Fukushima – ein Jahr danach

Am kommenden Wochenende ist es ein Jahr her, dass Japan von den katastrophalen Ereignissen eines Erdbebens sowie einem Tsunami heimgesucht wurde. Dabei verloren mehrere tausend Menschen ihr Leben, viele gelten noch heute als vermisst und die Zahl der Verletzten ist noch einmal deutlich höher. Ebenfalls entstand ein gewaltiger Sachschaden.

Aber die Japaner sind ein patentes Volk und schon nach nur einem Jahr ist an vielen Stellen erstaunlich viel passiert. Eine schöne Übersicht habe ich da beim Stern gefunden, in einer interaktiven Grafik sieht man eine Vorher-Nachher-Situation die anschaulich macht, was sich in einem Jahr alles geändert hat. Interessanterweise habe ich erst im Dezember eine ähnliche Vorher-Nachher-Grafik gefunden, hier wurden aber Bilder von vor der Katastrophe und kurz danach gezeigt. Beides sehenswert.

Die Energiewende und kein Ende

Alle diese Dinge aber wurden hier im fernen Deutschland überschattet von den Vorfällen im Kernkraftwerk in Fukushima. Diese waren es, die hier eine Lawine auslösten, in deren Ausläufern wir uns heute noch befinden und die Energiewende heißt. Auch hier ist viel passiert: so wurde die erst wenige Monate vorher geplante Laufzeitverlängerung rückgängig gemacht und durch einen kompletten Ausstieg bis 2022 ersetzt, sieben Meiler wurden komplett vom Netz genommen und hochtrabende Worte vom Netzausbau und regenerativen Energien, die künftig das Ende unserer Energiesorgen bedeuten sollen, wurden geschwungen.

Hierzu bin ich kürzlich auf eine Pressemitteilung des BMU gestoßen, in der Röttgen und Rössler die Meinung vertreten, die Energiewende sei auf einem guten Weg. Ich für meinen Teil sehe das etwas anders, aber jeder wie er mag. Vor allem der Satz:

Ziel ist, dass die Photovoltaik schon in einigen Jahren Marktreife erlangt und gänzlich ohne Förderung auskommt.

macht mich neugierig. In der Tat ist es ja so, dass die Weiterentwicklungen in der Solarbranche erstaunlich sind. Und ich fänd es ganz ehrlich nur begrüßenswert, wenn wir eines Tages keine fossilen und nuklearen Brennstoffe mehr vernichten würden. Aber ob die genannten "einigen Jahre" am Ende doch einige Jahrzehnte heißen werden, das steht auf einem anderen Blatt.

Programmhinweise

Nun also haben wir diesen traurigen Jahrestag, und natürlich kommt dieses Thema in all seinen Facetten wieder an die Oberfläche der Medien (und auch Blogs, wie dieser hier ;-)). Und wen wundert es, auch die verschiedenen Sender widmen dem Thema Fukushima einiges an Sendezeit. Bereits am Sonntag kam eine Diskussionsrunde bei Herrn Jauch, mein geschätzter Kollege hat sich diese angesehen und will da in Kürze was schreiben.

Ich möchte an dieser Stelle kurz ein paar Hinweise geben auf Sendungen, die ich mir ansehen und hoffentlich, wenn es meine Zeit erlaubt, hier auch rezensieren werde. Als Endlagermensch liegt dabei mein Interesse natürlich auf dem Gebiet radioaktiver Abfall.

Bereits heute abend (6.3.) kommt auf arte ein Themenabend mit dem Titel "Das Ende des Atomzeitalters". Für mich vor allem interessant die Sendung um 22:30: Strahlendes Vermächtnis – 100.000 Jahre Endlagerung. Hier bin ich sehr gespannt, was das wird. arte habe ich eigentlich als seriösen Sender in Erinnerung (ich schau nicht mehr sonderlich viel Fernsehen), hoffentlich ist er's geblieben. Eine weitere Sendung auf arte lasse ich mir aufnehmen, diese kommt am Donnerstag (8.3.) früh um 8:25 und heißt x:enius. Der Titel dieser Sendung lautet schlicht Endlager.

