… und nichts als die Wahrheit

Alles begann mit einem Artikel in der taz über die Kosten für ein zukünftiges Endlager. In den Kommentaren äußerte sich ein Nutzer, der auf einen Artikel in der Wikipedia verwies. In diesem stünde geschrieben, dass die Kosten komplett beim Steuerzahler liegen. Nun bin ich einerseits ein großer Fan der Wikipedia: die Idee eines großen Wissenspeichers, der kostenlos für alle (die über einen Internetanschluss verfügen) zugänglich ist und der immer aktuell auf der Höhe der Zeit ist – das ist schon was Großartiges.Und auch die Tatsache, dass ja eigentlich viele Köche den Brei verderben, habe ich nie so gesehen. Frei nach dem Motto: die WahrheitTM setzt sich am Ende immer durch.

Zum anderen weiß ich aber auch durch meine Arbeit, dass die Kosten bei der Endlagerung gemäß dem Verursacherprinzip abgerechnet werden. Dazu habe ich schon vor etwa einem Jahr etwas geschrieben. Umso größer aber war meine Verwunderung, als ich im Wikipedia-Artikel zum Thema Radioaktiver Abfall unter dem Punkt Kosten lesen musste:

Für die Kernenergie in Deutschland ist das Verursacherprinzip nicht gegeben, da ein Großteil der Kosten für die Entsorgung von radioaktivem Abfall nicht von den Kernkraftwerk-Betreibern, sondern vom Bund bzw. Steuerzahler übernommen wird.

Was für ein Unsinn, das stimmt hinten und vorne nicht. Ganz konkret wird doch in §21b AtG Absatz 1 klargestellt:

Zur Deckung des notwendigen Aufwandes für die Planung, den Erwerb von Grundstücken und Rechten, die anlagenbezogene Forschung und Entwicklung, die Erkundung, die Unterhaltung von Grundstücken und Einrichtungen sowie, die Errichtung, die Erweiterung und die Erneuerung von Anlagen des Bundes nach § 9a Abs. 3 werden von demjenigen, dem sich ein Vorteil durch die Möglichkeit der Inanspruchnahme dieser Anlagen zur geordneten Beseitigung radioaktiver Abfälle nach § 9a Abs. 1 Satz 1 bietet, Beiträge erhoben. Der notwendige Aufwand umfaßt auch den Wert der aus dem Vermögen des Trägers der Anlage bereitgestellten Sachen und Rechte im Zeitpunkt der Bereitstellung.

Etwas verständlicher (für juristische Laien wie mich) steht es auf der Seite des BMU:

Entsprechend dem Verursacherprinzip sind die Erzeuger bzw. Ablieferer radioaktiver Abfälle, z.B. Kernkraftbetreiber , gesetzlich verpflichtet, die gegenwärtigen und zukünftigen Kosten für die Endlagerung (Errichtungs- und Betriebskosten) einschließlich der Kosten der späteren Stilllegung der Endlager zu tragen (§§ 21a, 21b AtG i. V. m. der Endlagervorausleistungsverordnung – Endlager VIV). Auch die bei den Abfallverursachern bis zur Ablieferung an ein Endlager oder eine Landessammelstelle anfallenden Kosten, z.B. für Konditionierung und Zwischenlagerung der radioaktiven Abfälle, werden von den Abfallverursachern getragen.

So weit, so gut. Kann ja mal passieren dass auch in einer Wikipedia Unsinn steht. Also hab ich mich daran gemacht und hab diesen Abschnitt zu den Kosten überarbeitet. Ich muss zugeben, dass ich dabei etwas faul war und hab mich aus meinem eigenen Artikel bedient. Von dort habe ich aus dem Kapitel Gesetzliche Grundlagen eine gekürzte Fassung rauskopiert. Als meine Änderungen nach zwei Tagen immer noch nicht freigeschaltet waren, ging ich mal in das zu diesem Artikel gehörige Diskussionsforum.

Interessanterweise gibt es dort mittlerweile drei Unterkapitel, die sich mit dem Abschnitt Kosten befassen. Im Unterkapitel acht habe ich dort die Frage gestellt, was mit meiner Änderung passiert ist: sie wurden wegen Urherberrechtsverletzung gelöscht da 1:1 von meinem Text kopiert. Das ist durchaus korrekt da im Blog ganz unten ein Copyright steht (auch wenn mir das egal ist ob jemand den Text kopiert, ich aber bei dem von mir benutzten Theme nicht weiß, wo ich das ändern kann) und es ja nicht ersichtlich war, dass ich der Ur-Autor bin.

