Die dunkle Seite der Asse

In letzter Zeit ist es ruhig geworden, sowohl auf diesem Blog (Urlaub und unglaublich Streß auf Arbeit) als auch um eines meiner Lieblingsthemen: die Asse. Aktuell bin auch ich nicht so umfassend informiert, wie dort der Stand der Dinge ist. Entsprechend den letzten Meldungen (Stand: 01.06.2012) scheint es mit dem Anbohren der ersten Kammern voranzugehen. Für heute aber will ich da nicht weiter drauf eingehen und mich einem anderen Thema rund um die Asse widmen und einen Blick in deren Vergangenheit werfen.

Kürzlich habe ich mir mal wieder einen Bericht des Helmholtz Zentrums München herausgeholt. Unter dem Titel AG Asse Inventar – Abschlussbericht wurde am 31.08.2010 eine recht umfassende Übersicht zu den in der Asse zwischen 1968 und 1978 eingelagerten Abfällen veröffentlicht. Hintergrund war, dass ab dem 01.01.2009 das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) der neue Betreiber der Asse geworden ist um die Schachtanlage, die bis dahin unter Bergrecht betrieben wurde, den Anforderungen des Atomrechtes entsprechend schließen zu können. Da das Atomrecht in seinen Anforderungen vor allem unter strahlenschutzrechtlichen Aspekten wesentlich restriktiver als das Bergrecht ist, wurde es notwendig, das eingelagerte Inventar neu zu erfassen.

Das Helmholtz Zentrum München (früher die Gesellschaft für Strahlenforschung) war bis zum 31.12.2008 der Betreiber gewesen und deren Mitarbeiter in Jülich hatten teilweise uralte Akten (sofern noch vorhanden) aus den Archiven geholt und diese ausgewertet. Auch Rückfragen zu den ermittelten Ablieferern von radioaktiven Abfällen in die Asse erfolgten. Und so wurde ein recht umfassendes Bild über die in der Asse lagernden Abfälle gewonnen. Leider kamen da auch einige unschöne Dinge an’s Licht.

Ein paar unschöne Dinge …

Der Bericht selber ist ja doch recht alt und vieles will ich hier nicht nochmal aufwärmen. So wurde schon damals berichtet, dass beispielsweise die Menge des mittelradioaktiven Abfalls wesentlich höher zu sein scheint, als zunächst angenommen: so ging man lange Zeit davon aus, dass 1.293 Fässer mit mittelradioaktiven Abfall in der Asse lagern, nun musste man aber diese Zahl auf 14.779 Stück erhöhen. Seinerzeit wurden die Fässer nämlich mit einer Betonabschirmung versehen, so dass die Strahlung an der Oberfläche nicht mehr so stark war und eine Einordnung als schwachradioaktiver Abfall erfolgen konnte.

Aber auch an anderer Stelle wurde wohl immer mal wieder gemauschelt. Hier möchte ich auf das Kapitel 7 im Bericht verweisen. Dieses besteht aus Altunterlagen zum Schriftverkehr. In diesen Notizen und Mitschriften zeigt sich, dass es immer wieder Anfragen gab, die Bestimmungen und Grenzwerte zu umgehen oder Dinge einzulagern, die dort nicht hingehören. Sowas ist natürlich nicht zu tolerieren und hat wohl auch dazu geführt, dass die Asse heute den traurigen Ruf hat, den sie hat.

Nicht zuletzt ist auch die Tatsache, dass, entgegen den ursprünglich rund 11 kg Plutonium in Wirklichkeit ca. 28 kg dieses Elementes dort gelagert wurden. Allerdings gilt hier zu bedenken, dass es keinen Widerspruch zur Aussage gibt, in der Asse lagert kein hochradioaktiver Abfall. Denn als Grenzwert wurde unter anderem vereinbart, dass ein eingelagertes Fass in der Asse jeweils bis maximal 15 Gramm Uran-235, Uran-238 oder Plutonium enthalten darf. Und so verteilen sich die Plutoniummassen recht breit auf die Fässer was es natürlich aber umso schwerer macht, diese zu extrahieren.