Fukushima und die Folgen – welche Lehren zieht Japan aus dem Desaster?, diese Frage versucht die Sendung scobel auf 3Sat am 8.3. um 21 Uhr zu beantworten. Die ZDF-Sendung am 7.3. um 22:45 hat für meinen Geschmack den sehr reißerischen Titel: Die Fukushima-Lüge. Wer's mag… Auf Phoenix kommen im Rahmen einer Diskussionsrunde am 11.3. um 13 Uhr einige prominente Gäste zu Wort, unter anderem Herr Röttgen, Frau Künast und weitere. Selber Tag, selber Sender aber abends um 22:45 eine Sendung zum Fukushima-Schock: es geht um "Energie, Moral und das große Geld".

Das war nur eine sehr kleine Auswahl, ich denke, in den kommenden Tagen wird da noch einiges ausgestrahlt ;-), wie gesagt, ich werde mir auf alle Fälle mal die Endlagersendungen auf arte anschauen. Und wer die ein oder andere Sendung sieht und meint, hierzu etwas sagen oder schreiben zu wollen: Beiträge, ob als Kommentar oder Gastautor, sind gerne gesehen.

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    • Rainer
    • 6. Mrz. 2012 2:00pm

    Schön von Euch zu hören! Es war ja eine Weile ruhig hier. Ich bin sehr gespannt auf Eure Texte. 
    Eins weiß ich sicher. Talksshows werde ich mir nicht ansehen, dass werde ich mir nicht antun. 

      • JanG
      • 7. Mrz. 2012 8:50am

      Leider wird es auch in der nächsten Zeit eher ruhig zugehen, auf Arbeit ist enorm viel los. Aber ich will mir Mühe geben :-)

      Ich hab gestern nur mal kurz gegen halb zehn auf arte reingeschaltet – das war gruselig. Schlecht recherchiert, viele Halbwahrheiten und sehr subjektive Berichterstattung. Schade drum. Die Endlagersendung hab ich mir aufgenommen, schau ich später. Da werd ich dann bestimmt aber versuchen, was zu schreiben.

    • Menz
    • 8. Mrz. 2012 10:27am

    Hallo Jan,
    oh man war das gestern Abend gruselig. Ich wollte mir das eigentlich nicht antun, habe dann doch die große Fukushima-Lüge angeschaut. Hilfe, sowas schlechtes habe ich bis jetzt über dieses Thema noch nicht gesehen. Nicht nur das der Atomingenieur einfach mal sehr, sehr frei vom Englischen ins Deutsch "übersetzt" wurde um noch die letzte Panik rauszuschlagen, nein, es gab schlicht keine Zahlen, Fakten oder ähnliches. Einfach nur wüste Behauptung; sprich TEPCO belügt uns alle (Wo?, Wann?, selbst Greenpeace hat die Messung z.B. bestätigt), viele Menschen sind und werden der Katastrophe zum Opfer fallen (bis jetzt immer noch null), auf ewig unbewohnbar (Strahlung ist in den Gebieten geringer als, meinetwegen, an den Küsten Brasiliens), etc. Und wenn wieder ein Erdbeben kommt, dann brechen alle Dämme und es setzt wieder eine unkontrollierte Kettenreaktion ein, aus dem Brennstäben im Abklingbecken 4(?), und meine tote Oma erweckt wieder zum Leben. Mich wundert nicht, dass sie noch das China-Syndrom als Referenz angegeben haben. Es wird sich ins Erdinnere fressen und die Erde explodieren (das kommt dann wohl nächstes Jahr). Einen einzigen Report gab es über die wirklichen Opfer der Erdbeben/Tsunamiekatastrohpe, auf arte, ich glaube es kam nach der Endlagerungs"reportage". Da wird einem bewusst wie unbedeutend Fukushima war. Man/ich schäme mich förmlich vor meinem japanischen Kollegen, die nicht verstehen können, wie einseitig die Berichterstattung hier ist, und die zumindest Bekannte hatten, die bei dem Tsunamie ums Leben kamen.
    Schöne neue Welt. In diesem Sinne, noch eine ereignisreiche Woche, voller Propagandaqualen.