Für die nun folgende Diskussion, die vom Nutzer DeGryuter am 31.05.2011 begonnen wurde, muss natürlich auch wieder die tragische Geschichte der Asse herhalten. So schreibt Jakob Schulze:

Zweischen der Aussage im Artikel und der von Degruyter besteht wohl die Diskrepanz, dass das eine der wünschenswerte Zustand (Verursacherprinzip) und das andere die von einigen regristrierte Realität (siehe Asse) ist. Man könnte den Einleitenden Satz vielleicht besser formulieren:
Für die Kernenergie in Deutschland gilt laut Bundesumweltministerium eigentlich das Verursacherprinzip, aber in der realität ist dies nicht immer gegeben, da ein Großteil der Kosten für die Entsorgung von radioaktivem Abfall nicht von den Kernkraftwerks-Betreibern, sondern vom Bund bzw. Steuerzahler übernommen wird.

Leider stimmt diese Behauptung nicht: zum einen sind die Kosten in der Asse (auch wenn es durchaus viel Geld ist, was da angepackt werden muss) nicht wirklich als Großteil der Kosten zu bezeichnen. Zum anderen ist nun mal der überwiegende Teil der in der Asse liegenden Abfälle auf den Bund zurückzuführen. Und so wird eine ellenlange Diskussion angegangen (wo auch mir vorgeworfen wurde, in meinem Blog Halbwahrheiten zu verbreiten), wie sie schon häufig geführt wurde: ob die EVU's die Kosten für die Sanierung der Asse zu tragen hätten, dass es ungerecht ist, dass diese soviel Geld machen und dass doch die EVU's eigentlich die ursprünglichen Besitzer des Abfalls sind.

Vor allem das letzte Argument ist das im Rahmen dieser Diskussion genutzte obwohl es Unsinn ist: die Abfälle wurden ursprünglich von den EVU (gegen eine Gebühr) bei der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe (WAK) abgegeben, aber die dort bei der Verarbeitung anfallenden Abfälle waren es, die schlussendlich in der Asse eingelagert wurden. Diese wiederrum sind eindeutig Betriebsabfälle der WAK und damit Eigentum der öffentlichen Hand (siehe auch dieses Dokument des BMU, Seite 2). Aber selbst wenn es anders wäre, die Frage zur Sanierung der Asse hat mit der Thematik der Entsorgung radioaktiver Abfälle nur marginal was zu tun. Fakt ist, dass für den großen Teil des hochradioaktiven Abfalls, der in den Zwischenlagern auf seine weitere Behandlung wartet, die Verursacher bezahlen müssen. Und nicht nur dafür: auch für alle Kosten, die von der Standortsuche bis hin zum Rückbau eines Endlagers anfallen, werden sie jährlich zur Kasse gebeten.

Was mich an der Sache eigentlich stört: schon vor mehr als einem halben Jahr wurde gezeigt, dass hier Unsinn geschrieben ist. Aber statt sich daran zu machen, diesen Fehler zu berichtigen, ergehen sich die Nutzer dort in sinnlosen Diskussionen. Hier ist irgendwie in mir was kaputtgegangen. Man kann mich ruhig naiv nennen, denn das war ich wohl auch: nicht die Wahrheit ist in der Wikipedia das oberste Ziel, sondern ein rechthaberisches und um keinen Preis seinen eigenen Standpunkt aufgebendes Gezerre zwischen den Nutzern. Es wird mit nicht passenden Argumenten gekämpft und ob vor allem besagter Nutzer wirklich so neutral ist, möchte ich an dieser Stelle einfach mal bezweifeln. Aber er hat halt die Macht darüber zu entscheiden, was richtig und falsch ist und wenn er (der wahrscheinlich nicht einmal in diesem Bereich tätig ist) aufgrund von Greenpeace-Gutachten meint, er kenne die Wahrheit – nun, dann wird diese eben auch gedruckt. Aber als kleiner Frischling habe ich keine Chance, hier was richtigzustellen und ganz ehrlich ist mir mittlerweile auch die Lust dazu vergangen.