… aber auch einiges Gutes

Andererseits konnte in dem Bericht auch das ein oder andere gute Fazit gezogen werden. So sind von den ursprünglich 14.779 Fässern mit mittelradioaktiven Abfall aufgrund von Zerfallsprozessen “nur” noch 8.465 Fässer in diese Kategorie einzuordnen (siehe Kapitel 6 des Berichts).

Ferner wurde

aus dem Schriftverkehr [...] ersichtlich, dass die Mitarbeiter vor Ort beim Feststellen von Abweichungen von den Annahmebedingungen die Einhaltung anmahnten und die Annahme auch tatsächlich verweigerten und die Fässer auf Kosten der Ablieferer zurücksandten. [...] Weitreichende  Konsequenzen,  z. B.  der  endgültige  Ausschluss  einzelner Firmen von der Ablieferung, wurden jedoch nicht gezogen.

Alles in allem bleibt es wohl dabei, dass die tragische Geschichte der Asse noch lange als dunkler Fleck in der Geschichte der Endlagerung behandelt werden wird. Man darf aber auch nicht vergessen, und das wird auch in dem Bericht gut dargestellt, dass es sich hier um ein Forschungsbergwerk handelte. Und so sollte man sich auch vor Augen halten, dass

die  Anforderungen  an  die  Deklaration  und  messtechnische  Erfassung  radioaktiver Abfälle heute deutlich strenger sind, als dies während der Einlagerungszeit in der Asse war. Die technischen Möglichkeiten, die heute zur Verfügung stehen, haben damals nicht existiert oder waren noch nicht ausgereift. Das Verständnis um die Problematik  radioaktiver  Abfälle,  insbesondere  die Gefährdungspotentiale  der  unterschiedlichen Strahlungsarten, hat sich erst mit Fortschreiten der Kerntechnik und der Erfahrungen bei Lagerung und Transport entwickelt. [...]

Zum Zeitpunkt der Einlagerung war das Wissen im Umgang und die Behandlung von radiologischen aber auch von chemotoxischen Stoffen noch nicht sehr tiefgreifend erforscht. Die Annahmebedingungen für die Asse II sowie der Umgang mit den Abfällen bei der Einlagerung mussten zunächst entwickelt werden.

So wurden in der Asse ja auch erstmalig Untersuchungen durchgeführt, in deren Verlauf auch viele Lektionen gelernt werden konnten. Das Wissen daraus kommt heute noch zum Einsatz. So liest man beispielweise auf Seite 10 des Berichts:

Die erste Einlagerungsgenehmigung vom Bergamt Wolfenbüttel vom 22.03.1967 galt nur für die 1. Versuchseinlagerung. Mit jeder neuen Genehmigung wurde diese den Gegebenheiten und gewonnenen Erkenntnissen angepasst. In der Genehmigung zur 2. Versuchseinlagerung wurde z. B. aufgenommen, dass nur Behälter angenommen werden durften, deren Inhalt

a) nicht gär- und faulfähig ist,
b) keine heftigen chemischen Reaktionen erwarten lässt,
c) keine Korrosion von innen bewirkt,
d) frei von flüchtigen Nukliden und
e) frei von entzündlichen Stoffen ist.

Diese Annahmebedingungen galten ab der 2. Versuchseinlagerung auf Dauer.

Diese Bedingungen für Abfälle gelten auch noch heute und nicht nur in Lagern für radioaktive Abfälle sondern teilweise auch in ganz normalen Untertagedeponien.