      • JanG
      • 9. Mrz. 2012 1:57pm

      Das schlimme ist, dass selbst auf den "offiziellen", von Gebühren bezahlten Sendern so ein Mist kommt. Bei ner Reportage auf Kabel oder RTL würd's mich nicht wundern, aber das ZDF???

    • Menz
    • 9. Mrz. 2012 4:15pm

     
    Wohl war, wohl war,
    gestern kam ja eine Reportage im Magazin scobel auf 3sat, was eigentlich immer recht gut ist. Es waren wieder einmal Atomexperten zugegen, die sich beim näheren Betrachten nicht als Experten, geschweige denn als unvoreingenommen entpuppten. Es ist merkwürdig, dass jeder Befürworter der  Atomenergie als gekaufter Lobbyist bezeichnet wird, jedoch jeder Atom"experte" des anderen Lagers, der mit seiner Meinung und Populismus sehr viel Geld verdient, als Heilsbringer der nur die absolute Wahrheit sagt, mit unvoreingenommen Vertrauen überschüttet wird. So stellt sich beim bloßen Lesen der Wikipedia Einträge heraus, dass ein gewisser Herr Pflugbeil zwar Physiker ist, aber kein Experte auf dem Gebiet der Nukleartechnik, nein er war Bürgerrechtler (was ihn natürlich sympathisch macht) und Mitbegründer des Neue Forums woraus die Bündnis 90/Die Grünen mit entstanden sind. Die Gesellschaft für Strahlenschutz, wo er Präsident ist, ist gelinde gesagt veraltet und wissenschaftlich nicht tragbar, und sollte wie beschrieben wirklich nicht mit der Gesellschaft für Strahlenforschung verwechselt werden. Ein anderer Experte war Klaus Traube, zugegebener Weise war dieser zumindest längere Zeit in der Branche tätig, promovierte jedoch auf einem anderen Thema (Ich kann den Titel nicht mehr finden). Ich glaube der Satz: „Für die Generation jener Westdeutschen, die Mitte der 1970er Jahre den Kampf gegen die Kernkraftwerke aufnahmen, ist Klaus Traube eine Symbolfigur“ spricht Bände. Da kann doch keine vernünftige Reportage, geschweige denn Diskussion erfolgen.
    Das Ende vom Lied: Lieber Jan, warum zum Teufel wird eigentlich nicht einmal jemand von Euch zu einer Sendung eingeladen, habt ihr das schon einmal versucht?
    Viele Grüße

      • JanG
      • 9. Mrz. 2012 9:35pm

      den pflugbeil kenne ich, ist n kurioser typ :-/

      Aber schoen gesagt mit den Experten, die dann gleich Lobbyisten sind und den Laien, die auf einmal zu Experten werden – genauso ist es leider.

      Und nee: hab's noch nicht versucht in so ne Sendung zu kommen, bin mir da auch gar ni sicher, ob ich das wirklich will. Dann lieber erstmal weiter so, in Blog-Form.

    • rainer
    • 9. Mrz. 2012 7:06pm

    Wenn ich das noch mal erleben dürfte, dass ein wirklicher Experte eingeladen wird und ihm oder ihr dann auch die Zeit eingeräumt wird die Dinge vernünftig zu schildern… Das wäre ja wie Weihnachten und Ostern auf einem Tag. 
    Stattdessen Greenpeace-Experten, die sich wahlweise mit Atomenergie, Naturkatastrophen, Erdöl, Fracking, Gen-Technik und was sonst noch anliegt auskennen. 
    Aber glaubt mir die Realität wird noch alle einholen und dann wird man mit Verwunderungen auf die Jahre 2011 und 2012 zurück schauen.

      • JanG
      • 9. Mrz. 2012 9:36pm

      Das befürchte ich auch. Später schaut man immer zurück und fragt die Leute: wie ging denn sowas, warum habt ihr das gemacht … Na ja, ich bin auf alle Faelle gespannt :-)

  1. Wie viel Plutonium liegt an den Küsten Brasiliens und wie viel wurde von Fukushima aus verteilt? Wie ernsthaft wird in Japan die Plutoniumkonzentration gemessen?

