Die Grünen haben mir eine Apokalypse versprochen und alles was ich bekam war diese lausige Industriekatastrophe Teil 1: Deutsche Experten

Atomruine Fukushima Nach der schrecklichen Reaktorkatastrophe von Fukushima fühlten sich die deutschen Kernkraftgegner von einer Woge der Rechtmäßigkeit getragen. „Wir haben es euch doch immer gesagt.“ Doch was haben uns die Gegner der Kernkraft vorhergesagt? Wie ich in den folgenden zwei Artikeln zeige, haben Experten und  Aktivisten der Atomkraftgegner keinesfalls eine Fukushima-Katastrophe vorhergesagt, sondern etwas ungleich Größeres und Schlimmeres.

 

 

Teil 1: Deutsche Experten

Teil 2 hier

Der ganze Text wurde auch auf den Seiten des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE) veröffentlicht.

Etwas Seltsames ist passiert.
Durch das Tōhoku-Erdbeben und den darauf folgenden Tsunami am 11. März, starben in Japan 15.703 Menschen, 4.647 bleiben vermisst. Riesige Landstriche wurden verwüstet und eine halbe Millionen Menschen mussten evakuiert werden. 220 Milliarden Euro Sachschäden wurden verursacht. /1/

Doch nicht für diese Tragödie wurde das Beben in Deutschland und weltweit bekannt, sondern weil es die erste Kernschmelze in einem westlichen Kernkraftwerk ausgelöst hat und damit die schlimmste Atomkatastrophe der westlichen Welt verursachte. Genauer gesagt waren es sogar drei „Größte Anzunehmende Unfälle“ auf ein Mal in den Blöcken Eins, Zwei und Drei des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi.

Die Folgen waren schlimm: 78.000 Bewohner der Region mussten evakuiert werden. Ein 20km Radius um die Ruine bleibt bis auf weiteres unbewohnt, das sind etwa 1257 km², wobei etwa die Hälfte im Meer liegt. Die Gesamtschäden stehen noch nicht fest, werden mindestens 71 Milliarden Dollar (etwa 50 mrd €) und bis zu 250 Milliarden Dollar (etwa 176 mrd Euro) betragen /2/. Die japanische Atomkommission schätzt die Kosten auf etwa 50 Milliarden Euro. /3/

 

So furchtbar und tragisch diese Katastrophe ist, so sind diese realen Zahlen einer realen Katastrophe weit weg von dem was Katastrophenszenarien der Vergangenheit für den Fall eines GAU vorhersagten. Während die BBC bereits wenige Tage nach der Katastrophe ausführliche Hintergrundinformationen veröffentlichte in denen Experten erklärten, warum Fukushima nicht so schlimm werden könne wie Tschernobyl /4/, eine Meinung die sie bis heute aufrecht erhalten /5/, überschlugen sich ansonsten ernst zu nehmende deutsche Journalisten mit apokalyptischen Superlativen.

Allgemein schienen sich Experten hierzulande einig zu sein, dass Fukushima schlimmer als Tschernobyl würde und wussten dies schon in den ersten Tagen der Katastrophe /6/ /7/ /8/, man kann sich da fragen was die wussten, was den Experten in Großbritannien verborgen blieb.

Besonders hervorgetan hat sich die Gesellschaft für Strahlenschutz e.V. Ihr Präsident Sebastian Pfugbeil sagte in einem Interview am 16.03.2011 /9/, dass der Kampf der 50 Arbeiter, die Fukushima in den ersten Tagen stabilisierten, sinnlos sei und der Strahlenbiologe Edmund Lengenfelder fügte hinzu, dass viele der 50 Arbeiter sterben werden. In der Tat werden mit Sicherheit alle 50 Arbeiter eines Tages sterben, doch in dem Interview ging es um kurzfristige Folgen.

Sebastian Pflugbeil plädierte damals für den Abzug aller 50 Arbeiter, da ihr Kampf gegen die Katastrophe ohnehin sinnlos sei.

In einem anderen Interview vom 20.03.2011 rät Lengenfelder den Japanern: „Nie wieder Sushi“ /10/. Hier wird er sogar noch konkreter und sagt den akuten Strahlentod mindestens der Hälfte der Arbeiter innerhalb der ersten zwölf Stunden voraus.

