ne Weile dauern. Ich habe aber die Hoffnung, dass der Vorfall in Fukushima eine Art Initialzündung sein wird, endlich verstärkt in diese Richtung zu gehen und diese Entwicklung voranzutreiben.

      Ich denke aber nach wie vor, dass der Unfall, so schlimm er auch war, nicht so krass war wie teilweise dargestellt. Hier zeigt sich mal wieder, was für Sicherheitssysteme mittlerweile in so einem Werk installiert sind. Nur mal zum Nachdenken: wenn (zum Beispiel) eine Chemiebude erst von einem Erdbeben Stärke 9 und einem anschliessenden Tsunami überrollt worden wäre, es wäre zu einer wesentlich größeren Katastrophe gekommen. Was nun aber langfristig für Schäden angefallen sind (und ich denke die darf man auf keinen Fall unterschätzen), das wird sich dann wohl erst in Zukunft zeigen.

      Ich bin sehr gespannt und hoffe dass wir das hinbekommen. Und auf teurern Strom werden wir uns einstellen müssen (schönes Beispiel übrigens :-D)

      Ach so: eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu zehn hoch minus sechs ist ein Millionstel. Also ein Ereignis in einer Millionen Jahre. Was Ihre sonstigen Fragen zu den KKW’s bzw. deren Technik angeht kann ich leider kaum weiterhelfen, ich bin mehr in der Endlagerforschung zu Hause. Aber vielleicht findet sich ja ein Leser dieses Blogs bzw. ich finde da mal im Netz was. Mal schauen.

  3. Zur letzten Antwort: Das von mir zitierte Restrisko war zwar 10 -6 aber PRO Tag. Ich find den exakten Zahlenwert nicht mehr, aber auf Wikipedia gibts einen (glaubwürdigen) Wert von 33000 Betriebsjahre pro schwerem Unfall ( Gesellschaft für Anlagen – und Reaktorsicherheit sowie für Druckwasserreaktor der 2.ten Generation). Das ist nun auch kein so beruhigender Wert weil ja die Anzahl der Karftwerke in die tasächliche Unfallstatistik dann noch eingerechnet werden muss.
    Da Sie schreiben, dass Sie in der Endlagerforschung zu Hause sind habe ich aber ein anderes Thema das mich eigentlich schon lange bewegt.
    Wieso wird überhaupt nach einem Endlager geforscht? Ich meine damit, dass ich glaube, dass die Fragestellung “Wis kann man strahlende Reste über 100 000 Jahre sicher lagern” von vornherein die falsche Frage ist.
    Wahrscheinlich wird kein einziger Geologe eine Garantie dafür abgeben, dass ein beliebiger Ort auch nur für 1000 Jahre “sicher” ist. Die Tasache, dass eine geologische Formation über Millionen Jaher stabil, WAR sagt doch nicht mal sicher aus, dass sie dies auch morgen noch sein wird.
    Also meiner Meinung lautet die Antwort auf die eben derzeit gestellt Frage daher: ” Man kann es NIEMALS sicher über x-tausend Jahre lagern” bzw. die Frage ist unbeantwortbar.
    Warum lautet die nächste (beantwortbare) Frage also nicht “wie kann ich es für einige Jahrhunderte lagern und wie kann ich da die Sicherheit besser garantieren, bzw. bei Problemen reagieren”.
    Und da glaube ich, dass eben “Zwischenlager” eine wesentlich kostengünstigere Alternative wären.
    Um mal eine naive Vorsetllung zu äußern: Chernobyl wird jahrhundertelange ein nicht bewohnbares Gebiet bleiben. Wäre dies nicht damit ein Ort wo innerhalb eines zweiten “Sarkopharges” ein für lange Zeit “sicheres” Zwischenlager eingerichtet werden könnte.
    Wenn man will kann man diesen Sarkopharg auch als Pyramide ausführen und hätte sogar ein 8tes “Weltwunder” bzw. ein Mahnmal für die Zeit der Kernspaltungstechnologie. Wenn die Agypter so etwas für 4000 Jahre stabil errichten konnten sollte dies ja wohl nochmals möglich sein.
    Wüsten, die für einige Jahrhunderte ziemlich sicher unbewohnbar bleiben wären auch ein geeigneter Standort.
    Und wenn man auf diese Weise mehrere Standorte bestimmen kann – das wäre weniger eine sicherheitstechnisch als als eine politische zu lösende Frage, kann man den Restmüll lagern und – sobald eine Standort nicht mehr verwendbar sein sollte (aus welchen Gründen auch immer) den “Müll” an den nächsten Standort verbringen.
    Das mag nun alles naiv klingen (ist es vielleicht auch) aber wären Standorte, die von vornherein auch darauf ausgelegt sind den Inhalt auch wieder abzutransportieren nicht prinzipiell kostengünstiger planbar?
    Asse zeigt doch, dass hier eben ein Auslagern nie in Betracht gezogen wurde und daher nur mit enormen Kosten und Aufwand eine “Repartur” des falasch gewählten Standortes möglich ist.
    Ich will da nicht ewig weiterschreiben – aber die mir wirklich bisher unbeantwortet gebliebene Frage bleibt eben, ob eine x-100 000 jährige Sicherheit nicht von vornherein wegen des verbleibenden Restrisikos ( da haben wir das schöne Wort ja wieder) absolut unmöglich zu erzielen ist – und ob dieses “Restrisiko” nicht mit einer x100 jährigen, mehr oder weniger oberirdischen “Zwischenlagerlösung” ( man kann es ja auch “nur” 50 Meter unter der Erde unterbringen) wesentlich geringer und handhabbarer wäre.
    Und da ja wirklich niemand weiß was in 100 oder 200 Jahren für technische Möglichkeiten existieren werden, muss eben von vornherein eine Verlegung des Lagerinhaltes eingeplant werden.
    Also nicht “Restrisiko” von vornherein mit “praktisch Null” auslegen und unverantwortlich lange “Sicherheitszeiten” einzuplanen( was eigentlich prinzipiell schon gar nicht geht), sondern lieber von vornherein praktikable Lösungen für die Reaktion auf nicht exakt festlegbare Problemstellungen innerhalb eines noch halbwegs überschaubaren Zeitrahmens zu planen und zu realisieren.

