Über Japans Ausstieg aus der Kernenergie

Nun steigt Japan aus der Kernenergie aus! Welchem Land, wenn nicht Japan, könnte man das weniger verdenken? Zwar blieb die Katastrophe von Fukushima weit hinter den Erwartungen zurück, niemand ist bei der größten Atomkatastrophe aller Zeiten gestorben, und voraussichtlich wird das auch niemand mehr, dennoch ist der japanische Schock über Fukushima verständlicher als der deutsche.

Nun hat die japanische Regierung beschlossen, aus der Kernenergie auszusteigen. Wird die deutsche Energiewende jetzt doch noch zum Exportschlager?

Nicht ganz, wenn man sich die Zahlen ansieht. Der japanische Ausstieg aus der Kernenergie soll bis zum Jahr 2040 erfolgen. Der deutsche Ausstieg bis 2022. Japan erzeugte vor dem Tōhoku-Erdbeben im Jahr 2010 30% seines Stroms aus der Kernenergie, Deutschland 22%.

 

Ausstiege im Vergleich

Die schwarz-gelbe Regierung beschloss im Herbst 2010 eine Laufzeitverlängerung auf 42 Jahre für neuere Kraftwerke und 37 für ältere. Das letzte Kernkraftwerk wäre im Jahr 2036 abgeschaltet worden. Die Kernkraft-Gegner sprachen von einem Wiedereinstieg in die Kernenergie.

Nach dem Moratorium und dem Energiewendebeschluss haben wir nun also 2022 als Datum für den endgültigen Ausstieg.

Der japanische Ausstieg aus der Kernenergie ist damit langsamer und behutsamer als der Wiedereinstieg der deutschen Laufzeitverlängerung von 2010.

Gleiches gilt übrigens für den Ausstieg der Schweiz, der bei genauer Betrachtung nur ein Verzicht auf den Neubau von Kernkraftwerken ist. Die Schweiz hat beschlossen ihre bestehenden Kernkraftwerke so lange wie sicherheitstechnisch vertretbar laufen zu lassen, bis zum Jahr 2034. Das sind 50 Jahre geplanter Laufzeit pro Kernkraftwerk. Ein solcher Ausstieg in Deutschland, würde das letzte Kernkraftwerk im 2042 vom Netz gehen lassen.

Ersetzen möchte Japan die fehlende Strommenge mit erneuerbaren Energien. Japan ist sich dabei bewusst, dass sie auf absehbare Zeit der größte Importeur von Öl, Kohle und Gas bleiben werden.

 

Sieger im Duell der Ängste

Was sich hier ebenfalls zeigt, ist die Abkehr vom Klimaschutz (insofern man dies als ein Problem ansieht), in Deutschland wie in Japan. Wenn es Japan gelänge seinen aktuellen Anteil Kernenergiestrom von 30% beizubehalten, und in der Zukunft weitere 30% aus erneuerbaren Energien aufzubauen, könnten sie bis zum Jahr 2040 60% ihres Stroms aus CO2-armen Quellen erzeugen. Stattdessen wird der Wert CO2-arm produzierten Stroms der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt konstant auf 30% gehalten.

Deutschland könnte mit der vollen Auslastung seiner Kernkraftwerke und einem weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien bis 2022 über die Hälfte seines Stroms aus CO2-armen Quellen beziehen. Tatsächlich sieht die Energiewende vor, dass 35% des Stroms aus CO2-armen Quellen erzeugt werden. Zählt man die deutschen Kapazitäten der Kernenergie und die bereits bestehenden erneuerbaren Energien zusammen, kommen wir schon heute auf 37%.

Die Angst vor der Kernenergie ist größer als die Angst vor dem Klimawandel.

Ähnliche Artikel

Share

Creative Commons License
This work, unless otherwise expressly stated, is licensed under a Creative Commons Attribution 3.0 Unported License.

  1. Noch keine Kommentare vorhanden.

  1. Noch keine TrackBacks.

 

Switch to our mobile site