Seit Mitte dieser Woche legt sich daher beim lesen dieser Artikel auch immer ein etwas schaler Beigeschmack dazu der mich fragen lässt, ob das denn auch so stimmt was ich da lese. Keine Frage: Wikipedia sollte nie alleinige Quelle sein, aber sie war doch für mich immer ein erster Anlaufpunkt um mich zu informieren da ich, neben der Aktualität vor allem die Neutralität sehr geschätzt habe. Es ist bedauerlich, dass das nun derart empfindlich gestört wurde.

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    • rainer
    • 9. Dez. 2011 9:01pm

    Hey, Kopf hoch! 
    Tatsächlich ist bei mir aber in diesem Jahr das Vertrauen in öffentlich zugängliche Quellen, auch komplett abhanden gekommen. Vielleicht war ich da vorher auch etwas naiv. Das gilt für Printmedien, Online-Magazine, Radio und TV flächendeckend. Bleibt nur die eigene Recherche. Das bedeutet allerdings auch, dass die Themen bei denen ich das Gefühl habe, mitreden zu können, überschaubar bleibt. Zur Euro-Krise zum Beispiel habe ich keine Meinung und auch keine Ahnung und glaube auch niemandem, der behauptet Ahnung zu haben.
    Das ist sozusagen das Streichergebnis. Mit Dieter Nuhr bleibt mir da nur: Einfach mal die Klappe halten…
    Um so mehr freue ich mich auf weitere Beiträge hier bei Kerngedanken.

    • FK
    • 15. Dez. 2011 11:48am

    Man muss sich immer fragen, ob das stimmt was man liest oder sieht. Diese Unterscheidung zwischen Medienfiktion und Realität ist eine immer wieder zu leistende anstrengende Aufgabe. Diese scheitert nur häufig an der rudimentär ausgeprägten Kompetenz der NutzerInnen, deren Unerfahrenheit (oder dem zu gut hergestellten Medium) bzw. schlichtweg an deren Faulheit bzw. Unfähigkeit diese Anstrengung zu leisten.
    Medienkompetenz ist für viele Menschen leider noch ein Fremdwort. Wikipedia zu lesen "als ob das stimmt" oder davon auszugehen, dass Wikipedia "neutral" ist, ist genau so problematisch wie hier zu lesen und davon auszugehen, dass eine kürzlich veröffentlichte Katastropheneinschätzung (mit fragwürdigen Kenntnissen nach nicht mal einem Jahr im Vergleich zu einer Katastrophe vor über 20! Jahren und zu Fiktion in Printmedien) "zutrifft" bzw. "neutral" ist. (wenn mir dieser kleine noch "glimpfliche" Seitenhieb auf den völlig unangemessenen und fachlich äußerst fragwürdigen und bescheidenen Artikel von Herrn Schoeps erlaubt ist)
    Grüße
     
     
     
     

      • JanG
      • 15. Dez. 2011 4:19pm

      Das ist so nicht richtig denn hier vergleichst Du die berühmten Äpfel und Birnen. Es gibt auf der einen Seite natürlich das Internet mit seinen tausenden Seiten wo private Menschen ihre Meinung äußern. Diese muss ich nicht immer teilen oder gutheißen. Und auch auf diesem Blog stelle ich (im Gegensatz zur PopArt-Kategorie) häufig meine Meinung dar, meine Gedanken. Das kann durchaus auch mal Kritik hervorrufen, oft ist das sogar gewollt.

      Aber dann gibt es die Lexika und die Fachliteratur. Hier darf man getrost davon ausgehen, dass diese "stimmen", dass also das, was dort publiziert wird, richtig ist (bitte jetzt keine philosophische Diskussion beginnen, was denn überhaupt die Wahrheit an sich ist). Wäre das nicht so und müsste man, wie Du schreibst, "sich immer fragen, ob das stimmt was man liest oder sieht", würde naturwissenschaftliche und ingenieurtechnische Forschung als solche nicht mehr funktionieren.

      Das Problem ist nun, dass Wikipedia sich selber als ein Onlinelexikon definiert, also in die zweite Kategorie fallen möchte. Und bisher habe ich zumindest bei den naturwissenschaftlichen Artikeln diesbezüglich keine Zweifel gehabt (bei gesellschaftlichen Themen mag das anders sein, das aber kann und will ich nicht beurteilen). Als ich den besagten Text gelesen habe, war das daher schon irgendwie Mist denn bisher waren die Artikel aus dem naturwissenschaftlich/technischen Bereich solide und fachlich korrekt.

