Kraftwerksbetreiber haften für die Fehler des Staates
Die Asse und immer wieder die Asse. Es ist aber auch schwierig dort: zwar konnte letzte Woche endlich mit den Probebohrungen begonnen werden, aber dann machten auch Gerüchte die Runde, dass man erst 2036 beginnen kann, den Abfall zurückzuholen. Dass es sowieso ein großes Unterfangen ist, den Abfall in adäquater Zeit herauszuholen, habe ich ja auch schonmal dargelegt. Nun wird aber in diesem Zusammenhang auch immer wieder mal die Frage gestellt, warum die hierbei anfallenden Kosten beim Steuerzahler liegen und nicht bei den Verursachern? Hierzu ein paar Gedanken.
Zunächst muss man sich mal klarmachen, wem denn der ganze Abfall in der Asse zuzuordnen ist. Hierzu gibt es derzeit zwei Quellen: zunächst ein Schreiben vom BMU vom 05. März 2009 mit dem griffigen Titel “Herkunft der in der Schachtanlage Asse II eingelagerten radioaktiven Abfälle und Finanzierung der Kosten“. Zum anderen wurden seitens des Helmholtz-Zentrum München (HMGU) im April 2012 zwei umfangreiche Berichte zum Asse Inventar vorgelegt.
Schwierig wird es, schaut man sich mal einzelne Formulierungen in diesen beiden Berichten an. So steht im BMU-Text:
Bei der Wiederaufarbeitung entstehen leicht- und mittelradioaktive Betriebsabfälle, so genannte Sekundärabfälle. Diese Betriebsabfälle sind Eigentum der WAK (die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe) und damit in der Verantwortung der öffentlichen Hand. Nur diese wurden in die Schachtanlage Asse II eingelagert. Bei der Wiederaufarbeitung entstehende hochradioaktive Abfälle wurden nicht in die Schachtanlage Asse II verbracht.
Im einleitenden Text des HMGU hingegen ist zu lesen:
Neben der direkten Lieferung an die Asse II gelangten die größten Mengen radioaktiver Abfälle aus Atomkraftwerken über das Kernforschungszentrum Karlsruhe in das Endlager. Die dortige Wiederaufarbeitungsanlage, die als Pilotanlage für die geplante kommerzielle Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf diente, nahm von den deutschen Kraftwerken abgebrannte Brennelemente an. Nimmt man den direkten und indirekten Weg zusammen, ergibt sich, dass bezogen auf das Jahr 1980 mehr als 85 Prozent der in der Asse eingelagerten radioaktiven Gesamtaktivität aus den Anlagen der heutigen Kernkraftwerksbetreiber stammen.
Man muss natürlich differenzieren: im zweiten Text wird eindeutig geschrieben, dass man sowohl den direkten als auch den indirekten Weg zusammenrechnet. Anders gesagt: hätten die EVU seinerzeit keine abgebrannten Brennstäbe an die WAK geliefert, hätten die auch nicht rumexperimentieren können, es hätte keine Abfälle gegeben und die Asse wäre ein alter Salzstollen geblieben welcher nun verfüllt werden muss.
Zahle ich für die Fehler der anderen?
Aber das Leben ist nun mal kein Konjunktiv und aktuell wird eben auch immer wieder mal diskutiert, ob die Kraftwerkbetreiber heute in die Pflicht genommen werden können für Fehler, die der Bund vor mehr als 35 Jahren begangen hat. Ich stelle mir das immer so vor, dass da auf einmal eine Rechnung zu mir in’s Haus flattert auf der ich angewiesen werde, für eine Couch, die ich 1997 auf einem Wertstoffhof in meiner Stadt ordnungsgemäß entsorgt habe, nachträglich 273,83 Euro zu zahlen, weil der damalige Betreiber das Geld lieber verjubelt hat und den Müll in den Wald geschmissen hat.
Ich für meinen Teil würde eine solche Rechnung nicht ernst nehmen. Bei den Kraftwerkbetreibern wird aber nun stillschweigend vorausgesetzt, dass diese hier in die Tasche greifen sollen. Wieso frage ich da immer: Weil die viel Geld verdienen? Weil es große gesichts- und herzlose Unternehmen sind? In diesem Fall sollte man dann aber auch Autofirmen dafür belangen, dass sie sich an den Kosten der durch ihre Kunden verursachten Unfälle beteiligen sollten.
