Das Endlager III: die Zeit nach dem Betrieb

Im dritten Teil der Endlagerserie will ich auf die Zeit nach der Einlagerung eingehen und schildern, was alles zu tun ist, wenn das Lager voll ist. Diese Zeit war und ist auch Gegenstand der Überlegungen, wie wir zukünftige Generationen davor warnen können, nicht aus Versehen die gefährliche Fracht zu heben.

Ein Endlager wird nicht auf ewig betrieben, bereits im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses wird sehr genau festgelegt, wieviel Abfälle eingelagert werden. Grundlage hierfür ist eine Abschätzung des Abfallaufkommens in Deutschland. So ist zum Beispiel Schacht Konrad für ein Abfallaufkommen von 303.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiven Abfall ausgelegt – ein Problem hierbei ist der Müll aus der Asse, der genau deswegen nicht in Konrad gelagert werden kann (so es überhaupt möglich ist, diesen komplett zurückzuholen). Auf diese Weise kann bereits jetzt abgeschätzt werden, dass eines fernen Tages (man geht von einer etwa 60 jährigen Betriebsdauer aus, das heißt, der Schacht Konrad wird um das Jahr 2080 geschlossen werden) der letzte Stollen verfüllt ist und dann beginnt der Rückbau des eigentlichen Endlagers.

Oberstes Ziel: die grüne Wiese

Ein wesentlicher Grundsatz bei der Endlagerung von radioaktiven Abfall ist, dass die Schutzfunktion des Endlagers nach dem Verschluss ohne spätere Wartungs- und Reparaturmaßnahmen aufrecht erhalten werden muss. Lax gesagt soll nach einer gewissen Zeit nichts mehr daran erinnern, dass dort in der Tiefe ein Endlager angelegt wurde. Das heißt, dass nach dem Verfüllen und dem Verschluss sämtlicher untertägiger Hohlräume und Tagesschächte auch die übertägigen Betriebsanlagen (Förderturm, Verladeanlagen, Maschinenanlagen, Werkstätten, Verwaltungsgebäude und ggf. Unterkünfte) zurückgebaut werden. Im Anschluss werden Halden entfernt und das gesamte übertägige Grubengelände rekultiviert. Sämtliche übertägigen als auch untertägige Gegebenheiten (Lage der Einlagerungskammern, -strecken und -bohrlöcher, Verläufe der Zufahrtsstrecken und sämtlicher Bohrlöcher und Schächte) sowie die Nivellementmessungen, sind dabei zu dokumentieren und zu archivieren.

Quelle: Endlagerung wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle in Deutschland, GRS, 2008

Für diese Phase werden noch einmal rund zehn Jahre veranschlagt, am Ende ist dann dort an dieser Stelle ein Zustand hergestellt, der als “grüne Wiese” bezeichnet wird: ein Ort, dem man ohne Wissen zu dessen Vorgeschichte nicht mehr ansieht, was dort passiert ist.

Überwachung und Information

Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass das Wissen um ein Endlager wenigstens 500 Jahre erhalten bleibt. Zumindest für einen Teil dieser Zeit (weniger als 100 Jahre) wird eine übertägige Überwachung der Biosphäre gefordert die sicherstellt, dass es zu keinem Austritt von Radioaktivität oder eventuellen Setzungserscheinungen des Gebirges kommt. Ferner muss auch das Grundwasser überwacht werden um die Einhaltung der wasserrechtlichen Schutzziele zu garantieren. Das bedeutet natürlich, dass auch diese grüne Wiese noch für lange Zeit nach dem Betrieb Teil einer Umgebungsüberwachung ist.

Sind diese rund 100 Jahre dann rum, kann davon ausgegangen werden, dass aufgrund der Konvergenz des Salzes das Endlager fester Bestandteil des geologischen Systems geworden ist, eine weitere Überwachung ist dann nicht mehr notwendig. Aber was dann? Immer wieder stellen ja einige Menschen die Forderung in den Raum, dass trotz allem eine Information über den gesamten Zeitraum von einer Mio. Jahre zu erfolgen hat damit die Menschen in Zukunft hier nicht buddeln. Zu dieser ganzen Problematik habe ich in meinem dritten Teil zur Langzeitsicherheit schon einmal was geschrieben, ich will das daher hier möglichst kurz halten und einfach feststellen, dass ich das für nicht realisierbar halte. Mehr noch: jede Form der Information an einer Stelle kann doch nur wieder eine Verlockung für künftige Generationen darstellen, eben dort mal zu graben.

Wie bereits weiter oben beschrieben: stellt man es fachgerecht an und verschließt das Endlager, baut alles zurück was dort steht und pflanzt am Ende eine Wiese, so ist eine Information zukünftiger Generationen nicht notwendig.

