Kohle vs. Atom – strahlende Nachbarn
Erst kürzlich war ich wieder in eine Diskussion über die Gefahren, die von einem KKW ausgehen, verwickelt. Und wir reden hier nicht über die Gefahren durch einen Un- oder Störfall, sondern vom ganz normalen Betrieb. Vielleicht war mein Gegenüber zum Schluss auch einfach nur noch genervt, aber als es dann im Rahmen der Diskussion zur Energiewende darum ging, die Kern- durch Kohlekraftwerke zu ersetzen, kam als Antwort: “Ich wohne tausendmal lieber neben einem Kohlekraftwerk als neben einem Atomkraftwerk”.
Hier möchte ich mal nachhaken und die Sache etwas genauer betrachten. Allgemein gilt ja, dass der Betrieb eines KKW’s unter das Atomrecht bzw. die Strahlenschutzverordnung fällt. In letzterer gibt es den § 47 StrlSchV welcher besagt, dass beim Betrieb einer kerntechnischen Anlage die maximale jährliche Strahlenexposition, die durch die Ableitung radioaktiver Stoffe über die Fortluft oder Wasser entsteht, einen Wert von 0,3 mSv nicht übersteigen darf. Dieser Wert ist übrigens deutlich unter dem allgemeinen Grenzwert für die Bevölkerung im Rest von Deutschland: hier darf die jährliche Exposition maximal 1 mSv betragen.
Strahlenbelastung am Kernkraftwerk …
Das heißt nun also, dass diese Werte kontinuierlich gemessen werden müssen. Und so gibt es für jede kerntechnische Anlage den Fachbereich Umgebungsüberwachung der sich genau mit diesen Dingen befasst: da wird die Luft, das Wasser und der Boden mit einem Netz von Messsonden bzw. Probenahmen überwacht. Diese Überwachung erfolgt online wie auch laborativ. Am Ende gibt es dann entsprechend der Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung kerntechnischer Anlagen einen Jahresbericht, der wiederrum zum Beispiel durch das BfS zur Verfügung gestellt wird.
Schaut man jetzt einfach mal beispielhaft in den Jahresbericht für das Jahr 2010, so findet man dort neben vielen Fakten und Zahlen auf Seite 98 das Kapitel 1.3.1: Strahlenexposition durch kerntechnische Anlagen. In den folgenden Tabellen sind die Jahresmittelwerte angegeben: die höchsten gemessenen Werte liegen bei maximal 0,004 mSv pro Jahr – weit unter dem vorgeschriebenen Grenzwert.
… und am Kohlekraftwerk
Wie steht es nun aber mit einem Kohlekraftwerk? Dieses fällt natürlich nicht in den Bereich des Atomgesetzes bzw. des Kerntechnischen Regelwerkes. Logisch: hier werden ja auch keine Kerne gespalten (auf die Tatsache, dass rein vom technischen Standpunkt ein Kohlekraftwerk auch als Atomkraftwerk bezeichnet werden muss, möchte ich jetzt nicht weiter eingehen).
Damit muss auch keine Überwachung der Umgebung hinsichtlich radiologischer Kontaminationen durchgeführt werden. Allerdings muss man sich vor Augen halten, dass in der Kohle verschiedene radioaktive Elemente (Uran, Thorium, Radon, Kalium-40 etc.) enthalten sind, die beim Verbrennungsprozess eben nicht zerstört werden (daher ist auch die Idee, den radioaktiven Abfall in Vulkanen zu entsorgen, nicht sinnvoll). Diese Stoffe werden dann durch die Flugasche freigesetzt, wodurch in der Nähe von Kohlekraftwerken deutlich höhere Strahlenbelastungen festgestellt werden, als neben einem Kernkraftwerk.