Die Kraftwerksbetreiber mögen mit ihren Milliardengewinnen nicht gerade zu den Sympathieträgern gehören. Aber sie haben seinerzeit ihre Abfälle teilweise gegen eine Gebühr in den Verantwortungsbereich des Bundes abgegeben. OK, diese Gebühr mag, vor allem aus heutiger Sicht, zu niedrig sein. Vielleicht existiert auch so etwas wie eine moralische Verpflichtung. Und nebenbei bemerkt: gerade die hochradioaktiven Abfälle werden nach wie vor in Zwischenlagern gelagert und gemäß §21 AtG bzw. der EndlagerVlV bekommen die EVU jährlich eine nicht geringe Rechnung für deren Lagerung. Aber eine Verpflichtung an einer Beteiligung an den Kosten kann ich beim besten Willen nicht erkennen.
Sehr schön bringt es in diesem Zusammenhang der letzte Satz des BMU-Berichts auf den Punkt:
Eine rechtlich verpflichtende Beteiligung der EVU an den Stilllegungskosten der Asse hätte vor der Ablieferung der Abfälle mit den EVU vereinbart werden müssen. Dies ist jedoch nicht geschehen.
Ähnliche Artikel
- Wer zahlt für den Müll?
- … und nichts als die Wahrheit
- Die dunkle Seite der Asse
- Einfach mal nachgerechnet
- Die Brennelementesteuer und der Fortschritt in Deutschland

This work, unless otherwise expressly stated, is licensed under a Creative Commons Attribution 3.0 Unported License.


http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/umwelt-technik/grubenwasser-pumpen-pumpen-bis-zum-sankt-nimmerleins-tag-1624990.html
Da stellt sich mir die Frage ob hier auch wirklich alle Verursacher dafür bezahlen.
Das ist echt übel. Und noch schlimmer wird es, wenn man bedenkt, dass in Zukunft wieder verstärkt mit Kohle gearbeitet werden muss um die Grundlast abzudecken. Eine Irsinnsrechnung.
Also Eisenoxide und Mangan (vermutlich auch in oxidierter Form, nicht als Metall) sind doch halbwegs ungiftig und vor allem leicht entfernbar. Sofern “salzhaltig” sich auf NaCl bezieht ist das auch eher unkritisch – lästiger wäre da schon der Nickelanteil. Von radioaktiven Stoffen (gelöstem Radon, Uransalzen) ist nicht die Rede, also vermutlich nicht/nur in geringer Menge enthalten.
Insgesamt also zwar lästig die Mischung, aber so wie beschrieben nichts, woraus man nicht mit relativ geringem Aufwand Trinkwasser herstellen könnte.
Natürlich will man das nicht unnötigerweise mit dem Grundwasser mischen lassen, schon allein um Klagen aus dem Weg zu gehen, aber dass durch einen weiteren Anstieg die Gefahr der Unbewohnbarkeit gegeben wäre sehe ich rein aus diesen Angaben nicht – genaue Werte für die Konzentrationen der genannten Stoffe wären durchaus nett gewesen…
Laut http://www.wasser-guide.de/wasserlexikon/manganmn.html gilt:
Für Eisen gilt ähnliches. Nickel ist, wie oben geschrieben, problematischer, zumal es meines Wissens auch nur schwer entfernbar ist aus Trinkwasser – aber auch hier wäre eine Information über die Konzentration im Grubenwasser schön. Ebenso wie Angaben über den Wasseraustausch (und damit Gesamtmenge aus “ausgelaugten” Stoffen) zwischen Grund- und Grubenwasser.
Oh, und ebenso schön wäre, wenn ich im Editfenster nicht nur 8 Zeilen sehen könnte
Die Firma, in der ich arbeite, hat um 2000 rum einen Bericht zum nichtradioaktiven Inventar der Asse angefertigt. Der ist leider nicht öffentlich, aber ich kann ihn ja mal vorkramen und ein wenig lesen. Ansonsten habe ich da einmal hier einen Bericht des Helmholzt-Zentrum München gefunden. Und dann veröffentlicht die Abteilung “Umgebungsüberwachung” viele ihrer Zahlen – ob da aber die von Ihnen gewünschten Zahlen zu finden sind, kann ich nicht sagen.