      Hier möchte ich kurz einen Tipp für Dich loswerden: es ist sehr wichtig, dass man Texte immer ordentlich liest und sie nicht einfach oberflächlich überfliegt was Du offensichtlich getan hast. Sonst wäre Dir nämlich aufgefallen dass ich sehr wohl geschrieben habe, dass eine Prüfung der Quellen wichtig ist und dass mir Wikipedia lediglich als ein erster Anlaufpunkt diente, um einen Überblick auf eine Thematik zu bekommen. Und weiter wäre Dir aufgefallen dass mein eigentliches Ärgernis ein ganz anderes ist.

      Mich hat es gestört, dass, als ich diesen Fehler beheben wollte, das nicht durfte weil andere Leute (die auf dem Gebiet Kerntechnik und Strahlenschutzphysik im Gegensatz zu mir keinerlei Ahnung haben) das verhindern. Leider ist das ein altbekanntes Phänomen: sobald es um solche Theman geht wird jeder zum Experten – nur nicht die, die auf dem betreffenden Gebiet arbeiten.

      Und man mag von Wikipedia halten was man will, sie dient vielen Menschen als eine Quelle der Information. Und gerade auf diesem sehr sensiblen Gebiet schauen vielleicht tausende täglich auf diesen Artikel und werden nun falsch informiert weil ein paar einzelne es für richtig halten, die von einem Experten überarbeitete Fassung nicht freizugeben weil sie ihnen nicht gefällt. Und das empfinde ich als ärgerlich.

      • OPS
      • 15. Dez. 2011 6:37pm

      Hallo FK

      Danke für ihre Kritik an meinem Artikel.

      Was ich in meinem Artikel verglichen habe, waren vor allem die Erwartungen und Voraussagen der Kernkraftgegner mit der Realität.

      Ich erinnere daran, dass deutsche "Experten" von der Gesellschaft für Strahlenschutz e.V. im Fernsehen und in Printmedien immer wieder auftauchten und Prognosen abgaben. Unzweideutige, klare Prognosen und sogar Empfehlungen. Wie ich schon schrieb, sagten sie zum Beispiel voraus, dass alle der 50 ersten Arbeiter sterben werden und ihr Einsatz zur Stabilisierung des Kernkraftwerkes sinnlos sei.

      Sind wir uns darüber einig, dass beides Unsinn war? Müsste ein Experte, der eine so klare und eindeutige Prognose abgegeben hat dann nicht seine Glaubwürdigkeit verspielt haben, wenn die konkreten Prognosen nicht nur nicht wahr werden, sondern sich als völlig falsch erwiesen haben?

      Desweiteren habe ich die vorherigen Prognosen verglichen im Bezug auf Schaden, Todesopfer, Einflussradius. Das ist übrigens etwas, das die Kernkraftgegner den Befürwortern voraus haben: Das Narrativ. Sie haben Erzählungen die sie machen können.

      Ein Beispiel:

      Ein Arzt geht nach Prpypjat und erzählt wie miserabel die Krankenhausverhältnisse dort sind, er berichtet davon wie er Opfer von Tschernobyl sah und wie entstellt sie sind. Er berichtet wie kahl und tot die Landschaft ist, wie leer die Blicke der Menschen und wie viele Krebskranke es gibt- so ein Bericht mach Eindruck. Der bleibt hängen. Es ist ein voreingenommener Bericht eines einzelnen Mannes- aber Junge- er haut rein!

      Dass die WHO einen Bericht mit mehreren tausend Seiten, zusammengestellt von einigen hundert Forschern und Forschergruppen aufstellt, in dem man nachlesen kann dass weder Fehlgeburten, Krebsrate noch Missbildungen höher sind als im Rest der Ex-Sowjetunion, dass die Krankenhäuser in Prypjat (dank Spendengeldern) die besten öffentlichen Krankenhäuser der ex-Sowjetunion sind und dass die Natur um Tschernobyl gedeiht und keine negativen Folgen der Strahlung bemerkt und dass die psychologischen Auswirkungen von Tschernobyl vielmals schwerer sind als die der Strahlung, dann hat das einen sehr viel höheren wissenschaftlichen Wert, aber es interessiert keinen! Mehr noch- es wird gar nicht geglaubt!