Und noch weiter geht die Bildzeitung die in Berufung auf Lengfelder schrieb: „Es ist sicher, dass diese Männer [Anm.: die Arbeiter vor Ort] für ihren Einsatz sterben müssen.“ /11/

Heute wissen wir, dass sämtliche der 50 Arbeiter überlebt haben und selbst die am höchsten belasteten Arbeiter keine Symptome der Strahlenkrankheit zeigen.

Die höchsten erhaltenen Strahlendosen zweier der 50 Arbeiter, betrugen 170 und 180 Millisievert /12/.

Zum Vergleich: Eine Strahlendosis von 1 Sievert (also 1000 Millisievert), erhöht die Wahrscheinlichkeit von später entstehendem Krebs um 5%. /13/

 

Die Prognosen, die deutsche Experten über den Verlauf von Fukushima angestellt haben, erwiesen sich demnach als übertrieben und falsch. Es ist zweifelhaft ob es redlich war, so kurz nach der Katastrophe und mit so dürftiger Informationslage überhaupt Prognosen abzugeben, jedoch waren (und sind) sich diese Experten so sicher über die Folgen einer Nuklearkatastrophe, dass sie sich nicht mit schnöden Fakten abgeben konnten.

Wie stark sich Tschernobyl und Fukushima unterscheiden sieht man wenn man die Katastrophen miteinander vergleicht.

In Tschernobyl explodierte ein einziger graphitmoderierter Siedewasser-Druckröhrenreaktor sowjetischer Bauart, in Fukushima hatten gleich drei wassermoderierte Siedewasserreaktoren westlicher Bauart eine Kernschmelze. Dennoch wurde in Tschernobyl 14 Mal so viel Radioaktivität freigesetzt.

Signifikante Kontaminierungen in Tschernobyl reichten mindestens 500 km, in Fukushima maximal 60 km nordwestlich und 40 km südwestlich.

Tschernobyl kostete durch direkte Strahleneinwirkung 28 Liquidatoren das Leben, durch Strahlung ist in Fukushima bis dato niemand gestorben.

Die Anzahl der Toten durch Langzeitschäden beträgt für Tschernobyl schlimmstenfalls 6000 Menschen wobei diese fast gänzlich hätten verhindert werden können, wenn die Sowjetunion in der Lage gewesen wäre flächendeckend Jodtabletten auszugeben, wie in Fukushima geschehen. /14/

(Über die Kontroversen über die Opferzahlen um Tschernobyl werde ich später einen eigenen Artikel verfassen). /4/

 

Die Behauptung, Fukushima werde schlimmere Folgen haben als Tschernobyl, lässt sich nicht aufrecht erhalten und doch hörte ich von keinem der deutschen Experten je eine Richtigstellung ihrer übertriebenen Prognosen oder eine Entschuldigung für die Angst und Panik die aus ihren Prognosen erwachsen sind.

Der deutsche Journalismus und die deutschen Experten haben sich lächerlich gemacht mit ihren Prognosen, Vergleichen und Voraussagen. Eine Katastrophe ist auch dann ein herausragendes und schreckliches Ereignis wenn man deren Folgen nicht ins Maßlose übertreibt.

Inzwischen wird deutlich, dass Fukushima zwar die mit Abstand schwerste Atomkatastrophe der westlichen Kernkraft ist dennoch sind die Folgen nur ein Bruchteil so verheerend wie die der Katastrophe von Tschernobyl.

 

Fukushima war eine furchtbare Katastrophe. Aber war das tatsächliche Ausmaß nicht viel geringer als unsere Erwartungen an einen GAU?

Hätte ich noch einen Tag vor Fukushima gesagt, dass im Falle von drei GAUs auf ein Mal, ein Gebiet kleiner als der Landkreises Ansbach für maximal 100 Jahre radioaktiv belastet wird (wenn Dekontamination ausbleibt), aber niemand stirbt, dann hätte man mir gesagt so ein Szenario sei harmlos. Vor einer so begrenzten Katastrophe müsse man keine Angst haben und ich sei ein Verharmloser.