      • JanG
      • 28. Mrz. 2011 1:20pm

      Alles klar wg der Zehnerpotenz, bei einer Angabe pro Tag stimmt das natürlich.

      Zur Endlagerung will ich mich hier nicht so ausladend auslassen und verweise auf meinen Artikel Endlagerung in Deutschland. Bin nämlich gerade etwas in Eile (hoffe das ist OK für Sie). Prinzipiell stehe ich aber natürlich für Fragen zur Verfügung, auch wenn es manchmal etwas dauert mit der Antwort. Ach so: zur Asse habe ich auch mal was geschrieben.

    • Matthias
    • 30. Mrz. 2011 3:51pm

    so hatte ich insgeheim auch gehofft, dass der ein oder andere Gegner sich hier zu Wort meldet.

    Das ist eine faire Einladung. Ich nehme sie gerne wahr, möchte aber gar nicht auf meine Atomskepsis eingehen, an der sich in den vergangenen Wochen auch nicht gerade viel geändert hat. Geändert hat sich aber etwas anderes. Ich habe mit großem Interesse den hier schon mehrfach lobend erwähnten physikblog.eu verfolgt. Dabei hat mich nicht nur die Fülle sachlicher Beiträge (“Ich hab das eben mal ausgerechnet…) begeistert, sondern auch der konstruktive Tonfall der Diskussion. So habe ich einiges über AKW gelernt, aber auch über Naturwissenschaftler. Und inzwischen ist mir völlig klar, dass euch zu Recht der Kragen platzt, wenn mal wieder ein Journalist das µ-Zeichen nicht auf der Tastatur findet, ihm m aber auch nicht behagt, und er sich dann sagt – “Ich schreib einfach mal Sv, weiß ja jeder, was gemeint ist.”

    Einige Argumente – zum Beispiel die Sorge um den Forschungsstandort – finde ich persönlich auch nachvollziehbar, ebenso wie die Tatsache, dass man Nukleartechnik faszinierend finden kann. Es ist ein höllisch spannendes Thema, und das soll jetzt kein Zynismus sein.

    Kurz: Ich habe langsam den Eindruck, dass wir uns zwar nicht einig werden, aber auch nicht unendlich weit auseinander liegen. Wir gehören, tippe ich mal, alle zu der Generation, deren Handgepäck zur Hälfte aus Ladegeräten besteht. Es ist höchste Zeit, die alten Grabenkämpfe aufzugeben, sich gegenseitig schlau zu machen und an Lösungen zu arbeiten, mit denen wir alle leben können.

    Ich schaue mich jedenfalls gerne weiter bei euch um.

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