      Weil die innbrünstig vom Arzt vorgetragenen persönlichen Erfahrungen natürlich einen viel tieferen Eindruck hinterlassen. Und der Arzt glaubt auch alles was er da sagt! Er ist kein wichtigtuerischer Lügner der mit aller Macht etwas gegen die Kernenergie machen will, er ist ein Idealist der ganz ernsthaft an seine Sache glaubt. Ihm vorzuwerfen er sei voreingenommen oder gekauft wäre unfair und fies. Das selbe der WHO und einem anonymen Papier vorzuwerfen ist einfach und billig.

       

      Um zurück zu meinem Artikel zu kommen: Es ist das narrative der Prognosen von vor der Katastrophe, die einen wichtigen Beitrag geleistet hat, zur deutschen Angst vor der Kernenergie. Darum habe ich diese Prognosen vorgetragen und sie als krasse Fehleinschätzungen entlarvt.

      Das betroffene Gebiet war nicht so groß wie ein kleiner Kontinent- Fakt! Die Anzahl der Toten durch Strahlung betrug nicht mehrere zehntausend- Fakt! Die finanziellen Schäden lagen nicht im Bereich von Billionen Dollar- Fakt! Das Gebiet ist nicht auf tausende Generationen verstrahlt- Fakt! Wollen sie eine dieser Aussagen in Zweifel ziehen?

      Über die zukünftigen Opfer habe ich gar nicht gesprochen. Es gibt einige Wissenschaftler und Blogs (z.B. Atomic Insights) die fordern die Rückkehr der Bewohner nach Fukushima. Mehr als eine enge Evakuierungszone (etwa 1km) sei nicht nötig.

      Es gibt Regionen auf dieser Welt, die haben einen natürlichen Strahlungseintrag der sehr viel höher ist als der in Fukushima heute. In Deutschland und Japan beträgt sie durchschnittlich etwa 1 mSv/a . In einigen Regionen Indiens beträgt sie 35 mSv/a. An der brasilianischen Atlantikküste 50 mSv/a und in Iran sogar über 200 mSv/a! Das sind Regionen an denen seit Jahrtausenden Menschen leben und dort gibt es keine erhöhten Raten an Krebs, Fehl- oder Missgeburten. Auch nicht bei zugezogenen.

      Wie kann man diese Tatsachen vereinbaren mit der dauerhaften Evakuierung von Fukushima, wo die Strahlung deutlich höher ist als vorher, aber immernoch unterhalb der sogenannten "High Background Radiation Areas" liegen, fragen einige Experten.

      Darauf gibt es zwei Antworten. 1. Die Rationale: Aus Vorsicht. Erst muss es sicher sein. 2. Die Irrationale: Die Menschen fürchten sich davor.

       

      Ich möchte ihnen persönlich eine Frage stellen, die ich auch in meinem Artikel gestellt habe: Sein sie ganz ehrlich zu sich, hätte ich in einer Diskussion mit ihnen, einen Tag vor Fukushima, gesagt: Für den Fall von 3 Atomkatastrophen auf einmal, wird maximal ein Gebiet halb so groß wie der Landskreis Ansbach verstrahlt- für maximal 100 Jahre wenn niemand dekontaminiert- es gibt keinen einzigen Toten durch Strahlung und die Schäden liegen im zweistelligen Milliardenbereich. Kurz, wenn ich gesagt hätte die Ölpest im Golf von Mexiko wäre in jeder Hinsicht schlimmer als 3 GAUs auf einmal- sie hätten mir nicht geglaubt! Sie hätten gesagt ich bin ein Verharmloser und vor einer solch "kleinen" Katastrophe müsste man keine Angst haben. Sie hätten mir nicht geglaubt. Und obwohl sie die Beweise offen vor sich liegen haben, glauben sie es doch immer noch nicht!

    • Kroll
    • 15. Dez. 2011 6:48pm

    @rainer
    Zum thema Geldsystem und Geldkrise (nicht nur Euro, ich glaube andere Wärungen werden folgen) habe ich da eine interessante Seite gefunden:
    http://www.wahrheiten.org/blog/geld-luege/
    ziemlich viele Videos, mehr oder weniger informativ.
    Ich würd mal "money as debt" als eine sinnfolle Einführung empfehlen.

      • rainer
      • 16. Dez. 2011 9:24am

      Danke für den Tip aber bei einem Besuch der Seite http://www.wahrheiten.org ist mir dann doch etwas anders geworden. Das was da über 9/11, BRD GmbH und insbesondere übers Impfen steht, diskreditiert die Seite für mich eindeutig.