Atomkraftgegner haben argumentiert, dass die Kernkraftbefürworter nach Fukushima auf keinen Fall mehr die Sache der Kernkraft hoch halten können. Tatsächlich hat sich für Kernkraftbefürworter durch Fukushima nichts geändert. Immer haben sie von einem Restrisiko gesprochen, ein Restrisiko das man aber beherrschen könne.

Ihre Haltung geändert haben die Atomkraftgegner, die stets eine apokalyptische Katastrophe erwarteten, eine katastrophale Singularität die eine Zäsur für ganze Kontinente darstellt. Die tatsächliche Katastrophe, obwohl in ihren Grundparametern drei Mal so groß wie die Erwartung, fiel nicht grundsätzlich größer aus als eine große Chemie- oder andere menschgemachte Katastrophe.

 

Im Zweiten Teil dieses Artikels zeige ich, wie sich die Katastrophe von Fukushima fiktiven GAU-Szenarien und offiziellen GAU-Prognosen unterscheidet.

 

Quellen:

/1/ Der Spiegel: Japan rechnet mit Schäden von 220 Milliarden Euro
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,752623,00.html

/2/ NewsonJapan.com: Fukushima cleanup could cost up to $250 billion
http://newsonjapan.com/html/newsdesk/article/89987.php

/3/ 50 Milliarden für die Atom-Katastrophe
http://www.taz.de/Kommission-schaetzt-Fukushima-Schaden/!79960/

/4/ BBC: Japan nuclear alert at Fukushima – Q&A
http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-pacific-12732015

/5/ BBC: Q&A: Health effects of radiation exposure
http://www.bbc.co.uk/news/health-12722435

/6/ sueddeutsche.de: „Schlimmer als Tschernobyl“
http://www.sueddeutsche.de/wissen/physiker-zu-atomunfall-in-japan-schlimmer-als-tschernobyl-1.1071449

/7/ Spiegel Online:  "Fukushima sprengt die Dimension von Tschernobyl"
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,753938,00.html

/8/ stern.de: Fukushima schlimmer als Tschernobyl
http://www.stern.de/news2/aktuell/fukushima-schlimmer-als-tschernobyl-1677318.html

/9/ n-tv: „Viele der 50 Arbeiter werden sterben“
http://www.n-tv.de/Spezial/Viele-der-50-Arbeiter-werden-sterben-article2857281.html

/10/ Frankfurter Rundschau: „Nie wieder Sushi“
http://www.fr-online.de/japans-katastrophe/-nie-wieder-sushi-,8118568,8248854.html

/11/ Bild: Wissenschaftler: Die Helden von Fukushima werden sterben
http://www.bild.de/news/2011/news/arbeiter-helden-in-fukushima-werden-sterben-16839666.bild.html

/12/ Wikipedia: Nuklearkatastrophe von Fukushima
http://de.wikipedia.org/wiki/Nuklearkatastrophe_von_Fukushima

/13/ Wikipedia: Strahlenrisiko
http://de.wikipedia.org/wiki/Strahlenrisiko

/14/ UNSCEAR 2008 Report: Sources and effects of ionizing radiation. Band 2. Annex D – Health effects due to radiation from the Chernobyl accident. New York 2011;
http://www.unscear.org/docs/reports/2008/11-80076_Report_2008_Annex_D.pdf

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    • rainer
    • 9. Nov. 2011 10:51am

    Vielen Dank für Artikel, der mir aus der Seele spricht. An dieser Stelle auch an Jan für den Artikel über die Endlagerung. Es freut mich immer, wenn ich sehe, dass es was Neues auf Kerngedanken gibt.
    Weiter so!

    • Edgar
    • 9. Nov. 2011 3:01pm

    Ich glaube, in den Köpfen vieler Atomkraftgegner herrscht die Vorstellung, dass AKWs wie Atombomben explodieren können, wobei innert Sekunden gewaltige Mengen von Strahlung abgegeben werden. Die chemischen Explosionen in den Reaktorgebäuden von Fukushima haben diesen Eindruck bestärkt. Vielleicht könntest du als Experte mal erklären, wie das mit der Strahlung bei einem GAU ist. Soviel ich weiss, muss man sich sehr nahe am Strahlenherd aufhalten – wie die Feuerwehrleute in Tschernobyl – um tödlich verstrahlt zu werden.