      • Paul Schoeps
      • 3. Okt. 2012 6:10pm

      Hallo Wolf

      Danke für ihren Beitrag und ihr Interesse an Kerngedanken.

      An den Küsten Brasiliens liegt kein Plutonium. Jedenfalls nicht mehr als an anderen Küsten der Welt (Reste der Atombombenversuche). Aber es gibt Regionen in der Welt (z.B. Teile Brasiliens, Indiens und Irans), die sind von Natur aus (z.B. durch natürliche Radonvorkommen) stark radioaktiv belastet.
      Zum Vergleich: Das Gebiet von Fukushima ist durchschnittlich mit einer Mehrbelastung von 5mSv pro Jahr “verstrahlt”. Hotspots liegen aber deutlich darüber (bis zu 200 mSv/a). Hotspots in Brasilien (natürliche Radioaktivität) reichen auf über 400 mSv/a. In Südwestindien liegt die durchschnittliche Strahlenbelastung bei 6mSv/a an Hotspots 32,5 mSv/a. In Ramsar in Pakistan sind es 10 bis 260 mSv/a.

      (Quellen: http://www.physics.isu.edu/radinf/natural.htm

      http://en.wikipedia.org/wiki/Background_radiation)

      Diese Regionen sind nicht evakuiert, nicht abgesperrt. Es gibt dort keine erhöhten Raten von Mutationen, Missgeburten oder Krebs. Diese Regionen sind seit Jahrtausenden bewohnt.

      (Die natürliche Strahlenbelastung in Deutschland beträgt übrigens etwa 2 mSv/a)

      Viele Experten sind der Ansicht, dass die Bewohner von Fukushima längst in ihre Häuser zurückkehren könnten, und dass nur eine irrationale Angst vor Strahlung sie davon abhält.

       

      Zum nächsten Teil ihrer Frage: Durch Fukushima wurde kein Plutonium freigesetzt.

      Wie ernsthaft wird Plutonium gemessen? Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen: Im März 2012 gab es in Deutschland eine Welle von Medieninteresse, weil Spuren von Plutonium auf dem Gebiet um Fukushima gefunden wurden. Viele Zeitungen in Deutschland haben mit dieser Nachricht aufgemacht. Woher wussten die Journalisten das? Sie haben es in den tagesaktuellen Veröffentlichungen von TEPCO und der IAEA gelesen.

      Kurz darauf stellte sich heraus, dass dieses Plutonium winzige Reste der Atombombenversuche im Pazifik waren. Diese Nachricht las man aber nur in der Fachpresse.

      Googeln sie einfach mal: Fukushima und Plutonium

      Sie erhalten eine Reihe von Zeitungsmeldungen, die alle aus dem März 2012 sind. Komischerweise finden sie keine neueren Meldungen. Aber auch keinen Rückruf oder Widerruf. Und jetzt fragen sie sich, ob die Presse die Öffentlichkeit vielleicht Fehlinformiert.

      Und was die “Ernsthaftigkeit” der Messungen angeht.

      Auf dieser Seite von TEPCO finden sie immer die aktuellsten Messungen.

      http://www.tepco.co.jp/en/nu/fukushima-np/index-e.html

      Einige sind tagesaktuell, andere neu.

      Auch die IAEA veröffentlicht tagesaktuell ihre Ergebnisse (obwohl ich momentan keinen Link zur Hand habe, wenn ihnen das wichtig ist, kann ich den nachliefern).

      Greenpeace behauptet vor Ort zu sein und zu Messen, obwohl ich aus Artikeln und dem persönlichen Gespräch mit Leuten die vor Ort waren gehört habe, dass niemand dort je einen Greenpeace-Aktivisten gesehen hat.

      Greenpeace veröffentlicht selbst übrigens keine Messergebnisse, besteht aber darauf, dass TEPCO und die IAEA in ihren Veröffentlichungen lügen (was leicht zu beweisen wäre, wenn sie ihre eigenen Ergebnisse veröffentlichen würden).

      Mit freundlichen Grüßen

      Paul Schoeps

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