Der Vergleich mit dem Neandertaler

Immer wieder lese ich aber auch Argumente der Art

Wenn die Urmenschen schon AKW’s gehabt hätten, dann müssten wir uns heute noch mit deren Abfall rumplagen!

Das ist sogar in doppelter Hinsicht ein falsches Argument. Man mag jetzt mit den Augen rollen und mir Krümelkakcerei vorwerfen, aber ein Kraftwerk, in welchem mittels Kernspaltung Energie erzeugt wird, ist ein Kernkraftwerk. Hingegen erfüllt bereits ein Kohlekraftwerk die Definition eines Atomkraftwerkes da dort mittels chemischer Prozesse eine Energieerzeugung stattfindet. Genauer (und sehr lesenswert) hat sich Prof Grawe zu dieser Thematik geäußert.

Zum anderen Punkt aber möchte ich mich äußern: was wäre, wenn die Urmenschen (in anderen Zitaten wird statt der Urmenschen auch gern von den Römern, Ägyptern, Neandertalern oder sogar den Dinosauriern geredet), wie in diesem Zitat beschrieben, bereits kerntechnische Anlagen betrieben hätten? Müssten wir uns dann wirklich immer noch mit deren Abfällen herumplagen?

Zunächst muss man festhalten, dass der Abfall nach etwa einer Millionen Jahre sein radiotoxisches Potenzial verloren hat, die Strahlung, die dann von ihm ausgeht, ist von der normalen Umgebungsstrahlung nicht mehr zu unterscheiden. Wenn also Urmenschen wie Lucy (vor ca. 3,2 Mio Jahre) bereits mit Kernkraft experimentiert hätten, dann wäre da nichts mehr übrig, was uns Sorgen machen müsste. An dieser Stelle kann man also auch die Dinosaurier ausschließen. Hingegen die frühen Zivilisationen wie die der Römer oder Ägypter befinden sich in der Tat innerhalb einer Zeitspanne, in der der Abfall noch gefährlich ist.

Aber es gilt eben auch wieder die eingangs erwähnte Vorgehensweise, die, wenn sie eingehalten wird, dafür sorgt, dass an dieser Stelle nichts mehr Rückschlüsse zulässt, dass hier mal ein Endlager betrieben wurde und tief in der Erde eine gefährliche Fracht lagert. So gesehen müsste man das Zitat also abwandeln:

Wenn die alten Ägypter bereits KKW’s betrieben hätten und den Abfall fachgerecht entsorgt hätten, wüßten wir heute nichts davon.

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    • Kroll
    • 18. Mai. 2012 11:44pm

    kurze Frage über Transmutation. Wenn es möglich wäre die langlebigen Radionuklide in kurzlebige umzuwandeln, (zumindestens die Transurane), würde dann die langzeitüberwachung nicht komplett überflüssig werden?

      • JanG
      • 22. Mai. 2012 9:51am

      Bitte entschuldige, dass ich jetzt erst antworte. Bei Transmutation bleibt letztlich immer ein kleiner Rest übrig (Größenordnung rund 1%). Der ist und bleibt langlebig und muss fachgerecht entsorgt werden. Außer natürlich, wir finden was anderes. Aber alternative Konzepte sind bisher eher Mangelware.

  1. Kommentar von Kroll:

    kurze Frage über Transmutation. Wenn es möglich wäre die langlebigen Radionuklide in kurzlebige umzuwandeln, (zumindestens die Transurane), würde dann die langzeitüberwachung nicht komplett überflüssig werden?

    am 18. Mai 2012 um 23:44 Uhr

  2. Kommentar von Kroll:

    kurze Frage über Transmutation. Wenn es möglich wäre die langlebigen Radionuklide in kurzlebige umzuwandeln, (zumindestens die Transurane), würde dann die langzeitüberwachung nicht komplett überflüssig werden?

    am 18. Mai 2012 um 23:44 Uhr

  3. Kommentar von JanG:

    Bitte entschuldige, dass ich jetzt erst antworte. Bei Transmutation bleibt letztlich immer ein kleiner Rest übrig (Größenordnung rund 1%). Der ist und bleibt langlebig und muss fachgerecht entsorgt werden. Außer natürlich, wir finden was anderes. Aber alternative Konzepte sind bisher eher Mangelware.

    am 22. Mai 2012 um 09:51 Uhr

  4. Kommentar von JanG:

    Bitte entschuldige, dass ich jetzt erst antworte. Bei Transmutation bleibt letztlich immer ein kleiner Rest übrig (Größenordnung rund 1%). Der ist und bleibt langlebig und muss fachgerecht entsorgt werden. Außer natürlich, wir finden was anderes. Aber alternative Konzepte sind bisher eher Mangelware.

    am 22. Mai 2012 um 09:51 Uhr

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