    Wo die Kernkraftgegner recht haben, haben sie recht. Die Kosten, die der Unfall von Fukushima verursacht hat und noch verursachen wird, sind gigantisch. Man stelle sich nur vor, was auf den Finanzmärkten los wäre, wenn ein Land wie die Schweiz hundert Milliarden Dollar zur Behebung eines solchen Schadens aufbringen müsste.

    Nicht recht behalten haben sie dagegen mit ihren düsteren Prognosen zu den Auswirkungen auf die Bevölkerung. Meines Wissens warten wir immer noch auf den ersten Strahlentoten. Es war für mich beruhigend zu sehen, dass im Falle einer Kernschmelze genügend Zeit da ist, um die gefährdete Bevölkerung zu evakuieren.

      • OPS
      • 9. Nov. 2011 6:20pm

      Ich bin immer wieder überrascht wenn ich mit Laien über das Thema diskutiere. Selbst durchaus intelligente und gebildete Menschen haben zum Teil naive Vorstellungen von der Funktion der Kernspaltung. Ein Kollege berichtete von einer befreundeten studierten Psychologin die überrascht war von der Offenbarung, dass es natürliche Strahlung gibt. Für sie war Strahlung etwas per se schlechtes, die nur durch künstliche Methoden erzeugt werden konnte.
      Aber wer kann ihr das vorhalten? Ich musste bis zum Leistungskurs Physik in der 12. Klasse warten um in der Schule zu erfahren wie eine Kernspaltung abläuft (und ich hatte eine großartige Lehrerin). Bis dahin habe ich von grünen Lehrern in Deutsch und politischer Bildung schon jahrelang ihre eigene, gut gemeinte, Meinung über die Kernkraft gehört ehe ich das erste Mal mit Fakten konfrontiert wurde. Wer nicht gerade engagierte Lehrer hat und Physik früh abwählt, wird in der Schule vielleicht nie auf das Thema treffen. Die wenigsten Physiklehrer haben auch die Kraft sich gegen empörte Eltern zu behaupten die entsetzt sind wenn ihre Kinder mit mehr und objektiverem Wissen über Kernspaltung nach hause kommen und die Eltern fragen, wie genau jetzt ihre Kritikpunkte aussehen. Sowas wird von Eltern schnell auf die schulische Propaganda geschoben.

      Was die “gewaltigen Kosten” angeht- ich möchte nicht zu viel vorgreifen, das wird auch Thema des zweiten Teils. Wissenschaftliche Prognosen (im Aufrag der Grünen) rechneten für EINEN GAU in Deutschland Kosten aus die mehr als 100 mal so hoch sind wie die durch Fukushima jetzt ausgelöst haben.
      Die Naturkatastrophe- die jeden Tag erneut passieren kann- und niemand kann etwas dagegen unternehmen- war viel teurer (schon rein finanziell) als es die Atomkatastrophe je werden wird.

      Für viele Bürger ist Strahlung ein Mysterium und unbedingt gefährlich. Dass man Strahlung messen kann und seine Gefährlichkeit berechnen kann, sehen viele nicht.

      Übrigens danke dir und auch Rainer für’s lesen und kommentieren.

    • Edgar
    • 9. Nov. 2011 9:02pm

    @OPS – Ich bin erstaunt, dass du über die Unwissenheit der Öffentlichkeit erstaunt bist. Kernspaltung ist eine komplexe Materie, mit der sich die wenigsten je befassen. Die Leute wissen auch Dinge nicht, die sie eigentlich wissen. Ich stelle als Deutschlehrer fest, dass die meisten Berufsschüler nicht wissen, dass im Deutschen das Verb an zweiter Stelle im Satz stehen muss oder Adjektive anders flektiert werden, je nachdem ob der bestimmte oder unbestimmte Artikel vorangeht /ob ein bestimmter oder unbestimmter Artikel vorangeht. Die Welt ist gross und wir können uns nicht mit allem befassen. Wir brauchen Experten, die uns die Dinge erklären.