Das mit dem Editorfenster ist Mist, das kann man nicht anders sagen. Zum einen hat das Theme selber, welches ich nutze (von mono-lab) nicht viel Platz gelassen, zum anderen nutze ich ein Plugin für den Editor. Dieser gestattet auch dem html-unkundigen Leser, mit Links oder Zitaten zu arbeiten, verringert aber noch weiter den ohnehin schon spärlichen Platz. Auf Wunsch kann ich den aber auch mal wieder abschalten. Und zur Not, auch wenn es umständlich ist: die längeren Kommentare extern schreiben (word oder ähnliches) und dann reinkopieren.
Kommentar von hans:
http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/umwelt-technik/grubenwasser-pumpen-pumpen-bis-zum-sankt-nimmerleins-tag-1624990.html
Da stellt sich mir die Frage ob hier auch wirklich alle Verursacher dafür bezahlen.
am 5. Juni 2012 um 17:51 Uhr
Kommentar von hans:
http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/umwelt-technik/grubenwasser-pumpen-pumpen-bis-zum-sankt-nimmerleins-tag-1624990.html
Da stellt sich mir die Frage ob hier auch wirklich alle Verursacher dafür bezahlen.
am 5. Juni 2012 um 17:51 Uhr
Kommentar von JanG:
Das ist echt übel. Und noch schlimmer wird es, wenn man bedenkt, dass in Zukunft wieder verstärkt mit Kohle gearbeitet werden muss um die Grundlast abzudecken. Eine Irsinnsrechnung.
am 5. Juni 2012 um 20:24 Uhr
Kommentar von JanG:
Das ist echt übel. Und noch schlimmer wird es, wenn man bedenkt, dass in Zukunft wieder verstärkt mit Kohle gearbeitet werden muss um die Grundlast abzudecken. Eine Irsinnsrechnung.
am 5. Juni 2012 um 20:24 Uhr
Kommentar von Engywuck:
Also Eisenoxide und Mangan (vermutlich auch in oxidierter Form, nicht als Metall) sind doch halbwegs ungiftig und vor allem leicht entfernbar. Sofern “salzhaltig” sich auf NaCl bezieht ist das auch eher unkritisch – lästiger wäre da schon der Nickelanteil. Von radioaktiven Stoffen (gelöstem Radon, Uransalzen) ist nicht die Rede, also vermutlich nicht/nur in geringer Menge enthalten.
Insgesamt also zwar lästig die Mischung, aber so wie beschrieben nichts, woraus man nicht mit relativ geringem Aufwand Trinkwasser herstellen könnte.
Natürlich will man das nicht unnötigerweise mit dem Grundwasser mischen lassen, schon allein um Klagen aus dem Weg zu gehen, aber dass durch einen weiteren Anstieg die Gefahr der Unbewohnbarkeit gegeben wäre sehe ich rein aus diesen Angaben nicht – genaue Werte für die Konzentrationen der genannten Stoffe wären durchaus nett gewesen…
Laut http://www.wasser-guide.de/wasserlexikon/manganmn.html gilt:
Für Eisen gilt ähnliches. Nickel ist, wie oben geschrieben, problematischer, zumal es meines Wissens auch nur schwer entfernbar ist aus Trinkwasser – aber auch hier wäre eine Information über die Konzentration im Grubenwasser schön. Ebenso wie Angaben über den Wasseraustausch (und damit Gesamtmenge aus “ausgelaugten” Stoffen) zwischen Grund- und Grubenwasser.
Oh, und ebenso schön wäre, wenn ich im Editfenster nicht nur 8 Zeilen sehen könnte
am 10. Juni 2012 um 22:03 Uhr
Kommentar von Engywuck:
Also Eisenoxide und Mangan (vermutlich auch in oxidierter Form, nicht als Metall) sind doch halbwegs ungiftig und vor allem leicht entfernbar. Sofern “salzhaltig” sich auf NaCl bezieht ist das auch eher unkritisch – lästiger wäre da schon der Nickelanteil. Von radioaktiven Stoffen (gelöstem Radon, Uransalzen) ist nicht die Rede, also vermutlich nicht/nur in geringer Menge enthalten.