        • Kroll
        • 16. Dez. 2011 1:04pm

        Es ist mir auch ein Rätsel wieso man so schwer an sollche Informationen ran kommt, zumindestens aus Quellen die nie nicht Hand in Hand mit Verschwörungstheorien gehen. aber ich habe eine verlässliche Quelle gefunden!! Die gute alte N24 :D :
        http://www.teleboerse.de/kolumnen/kolumnen_brichta/Beim-Geld-geht-es-um-die-Wurst-article430326.html
        Man muss sich nach dem lesen dieses Artikels dann nur vorstellen, dass die Kredite + Zinsen zurückbezahlt werden müssen, und sich fragen woher soll dann dass Geld für die Zinsen kommen, und dass Bild ist vollkommen.
        Tut mir Leid für den ganzen off-topic, fand dass Thema jetz aber irgentwie zu wichtich um gar nix zu schreiben :D

    • FK
    • 19. Dez. 2011 12:09pm

    Ich möchte den Tipp gern an JanG zurückgeben. Lies dir einfach deinen Text selber nochmal durch. Anbei einige Zitate:
    "So weit, so gut. Kann ja mal passieren dass auch in einer Wikipedia Unsinn steht."
    "Was mich an der Sache eigentlich stört: schon vor mehr als einem halben Jahr wurde gezeigt, dass hier Unsinn geschrieben ist."
    "Keine Frage: Wikipedia sollte nie alleinige Quelle sein, aber sie war doch für mich immer ein erster Anlaufpunkt um mich zu informieren da ich, neben der Aktualität vor allem die Neutralität sehr geschätzt habe. Es ist bedauerlich, dass das nun derart empfindlich gestört wurde."
    Es ist eben hoch problematisch von neutralen Medien auszugehen. Gerade Wiki(pedia) können nicht als neutral angesehen werden. Ich kann nur hoffen, dass deine Störung dauerhaft anhält. Den Nachweis hast du ja für deinen Fall, relativ glaubhaft, geführt.
    Zum Thema -Lexika und Fachliteratur stimmt- sage ich nur: Sinn und Logik von Wissenschaft ist es immer Dinge nur sehr eingeschränkt "als zutreffend" anzunehmen. Daher auch unser Zitieren und Verweisen. Dies dient eben nicht nur der Sicherung von Urheberrechten und dem Hinweis zum Weiter/Nachlesen. Lexika sind auch oft keine sinnvollen Quellen, da dort nicht ausreichend sorgfältig recherchiert wird.
    Zum anderen Kommentar von OPS sage ich nichts mehr. Ich finde diese Katastrophenvergleiche völlig fehlleitend. Sie reden sich die Dinge schön (immer im Vergleich zu etwas aus ihrer Sicht mit größerem Schaden). Vielleicht ist dies eben ein Teil von pragmatischen Normalisierungsbestreben (in der Kernkraftbranche). Nur so kann ich ihre Beiträge noch einordnen. Jede Seite behauptet die Beweise auf ihrer Seite zu haben. Jede Seite hat Experten die Extreme proklamieren und nun relativiert werden. Je nach Situation ist es eine Atomkatastrophe, dann wieder drei. Sie bedienen sich hier genauso, für ihre Zwecke, verschiedenster Zuspitzungen.
    Fakt ist, dass drei Reaktoren zerstört sind. Fakt ist, dass dies Milliarden kostet und kosten wird. Glimpflich nenne ich dies nicht.
    Ich vermute mal viele Leserinnen hätten ihr Anliegen auch in drei Sätzen verstanden. Besser wird die Qualität ihres Textes für mich jedenfalls nicht.
    Viele Grüße
    FK

      • OPS
      • 19. Dez. 2011 9:51pm

      Es geht nicht darum etwas zu verglimpflichen oder zu verharmlosen.

      Im Gegenteil schreibe ich selbst mehrfach, dass eine Katastrophe auch dann ein schlimmes und schreckliches Ereignis ist, wenn man ihre Folgen nicht übertreibt. Worum es mir geht, ist ein Gefühl für Verhältnismäßigkeit zu schaffen.

      Fukushima war eine schreckliche Katastrophe.