    Die Kernkraftexperten tun gut daran, sich auf das Niveau der Allgemeinheit herabzulassen, wenn sie sich an ein allgemeines Publikum wenden. Ich habe das bei der Fukushima Katastrophe oft vermisst. Die Experten sagten nie, wie weit die vom Reaktorkern ausgehende Strahlung reicht. Man musste irgendwie selber schlussfolgern, dass die Hauptgefahr von radioaktiven Stoffen wie Jod und Cäsium ausgeht, die vom Wind verblasen werden, und nicht vom Reaktorkern. Dank meiner Lektüre dieses und anderer Blogs denke ich zu wissen, dass in einem AKW keine Atomexplosion stattfinden kann. Ich habe aber erst gerade vor kurzem einen Artikel in einer deutschen Zeitung gelesen, in dem behauptet wurde, die Kernspaltung sei in einem der Reaktoren von Fukushima wieder in Gang gekommen und das könne im schlimmsten Fall zu einer Atomexplosion führen. Wie soll sich der Laie, der solches liest, noch auskennen?

      • OPS
      • 9. Nov. 2011 10:28pm

      Das Problem ist, dass “Kernkraftexperten” in der Öffentlichkeit fast nie zu Wort kommen. Wie ich in meinem “Vorstellungsartikel” bei Kerngedanken schrieb:
      “In der öffentlichen Debatte zu dem Thema hört man Geistliche, Philosophen, Umweltaktivisten, Lobbyisten, Politiker. Die Liste der selbsternannten Experten ist lang. Doch es fehlen völlig die echten Experten. Physiker und Ingenieure. Sie stehen unter dem Generalverdacht Anhänger einer korrupten, zynischen und mächtigen Lobby zu sein, weswegen ihnen als wahren Experten nicht mehr getraut wird, außerdem sind sie meist nicht gerade medientauglich weil sie nachdenken, bevor sie sprechen, was im Fernsehen wie Unsicherheit aussieht.”

      Das ist nicht einfach nur sarkastisch gemeint. Talkshowprofis wie Politiker und Lobbyisten lernen wie man auf bestimmte Fragen antwortet. Sie haben ein Set von Antworten im Kopf und können auf jede Frage sofort eine Antwort geben. Wenn manchmal die Antwort eines Politikers überhaupt nicht zu der Frage des Journalisten passt, wollen die sich nicht rausreden sondern haben die falsche Antwort abgerufen.
      Schauspieler wiederum kommen im Fernsehen gut rüber. Sie wissen wie man redet und sich artikuliert und niemand erwartet von ihnen Fachwissen.
      Anti-Atom-Aktivisten müssen nur ihre schmale Bandbreite an immergleichen Argumenten bemühen und sich über jede Form von Relativierung oder Versachlichung empören.
      Ein Ingenieur oder Physiker wird nachdenken. Seine Antwort spontan frei formulieren. Dabei sagt er “Äh” und “öh” verbessert sich, holt weit aus oder erzählt Dinge die der normale Zuschauer nicht versteht. Noch so viel Fachwissen kann nicht ausgleichen was ihnen gegenüber geschulten Rhetorikprofis fehlt. Darum ist es im Fernsehen auch für die echten Experten ganz gut wenn sie dort nicht “vorgeführt” werden.

      Um während der Katastrophe irgend eine realistische Einschätzung der Lage zu kriegen musste man ausländische Medien lesen oder direkt die Seite von Tepco. Deutsche Medien haben oft mangelnde Transparenz und Aufklärung. Hatten die Leute in Fukushima vielleicht damals etwas mehr zu tun als Pressekonferenzen zu geben? Dazu hat die offizielle Seite (weiß jetzt nicht genau ob die von Tepco oder der IAEA war) tagesaktuelle Zahlen und Reports rausgebracht. Wie deutsche Journalisten da von mangelnder Transparanz schreiben konnten ist mir schleierhaft.
      Man hat in Deutschland auch selten konkrete Zahlen lesen können. Schon damals gab es sie! Aber selten tauchten sie auf. Und wenn dann oft so als ob sie per se schlecht wären. Ohne qualitative Einordnung. Ich erinnere mich an eine “Schreckensmeldung” wo von belastetem Spinat aus der unmittelbaren Umgebung von Fukushima berichtet wurde und mit wieviel Bequarel Strahlung der versetzt war. Und der Artikel stellte das als schlimm dar. Und dann rechne ich mal los, und stelle fest, dass man in kurzer Zeit 50kg davon essen muss um eine signifikante Strahlendosis zu erhalten. Und es geht hier um Spinat der quasi Augenzeuge der Katastrophe war.
      Heute hat man noch mehr Zahlen. Und sie sind eigentlich ernüchternd. Die Region um Fukushima ist deutlich weniger stark verstrahlt als manche Regionen auf der Erde von Natur aus strahlen (z.B. Brasilien oder Iran). Statistisch wäre es für einen Tokyoter gesünder in die Fukushima-Evakuierungszone zu ziehen als in Tokyo zu leben. Mark Lynas hat das in einem seiner Artikel gut dargestellt.
      Diese ganze Debatte ist von Angst erfüllt. Und “Experten” wie die im Text von mir genannten schüren diese Angst statt sie zu besänftigen.

