Geschichten aus der Asse, Teil II
Eines meiner Projekte befasst sich mit der Asse und da ich heute mal wieder im Rahmen dieses Projektes dort war, möchte ich die Gelegenheit nutzen, ein paar Geschichten zu erzählen: die Geschichten aus der Asse. Und da es vor einiger Zeit schon einmal solche Geschichten gab, soll dieser Artikel der zweite in der Reihe sein. Heute: ein neues Messsystem und wie eine Bohrung alles aufhalten kann.
Die Asse ist ein Sonderfall wie es ihn auf der Welt kein zweites Mal gibt. Anfang des 20. Jahrhunderts als Bergwerk genutzt, wurde sie bis Ende 2008 auch nach Bergrecht betrieben. Das änderte sich aber mit dem Betreiberwechsel: war bis dahin die Helmholtzgesellschaft für den Betrieb verantwortlich, untersteht sie seit dem 1.1.2009 dem Bundesamt für Strahlenschutz. Das liegt daran, dass sie nun atomrechtlich geschlossen und damit nach Atomgesetz betrieben werden muss.
Aus vielen mach eins
Das bringt eine ganze Menge Änderungen mit sich. Um mal ein Beispiel zu nennen: in einer bergrechtlichen Anlage wird unter anderem die Umgebung, aber auch der Schacht sowie die baulichen Einrichtungen hinsichtlich verschiedenster Parameter überwacht. Das kann neben solch profanen Dingen wie dem Wetter (Windrichtung und -stärke, Temperatur und Niederschlag) auch sowas sein wie die Belastung der Luft mit Feinstaub aufgrund von Abluft aus dem Schacht. Allerdings erfolgt diese Überwachung vergleichsweise lax. In einer kerntechnischen Anlage hingegen gilt das so genannte KTA-Regelprogramm, das ist ein Katalog von mehr als 90 detaillierten Angaben, wie diese betrieben werden muss. Und dieser macht zum Beispiel auch sehr konkrete Angaben zu solchen Dingen wie der Überwachung der Abluft, aber auch solche Aspekte wie Lastanschlagpunkte an Lasten werden geregelt.
Bereits in der Vergangenheit wurde in der Asse ein breiter Katalog an Umwelteinflüssen untersucht und überwacht, es gab sowohl eine Personenüberwachung als auch eine Umgebungsüberwachung. Und seit in den 1970er Jahren radioaktive Stoffe eingelagert wurden, mussten natürlich auch grundlegende Anforderungen des Strahlenschutzes erfüllt sein. Aber erst seit die Anlage nach dem AtG betrieben wird, erfolgt eine dem kerntechnischen Regelwerk angepasste Überwachung.
Hierfür soll unter anderem ein Messsystem geschaffen werden, welches die nötigen Parameter selbständig und permanent misst, diese anschließend bewertet und schließlich in einer Datenbank ablegt und archiviert. Die Schwierigkeit liegt dabei vor allem darin, dass es ja bereits Systeme gibt: für jeden Aspekt ein eigenes. Aber die müssen nun unter einen Hut gebracht werden, vereinigt in einem großen, Gesamtnetzwerk. Um ein solches System zu implementieren, muss zunächst der gegenwärtige Zustand erhoben werden. Das ist unsere Aufgabe (sprich: meine und die meiner Kollegen): wir prüfen den derzeitigen Zustand der Strahlenschutzüberwachung in der Asse und gleichen diesen mit den Anforderungen des kerntechnischen Regelwerkes ab. Dafür müssen Unterlagen geprüft, aber auch mit den Mitarbeitern vor Ort Begehungen durchgeführt werden. Insgesamt ist es das Ziel, am Ende genau sagen zu können, was für Schritte durchgeführt werden müssen, um in der Asse ein Monitoringsystem zur Überwachung der Radioaktivität zu errichten, welches den hohen Standards hier in Deutschland entspricht.
Mein Projekt steht still so lange der Bohrer sich nicht dreht
Und so waren wir heute wieder vor Ort um einige Themen zu klären. Allerdings geht es zur Zeit in der Asse drunter und drüber, steht doch die Probebohrung an (siehe den ersten Teil der Geschichten aus der Asse wo ich darüber ausführlicher berichtet habe). Daher sind derzeit alle nur verfügbaren Mitarbeiter eingespannt damit das möglichst noch in diesem Jahr durchgeführt wird. Immerhin hat es ja auch lange genug gedauert, seit fast zwei Jahren wird daran gearbeitet.
Nun also soll es bald soweit sein, die erste Kammer kann angebohrt werden. Das ist natürlich ein spannender Moment, zeigt sich dann doch endlich, wie es denn weitergehen soll in der Asse. Und sobald das dann geschafft ist, wird es auch mit meinem Projekt wieder weitergehen. Bis dahin aber heißt es nun für mich: die KTA-Regeln durchschauen und mit den bereits erhobenen Daten abgleichen um dann Anfang nächsten Jahres wieder mal hochzufahren und weiter die Analyse des derzeitigen Systems zu betreiben. Auch hoffe ich, dann dort mit den Mitarbeitern vor Ort zu schwätzen und vielleicht auch ein paar Ergebnisse der Probebohrungen aus erster Hand zu erfahren. Natürlich werde ich dann auch hier wieder was schreiben, eine weitere Geschichte aus der Asse.
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