Grundkurs Kernenergie Teil 1: Atombombe und Kernenergie, Kurzer Geschichtlicher Überblick
Gegner der Kernenergie setzen immer wieder die friedliche Nutzung der Kernenergie und die Verwendung als Atombombe gegeneinander. Ist dieser Vergleich gerechtfertigt wenn man sich die unterschiedlichen historischen Abläufe ansieht?
Einigen fachkundigen Lesern werden die Themen dieser Rubrik „Grundkurs Kernenergie“ trivial oder sogar banal erscheinen. Es soll darin um grundsätzliche Fragen der Kerntechnik gehen. Die Zusammenhänge werden vereinfacht dargestellt, Fachleute mögen uns das verzeihen. Um den tieferen Einstieg in die Thematik zu erleichtern, habe ich auf zahlreiche Links zu Wikipedia zurückgegriffen. Wer noch weiter in die Thematik eindringen will sei auf Fachliteratur verwiesen.
Sieht man sich die Geschichte der Menschheit an, finden wir immer wieder Technologien, deren friedliche und kriegerische Nutzung Hand in Hand gehen. Nicht Wenige finden, dass Fortschritt diskreditiert und gefährlich wird, wenn er zur Entwicklung neuer und raffinierter Waffen führt.
Bestes Beispiel ist die Kernspaltung. Ihre Verwendung zur Stromerzeugung und als Waffe ist seit Jahrzehnten in der Diskussion. Auf Seite der Kernkraftgegner kann man hören und lesen, dass sich militärische und zivile Nutzung der Kernenergie gar nicht trennen ließen.
Dabei ist die Kernspaltung kein von Menschen erfundenes Prinzip. Der Naturreaktor Oklo war ein natürlich entstandener Kernreaktor der im Proterozoikum vor etwa zwei Milliarden Jahren 500’000 Jahre lang aktiv war.
Die ersten Jahre und der Zweite Weltkrieg als Katalysator
1938 wiesen Otto Hahn und Fritz Straßmann die erste künstliche Kernspaltung nach, Lise Meitner und Otto Frisch erklärten sie 1939 theoretisch.
Der zweite Weltkrieg wirkte als infernalischer Katalysator für die Entwicklung einer praktischen Anwendung für die Kernspaltung. Enrico Fermi gelang im Rahmen des Manhattan-Projekts am 2. Dezember 1942 die erste kontrollierte Kernspaltung im Kernreaktor Chicago Pile 1. Das Team um Ropert Oppenheimer zündete am 16. Juli 1945 die erste experimentelle Atombombe.
Chicago Pile 1 – Der erste menschengemachte Kernreaktor (Zeichnung)
(Bildquelle: Wikipedia)
Die erste Atombombe, wurde also zweieinhalb Jahre nach dem ersten Kernreaktor gezündet.
Am 6. August desselben Jahres kam es zum Abwurf der Atombombe „Little Boy“ auf die japanische Stadt Hiroshima und drei Tage später „Fat Man“ auf Nagasaki. Es waren die ersten, und bis heute glücklicherweise einzigen Einsätze von Kernwaffen gegen Menschen.
Der Abwurf der beiden Atombomben ist ein verheerendes Erbe das die Kernspaltung, egal zu welchem Zweck, bis heute brandmarkt.
Getrennte Wege von Schwestertechnologien
Dabei trennten sich die Wege von ziviler und militärischer und ziviler Nutzung der Kernenergie bereits 1951. Ende des Jahres erzeugte der zivile Forschungsreaktor EBR-I genug Strom für 4 Glühlampen, 1954 ging das nur 6 MW starke KKW Obninsk bei Moskau in Betrieb. Der erste zivile Betrieb in Deutschland war der Forschungsreaktor München in Garching, 1961 ging das Kernkraftwerk Kahl (15 MW) ans Netz. Seit dem hat sich die Leistung von Kernreaktoren tendenziell erhöht und die Sicherheitstechnik wurde immer wieder verbessert.
Moderne Kernreaktoren zur Stromerzeugung bringen eine Leistung im Bereich von 1000 MW und mehr.

This work, unless otherwise expressly stated, is licensed under a Creative Commons Attribution 3.0 Unported License.