Insgesamt also zwar lästig die Mischung, aber so wie beschrieben nichts, woraus man nicht mit relativ geringem Aufwand Trinkwasser herstellen könnte.
Natürlich will man das nicht unnötigerweise mit dem Grundwasser mischen lassen, schon allein um Klagen aus dem Weg zu gehen, aber dass durch einen weiteren Anstieg die Gefahr der Unbewohnbarkeit gegeben wäre sehe ich rein aus diesen Angaben nicht – genaue Werte für die Konzentrationen der genannten Stoffe wären durchaus nett gewesen…
Laut http://www.wasser-guide.de/wasserlexikon/manganmn.html gilt:
Für Eisen gilt ähnliches. Nickel ist, wie oben geschrieben, problematischer, zumal es meines Wissens auch nur schwer entfernbar ist aus Trinkwasser – aber auch hier wäre eine Information über die Konzentration im Grubenwasser schön. Ebenso wie Angaben über den Wasseraustausch (und damit Gesamtmenge aus “ausgelaugten” Stoffen) zwischen Grund- und Grubenwasser.
Oh, und ebenso schön wäre, wenn ich im Editfenster nicht nur 8 Zeilen sehen könnte
am 10. Juni 2012 um 22:03 Uhr
Kommentar von JanG:
Die Firma, in der ich arbeite, hat um 2000 rum einen Bericht zum nichtradioaktiven Inventar der Asse angefertigt. Der ist leider nicht öffentlich, aber ich kann ihn ja mal vorkramen und ein wenig lesen. Ansonsten habe ich da einmal hier einen Bericht des Helmholzt-Zentrum München gefunden. Und dann veröffentlicht die Abteilung “Umgebungsüberwachung” viele ihrer Zahlen – ob da aber die von Ihnen gewünschten Zahlen zu finden sind, kann ich nicht sagen.
Das mit dem Editorfenster ist Mist, das kann man nicht anders sagen. Zum einen hat das Theme selber, welches ich nutze (von mono-lab) nicht viel Platz gelassen, zum anderen nutze ich ein Plugin für den Editor. Dieser gestattet auch dem html-unkundigen Leser, mit Links oder Zitaten zu arbeiten, verringert aber noch weiter den ohnehin schon spärlichen Platz. Auf Wunsch kann ich den aber auch mal wieder abschalten. Und zur Not, auch wenn es umständlich ist: die längeren Kommentare extern schreiben (word oder ähnliches) und dann reinkopieren.
am 11. Juni 2012 um 08:28 Uhr
Kommentar von JanG:
Die Firma, in der ich arbeite, hat um 2000 rum einen Bericht zum nichtradioaktiven Inventar der Asse angefertigt. Der ist leider nicht öffentlich, aber ich kann ihn ja mal vorkramen und ein wenig lesen. Ansonsten habe ich da einmal hier einen Bericht des Helmholzt-Zentrum München gefunden. Und dann veröffentlicht die Abteilung “Umgebungsüberwachung” viele ihrer Zahlen – ob da aber die von Ihnen gewünschten Zahlen zu finden sind, kann ich nicht sagen.
Das mit dem Editorfenster ist Mist, das kann man nicht anders sagen. Zum einen hat das Theme selber, welches ich nutze (von mono-lab) nicht viel Platz gelassen, zum anderen nutze ich ein Plugin für den Editor. Dieser gestattet auch dem html-unkundigen Leser, mit Links oder Zitaten zu arbeiten, verringert aber noch weiter den ohnehin schon spärlichen Platz. Auf Wunsch kann ich den aber auch mal wieder abschalten. Und zur Not, auch wenn es umständlich ist: die längeren Kommentare extern schreiben (word oder ähnliches) und dann reinkopieren.
am 11. Juni 2012 um 08:28 Uhr
Kommentar von Wie teuer ist Atomstrom wirklich – Teil I | Kerngedanken:
[...] mich ehrlich gesagt auch nicht zu sehr mit diesem Punkt hier aufhalten und einerseits auf einen Artikel von mir verweisen, zum anderen auf den Bericht des BMU: “Herkunft der in der Schachtanlage Asse II [...]
am 13. November 2012 um 18:52 Uhr