      Dass viele Laien die komplexen Themen nicht verstehen ist normal. Aber das hindert sie nicht daran sich einzumischen und mitzureden. Was ich in Foren für Hahnebüchnen Unsinn gelesen habe!

      Aber mit diesem Blog wollen wir auch dazu beitragen solches Unwissen und Ängste abzubauen und die Zusammenhänge verständlich darzustellen.

    • Edgar
    • 9. Nov. 2011 11:12pm

    @OPS – Im Schweizer Fernsehen kamen zu Beginn des Unfalls Kernkraftexperten zu Wort. Sie wurden dann im Laufe der Krise durch “Experten” von Focus Anti-Atom, Greenpeace und dergleichen verdrängt. Einerseits war das sicher so, weil beim Fernsehen die Atomkraftgegner dominieren, andererseits aber auch wegen dem wenig gewandten und zuschauerfreundlichen Auftreten der Kernkraftexperten. Ein Rhetorikseminar täte denen gut, da stimme ich mit dir überein.

    Es kommt aber auch darauf an, wie man Fernsehen schaut. Bei einer Sendung über Tschernobyl mit Furcht einflössendem Kommentar habe ich den Ton abgestellt und mich an den Bildern der Przewalski Pferde erfreut, die in dem Sperrgebiet ein unverhofftes Reservat gefunden haben. Auch Bären tummeln sich dort. Die machen sich keine Sorgen darüber, ob die Wahrscheinlichkeit, dass sie an Krebs erkranken, von 38 auf 39 Prozent steigt.

  1. Kurze Frage… „erste Kernschmelze in einem westlichen Kernkraftwerk“?

    Zählt Three Mile Island nicht, weil’s „nur“ eine partielle Schmelze war?

      • OPS
      • 11. Nov. 2011 6:38pm

      Hallo Sven

      Danke für ihre Frage.
      Hier die Antwort: Ja genau das ist der Grund.

      Mit freundlichen Grüßen
      Paul Schoeps

    • freakxnet
    • 14. Nov. 2011 5:18pm

    Also ich bin ja auch überascht wie gering eigentlich die Folgen sind. Natürlich bleibt hier auch zu beachten, dass nur das wiedergegeben werden kann, was uns die Medien und Regierungen tatsächlich zum Verwerten vorsetzen.

    Nichts desto trotz ist es eher erschreckend wie es immer wieder geschaft wird, mit solchen Katastrophenszenarien, die Menschen in Angst und Panik zu versetzen.

    Ich meine, am Ende, was solls, hier sind Kometen eingeschlagen welche eine wesentlich höhere Strahlung und Verwüstung global angerichtet haben als sowas. Und das auch schon in der Zeit wo es Menschen gab.

    Nicht zuletzt finde ich, wenn man die Zahlen der Menschen die mit Energie versorgt werden und die Laufzeit aller Reaktoren mal in ein Verhältnis setzt, zu dem Zeitpunkt wo tatsächlich mal was passiert, dann würde ich sagen, sieht das Verhältnis auf jeder Dorfstraße, wo es einen Unfall gibt, schon wesentlich bescheidener aus! Wobei es dort sogar mengenmäßig noch weniger Menschen gibt, welche am Ende Auto Fahren, als im Vergleich der Atomenergienutzer.