So enthält die jährliche Menge an Kohle, die weltweit verfeuert wird, etwa 10.000 Tonnen Uran und 25.000 Tonnen Thorium. Ausgehend davon wird geschätzt, dass durch die Nutzung von Kohle seit 1940 innerhalb von 100 Jahren (also bis 2040 hochgerechnet) weltweit 800.000 Tonnen Uran und 2 Mio. Tonnen Thorium freigesetzt werden (inwiefern diese Werte noch korrigiert werden da durch die Energiewende der Bedarf an Kohlekraftwerken noch deutlich steigen wird, wird die Zeit zeigen). Ein einzelnes Kohlekraftwerk mit einer Leistung von einem Gigawatt setzt pro Jahr demnach 5,2 Tonnen Uran frei. Davon entfallen rund 34 Kilogramm auf das Isotop Uran-235 (das Element, welches in Brennstäben zum Einsatz kommt). Die Strahlenbelastung, die sich daraus ergibt, liegt rund um das Kraftwerk um einen Faktor hundert höher als neben einer kerntechnischen Anlage.
Krebsraten und die Kernkraft
Natürlich wirft das aber auch Fragen auf: war da nicht vor ein paar Jahren eine Forschungsarbeit die zeigte, dass in der Nähe von Kernkraftwerken die Leukämierate bei Kindern erhöht ist? Wie aber kann das sein wenn da keine Strahlung aus dem KKW kommt? Und warum sind dann die Leukämieraten um Kohlekraftwerke nicht auch oder noch mehr erhöht?
Zumindest die letzte Frage lässt sich recht einfach beantworten: weil es nicht untersucht wurde. Es wurden für die Studie wirklich nur die Kernkraftwerke in Deutschland untersucht. Hier offenbart sich meines Erachtens die größte Schwäche dieser Studie. Was ich jetzt schreibe, ist leider nur Vermutung: ich hatte vor ein paar Jahren mal auf einer Tagung mit jemanden geplaudert, der eine Studie aus den 1970ern erwähnte. Darin wurde die Leukämierate um Industriestandorte untersucht: Kraftwerke jeglicher Art genauso wie Fabriken und Lebensmittelbetriebe. Das interessante Resultat: die Leukämierate stieg an fast jedem Standort, wo sich eine große Industrie angesiedelt hatte, signifikant an.
Leider habe ich keinen Beleg für die Behauptung, eine solche Studie habe ich trotz Suchens bis heute nicht gefunden. Die erste Frage, wie es zu einer Erhöhung der Rate kommen kann obwohl die Strahlenbelastung doch so gering ist, lässt sich daher abschließend nicht beantworten. So schreibt auch das BfS:
Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand sei allerdings die Strahlenbelastung der Bevölkerung durch den Betrieb der Kernkraftwerke zu niedrig, um den beobachteten Anstieg des Krebsrisikos zu verursachen. Das Ergebnis könne also nicht plausibel mit den tatsächlichen Ableitungen aus den Reaktoren erklärt werden. Auch andere mögliche Risikofaktoren, die im Zusammenhang mit kindlichen Leukämien in Betracht zu ziehen sind, können den entfernungsabhängigen Risikoanstieg derzeit nicht erklären.
Vielleicht gibt es irgendwann mal eine neue Studie die dann die Leukämieraten in der Nähe von Kern- und Kohlekraftwerken sowie an sich an Standorten mit Großindustrie untersucht. Bis dahin kann aber ich zumindest für mich die Frage, wo ich denn lieber wohnen wollte, klar beantworten und würde mich lieber am Fuss eines Kernkraftwerkes niederlassen als in der Nähe eines Kohlekraftwerkes.
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Eh, wieso kann ich das nicht ver(-teilen)?
Eh, wieso kann ich das nicht ver(-teilen)?