Ich werde nicht müde zu erwähnen, dass vieles in der Asse passiert ist, was nicht den heutigen Standards entspricht. Man darf aber auch nicht vergessen, dass viele dieser Standards erst entwickelt werden mussten. Hier wurde durch den Betrieb der Asse als Forschungsbergwerk (nicht als Endlager – ein solches war die Asse nie!) viel beigetragen. Und wenn ich heute so manche wissenschaftlichen Arbeiten zur Endlagerforschung (nicht nur aus Deutschland sondern weltweit) lese, dann entdecke ich dort auch immer wieder Dinge, die wir aus den Fehlern in der Asse lernen können.

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    • Eleonore Bischoff
    • 13. Nov. 2012 5:11pm

    MIndestens zweimal schreiben Sie:
    “Man darf aber auch nicht vergessen, und das wird auch in dem Bericht gut dargestellt, dass es sich hier um ein Forschungsbergwerk handelte.” oder so ähnlich.
    Können Sie mir erklären, wofür mann 126.000 Fässer mit Atommüll – zu Forschungszwecken – brauchte? Wie viele Anlieferungen gab es denn noch nach der ersten und der zweiten Anlieferung?
    Wenn es nie als Endlager vorgesehen war, warum hat mann die Fässer nicht so gelagert, dass die Rückholung unproblematisch ist? Denken Sie wirklich, dass die “Erprobung” der Kipptechnik bei so vielen Fässern nur aus Forschungszwecken vorgenommen wurde, und dass ernsthaft davon ausgegangen wurde, dass diese Fässer im Notfall auch geborgen werden könnten. Und die 20 m dicke Wand vor der Einlagerungsklammer 7 auf der 750 m-Sohle wurde auch errichtet, weil es nur ein Forschungsbergwerk war.
    Nein, die 28 kg Plutonium sind ja nicht hochradioaktiv, weil mann sie ja schön verteilt hat. Auch kleine Mengen von Plutonium sind ja nicht gerade beruhigend, wenigstens wenn frau in der Nähe wohnt.

      • JanG
      • 13. Nov. 2012 6:46pm

      Seit einigen Tagen überlege ich eine Antwort, mittlerweile wird sie in Form eines Artikels kommen. Daher bitte ich noch um etwas Geduld, im laufe der Woche kommt er aber.

      Btw: guter Kommentar, hat mich zum Nachdenken gebracht :-)

  1. Kommentar von Eleonore Bischoff:

    MIndestens zweimal schreiben Sie:
    “Man darf aber auch nicht vergessen, und das wird auch in dem Bericht gut dargestellt, dass es sich hier um ein Forschungsbergwerk handelte.” oder so ähnlich.
    Können Sie mir erklären, wofür mann 126.000 Fässer mit Atommüll – zu Forschungszwecken – brauchte? Wie viele Anlieferungen gab es denn noch nach der ersten und der zweiten Anlieferung?
    Wenn es nie als Endlager vorgesehen war, warum hat mann die Fässer nicht so gelagert, dass die Rückholung unproblematisch ist? Denken Sie wirklich, dass die “Erprobung” der Kipptechnik bei so vielen Fässern nur aus Forschungszwecken vorgenommen wurde, und dass ernsthaft davon ausgegangen wurde, dass diese Fässer im Notfall auch geborgen werden könnten. Und die 20 m dicke Wand vor der Einlagerungsklammer 7 auf der 750 m-Sohle wurde auch errichtet, weil es nur ein Forschungsbergwerk war.
    Nein, die 28 kg Plutonium sind ja nicht hochradioaktiv, weil mann sie ja schön verteilt hat. Auch kleine Mengen von Plutonium sind ja nicht gerade beruhigend, wenigstens wenn frau in der Nähe wohnt.

    am 13. November 2012 um 17:11 Uhr

  2. Kommentar von JanG:

    Hierzu muss ich auf morgen vertrösten da mir jetzt die Zeit fehlt und mir dieses Thema am Herzen liegt.

    am 13. November 2012 um 18:46 Uhr

  3. Kommentar von JanG:

    Hierzu muss ich auf morgen vertrösten da mir jetzt die Zeit fehlt und mir dieses Thema am Herzen liegt.

    am 13. November 2012 um 18:46 Uhr

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