      Genau wie Deepwater Horizon. Mit 9 mehr Toten, größeren Umweltschäden und vergleichbaren finanziellen Schäden. Doch niemand hat die Förderung von Öl in Frage gestellt.

      Die Bhopal-Katastrophe bei der 3'800 bis 25'000 Menschen gestorben sind. Gab es anschließend einen Bann auf Pflanzenschutzmittel?

      Hat man nach der Titanickatastrophe die Schifffahrt eingestellt? Nach Enschede die Produktion von Feuerwerkskörpern? Hat die deutsche Politik nach Eschede den Ausstieg aus der Eisenbahn entschieden?

      Und jede einzelne dieser Katastrophen hat mehr, zum Teil sehr viel mehr Menschenopfer gefordert. Es gibt tausende Technologien und Unfälle die mehr Menschen geschädigt oder getötet haben- aber die Kernenergie ist weit über ihre realistische Gefährlichkeit stigmatisiert.

      Ich verlange lediglich, dass man an die Kernenergie und Unfälle in der Kernenergie die selben Maßstäbe anlegt wie an andere Industrien. Wieso sollte man andere Maßstäbe anlegen?

      Ich begreife das nicht. Können sie es mir erklären?

      • JanG
      • 22. Dez. 2011 3:55pm

      Ich glaube, zwischen uns liegt ein Missverständnis vor welches wohl auch auf unserer unterschiedlichen Ausbildung beruht. Während Du Sozialwissenschaftler bist, bin ich Naturwissenschaftler. Ich kann mich gut erinnern, dass Deinesgleichen zu einem Thema manchmal zehn oder zwanzig verschiedene Bücher aus der Bibliothek geholt haben und dort dann auch zehn bis zwanzig verschiedene Meinungen vorfanden. Ich hingegen habe mir ein Buch geholt und wusste: da steht alles genauso drin, wie in jedem anderen zum selben Thema. Und ich konnte mich darauf verlassen, dass das auch stimmt, was da steht, es musste nicht hinterfragt werden. Es macht auch keinen Sinn, würde man das nämlich tun, müsste man wieder und wieder das Rad neu erfinden. Oder etwas auf die Spitze getrieben: ich müsste, um einen quantentheoretischen Formalismus herzuleiten, erst einmal den Satz des Phytagoras neu beweisen – ich kann ja nicht davon ausgehen dass der Gute sich vor 2000 Jahren nicht doch geirrt hat.

      Wie gesagt, das Beispiel war jetzt auf die Spitze getrieben, es soll aber verdeutlichen: man sollte zwar vieles hinterfragen, vor allem wenn es sich um private Seiten im Netz handelt, aber es gibt eben auch Quellen die zuverlässig sind. Und wenn ich ein Paper von physical review herunterlade, dann kann ich davon ausgehen, dass es sich dabei um eine vertrauensvolle Quelle handelt die man ernst nehmen kann. Dass in einem weiteren Prozess auch etablierte Theorien und Modelle immer wieder neu angepasst und auch hinterfragt werden müssen, ändert daran nicht viel.

      Es mag aber nun gut sein, dass das in Deinem Metier ganz anders ist, dass es hier eben keine zuverlässigen Quellen gibt und die Wissenschaftler in diesem Bereich permanent und ständig „auf wackligem Boden“ stehen. Das kann ich aber nicht beurteilen, ich bin in diesem Bereich nicht tätig und im Gegensatz zu so manchem physikalischen Laien, der die Hybris hat, mir Nachhilfe in Sachen Physik erteilen zu wollen, halte ich mich etwas mehr zurück wenn ich nicht ganz so firm in einer Sache bin.

      Womit ich bei einem anderen Punkt bin der mich bei Dir schon länger interessiert. Ich kenne Dich als einen engagierten Menschen der sich für Dinge, die ihn interessieren, auch einsetzt. Ferner schätze ich Dich als jemanden, der, wie Du ja selber schreibst, immer auch alles kritisch hinterfragt, sich nichts einfach erzählen lässt. Aber meine Frage an Dich: wie informierst Du Dich kritisch zur ganzen Problematik Kernkraft und alles was dranhängt? Welche Quellen nutzt Du?