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Anners gemacht… iss allet ok…
Anners gemacht… iss allet ok…
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Falls ich mich richtig erinnere gibt es Untersuchungen von L. Kinlen zur childhood leukaemia ausgelöst durch population mixing (auf die schnelle fand ich diesen Artikel http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3039801/ )
Kommentar von hans:
Falls ich mich richtig erinnere gibt es Untersuchungen von L. Kinlen zur childhood leukaemia ausgelöst durch population mixing (auf die schnelle fand ich diesen Artikel http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3039801/ )
am 12. Juli 2012 um 21:46 Uhr
Kommentar von hans:
Falls ich mich richtig erinnere gibt es Untersuchungen von L. Kinlen zur childhood leukaemia ausgelöst durch population mixing (auf die schnelle fand ich diesen Artikel http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3039801/ )
am 12. Juli 2012 um 21:46 Uhr
Evidence from population mixing in British New Towns 1946-85 of an infective basis for childhood leukaemia
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/0140673690933897
Leider kostenpflichtig
Kommentar von hans:
Evidence from population mixing in British New Towns 1946-85 of an infective basis for childhood leukaemia
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/0140673690933897
Leider kostenpflichtig
am 12. Juli 2012 um 21:57 Uhr
Kommentar von hans:
Evidence from population mixing in British New Towns 1946-85 of an infective basis for childhood leukaemia
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/0140673690933897
Leider kostenpflichtig
am 12. Juli 2012 um 21:57 Uhr
Hallo Hans,
vielen Dank für die Infos, finde ich klasse
Kommentar von JanG:
Hallo Hans,
vielen Dank für die Infos, finde ich klasse
am 13. Juli 2012 um 13:37 Uhr
Kommentar von JanG:
Hallo Hans,
vielen Dank für die Infos, finde ich klasse
am 13. Juli 2012 um 13:37 Uhr
Ist schon toll der Artikel, ABER Atom oder Kernenrgie (mir wurscht wie das heisst) ist genauso schlecht wie Kohle.
Es gibt schon lange andere Energiegewinnungsarten, die leider unter Verschluss sind. Warten wir es ab, und diskutieren eben halt ob ertrinken oder ersticken der bessere Tod ist…..tzzz
Herzlichst
Der Herr Langer
Danke.
…, weil …
Als da wären?
Das wissen Sie jetzt woher?
…
Herzlichst
JanG
Kommentar von Langer:
Ist schon toll der Artikel, ABER Atom oder Kernenrgie (mir wurscht wie das heisst) ist genauso schlecht wie Kohle.
Es gibt schon lange andere Energiegewinnungsarten, die leider unter Verschluss sind. Warten wir es ab, und diskutieren eben halt ob ertrinken oder ersticken der bessere Tod ist…..tzzz
Herzlichst
Der Herr Langer
am 18. Juli 2012 um 13:57 Uhr
Kommentar von Langer:
Ist schon toll der Artikel, ABER Atom oder Kernenrgie (mir wurscht wie das heisst) ist genauso schlecht wie Kohle.
Es gibt schon lange andere Energiegewinnungsarten, die leider unter Verschluss sind. Warten wir es ab, und diskutieren eben halt ob ertrinken oder ersticken der bessere Tod ist…..tzzz
Herzlichst
Der Herr Langer
am 18. Juli 2012 um 13:57 Uhr
Kommentar von JanG:
Danke.
…, weil …
Als da wären?
Das wissen Sie jetzt woher?
…
Herzlichst
JanG
am 18. Juli 2012 um 17:42 Uhr
Kommentar von JanG:
Danke.
…, weil …
Als da wären?
Das wissen Sie jetzt woher?
…
Herzlichst
JanG
am 18. Juli 2012 um 17:42 Uhr
Eine Alternative zum Kohle und Atomstrom.
Danke, das schau ich mir bei Gelegenheit mal an, bin gespannt.
Kommentar von Uwe Gerhardt:
Eine Alternative zum Kohle und Atomstrom.
http://www.youtube.com/watch?v=DNyOkpcWBdo&feature=player_embedded#!
am 7. August 2012 um 17:10 Uhr
Kommentar von Uwe Gerhardt:
Eine Alternative zum Kohle und Atomstrom.
http://www.youtube.com/watch?v=DNyOkpcWBdo&feature=player_embedded#!
am 7. August 2012 um 17:10 Uhr
Kommentar von JanG:
Danke, das schau ich mir bei Gelegenheit mal an, bin gespannt.
am 7. August 2012 um 18:04 Uhr
Kommentar von JanG:
Danke, das schau ich mir bei Gelegenheit mal an, bin gespannt.
am 7. August 2012 um 18:04 Uhr