      Im folgenden Absatz will ich ehrlich sein und schreibe, was ich vermute. Ich denke, dass Du in der Tat nur Quellen nutzt, die Dein Weltbild stützen, andere sind für Dich nicht glaubwürdig. Oder hast Du Dich jemals mit jemanden unterhalten, der in der kerntechnischen Branche arbeitet? Hast Du je einen Fachmann auf diesem Gebiet befragt, welche Zusammenhänge es gibt? Kennst Du das kerntechnische Regelwerk wenigstens in einer groben Übersicht? Ich sage: nein, das tust Du nicht. Du liest (vielleicht in der taz oder bei Greenpeace) von einem Zwischenfall in einem Kernkraftwerk. Aber der nächste Schritt wäre, in den Berichten des BfS nachzublättern wo diese Fehlermeldungen gesammelt und dargestellt sind. Ein weiterer Schritt wäre, Erkundigungen bei Betroffenen zu holen, vielleicht sogar einem Mitarbeiter in dem betreffenden Kraftwerk. Aber das tust Du nicht, Du liest etwas darüber und glaubst das scheinbar.

      Wie gesagt, in dem vorhergehenden Absatz habe ich meine Vermutung geschrieben. Gern darfst Du mich aber eines Besseren belehren und sollte es nicht zutreffen werde ich mich natürlich entschuldigen dass ich Dir Unrecht getan habe. Aber ich möchte Dir auch den Grund nennen, warum ich das vermute: ich arbeite seit fast 14 Jahren in der kerntechnischen Branche, seit bald vier Jahren bin ich in der Endlagerforschung tätig. Ich habe zudem eine vertiefende Ausbildung in Reaktorphysik und habe die Fachkunde zum Strahlenschutz mit erhöhten Anforderungen. Ferner besuche ich Tagungen und Seminare zu diesen Themen und stehe in Kontakt mit den auf diesem Gebiet tätigen Fachleuten.

      Trotzdem muss ich beobachten, dass das Thema Kernkraft & Co im Freundeskreis zwar teilweise intensiv diskutiert wird, aber keiner kam je auf die Idee, mich mal zur Thematik zu befragen. Ich finde das seltsam: wenn ich mich auf einem Gebiet engagiere, dann finde ich es toll, jemanden zu kennen, der sich auskennt und löchere ihn dann förmlich mit Fragen. Nun, das sind so die Überlegungen, die mich zur Überzeugung gebracht haben, dass Du es bei Deinen Recherchen mit der kritischen Hinterfragung auch nicht so genau nimmst. Aber wie gesagt: vielleicht irre ich mich ja auch, dann beweis mir das aber bitte. Denn ansonsten ist das, was Du machst, vergleichbar mit denen die am Stammtisch diskutieren dass das Jugendstrafrecht zu lasch ist weil sie das in der Bild gelesen haben und die sich nicht die Mühe machen, sich auch mal in anderen Quellen kundig zu machen oder gar jemanden wie Dich um Rat fragen.

      Beste Grüße,

      Jan

    • MiB
    • 24. Sep. 2012 10:15am

    Hallo JanG,
    das Ganze ist natürlich schlecht gelaufen. Aber meines Erachtens ist es die Wikipedia wert ein wenig länger auf einem sachlich korrekten Standpunkt zu beharren. Daher habe ich mich der Sache mal angenommen. Wir werden sehen, wie erfolgreich das sein wird, aber falls du Lust und Zeit hast, wären deine Kommentare in der Diskussion zum Artikel Atommüll natürlich sehr willkommen. Ich habe vorerst nur den hier besprochenen Satz editiert (abwohl der gesamte Abschnitt “Kosten” einer Überarbeitung bedarf) und bin dabei recht deutlich auf die Befürworter der ursprünglichen Fassung zugegangen, indem ich einen expliziten Absatz zur Asse hinzugefügt habe. Ich hoffe, dass es nun dennoch sachlich richtig ist. Du kannst ja mel einen Blick darauf werfen. :)
    Wenn meine Veränderung in dem Artikel bestand hat, werde ich auch den Rest bearbeiten.
    MfG MiB

      • JanG
      • 26. Sep. 2012 9:13am

      Danke, das freut mich dass es hier vorangeht. Ich selber nutze nach wie vor gern die Wikipedia und bin auch überzeugt, dass sich über kurz oder lang die Qualität durchsetzen wird. Aktuell bin ich auf Arbeit tüchtig eingespannt, aber ich werde dennoch ab und an mal vorbeischauen.

      Vielen Dank aber an dieser Stelle für die Mühe und meine besten Grüße :-)

  1. 6. Aug. 2012

 

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