    Solange es keine vernünftigen Alternativen gibt bin ich Pro Atomenergie. Denn selbst wenn mal was passiert, entsteht meiner Meinung nach immer noch weniger Schaden, als wenn wir hunderte m² Fläche mit irgendwelchen Windrädern zustellen und somit Lebensraum für alle möglichen Lebewesen zerstören (wobei das Problem Endlagerung immer noch bleibt).

    Alle sind froh das sie ihren Fernseher, Computer und Stereoanlage laufen lassen können und das 24/7. Es sind auch alle froh das sie rund um die Uhr Licht haben und es meckert niemand aus der breiten Bevölkerung. Aber wehe wenn dann mal was schief geht, dann ist alles diabolisches Machwerk.

    Und um es nocheinmal aufzugreifen:

    Wir haben hier in Deutschland Atomkrafterke die seit mehr als 2 Jahrzenten in Betrieb sind. Es gab kleinere Zwischenfälle, aber passiert ist bisher nichts. Selbst Tschernobyl ist auf diese ganze Zeit gesehen nur ein minimaler Ausreisser in der Statistik. Na und? Wir haben für jede Technologie einen Preis zu tragen. Denn wenn es nur darum gehen würde, Menschen zu retten und am Ende sich selbst, dann wird schnell klar das wir definitiv nicht bei dem AKWs anfangen sollten, sondern bei Lebensmittel-, Pharma-, und Militärindustrie. Denn DA sterben Menschen! Jeden Tag zu tausenden, durch den Scheiss den die uns ständig unterschieben, aber bei den AKWs wird in Höchstform gemeckert und boykotiert!

    Soweit mein Senf ;-)

    -freakxnet-

      • JanG
      • 16. Nov. 2011 11:01pm

      Dem kann man nicht viel hinzufügen, außer, dass die Endlagerung lediglich ein politisches Problem bleibt. Wie sie technisch realisiert wird, hab ich immer mal wieder beschrieben.

    • hans
    • 29. Nov. 2011 12:44pm

    Habe eine Frage und ich hoffe, dass diese hier, im Anschluss an diesen Beitrag, am besten plaziert ist.
    Wo kann man aktuell nachschauen wieviel Energie aus erneuerbaren Engergien ins Netz tatsächlich eingespeist werden?
    Am besten aufgeschlüsselt nach Art der Energieerzeugung.
    Hintergrund der Frage ist folgender.
    Aufgrund des ausbeleibenden Niederschlags führen die Flüsse und Bäche in DE so gut wie kein (nutzbares?) Wasser.
    Die Binnenschifffahrt leidet ja jetzt schon, warum lese ich also niergends wie sich dieser Niedrigwasserstand auf die Energieerzeugung auswirkt.
    Desweiteren sind auch die Sonnenstunden sehr gering und häufiger herrschen ja auch Windflauten.

    • jennico
    • 28. Mrz. 2012 7:07pm

    offensichtlich haben sich die blogger hier nicht mit den tatsächlichen schäden durch den super-gau in fukushima beschäftigt. wesentlich weitreichendere folgen sind nur durch glückliche umstände und disziplinierte japanische techniker verhinderet worden. ganz japan stand am rande der apokalypse, und hier wird dem mit zynismus begegnet. schämt euch, ihr betonköpfe.

      • JanG
      • 28. Mrz. 2012 7:38pm

      Es ist bedauerlich, dass Sie außer ein paar Phrasen nichts konkretes zu einer Diskussion beitragen können. Aber Ihre Kritik wird weitergeleitet und bei Gelegenheit werde ich sehen, dass ich eine Ecke zum schämen finde.

    • jennico
    • 28. Mrz. 2012 7:51pm

    apropos phrasen: es ist richtig, dass in fukushima jodtabletten ausgegeben wurden, allerdings erst nach den strahlungsspitzen und natürlich nicht in ausreichender dosis. die tabletten wurden mit dem hinweis ausgegeben, dass sie nicht ohne öffentliche anweisung eingenommen werden sollten. diese anweisung kam nie. vermutlich hat kein einziger betroffener eine jodtablette eingenommen.

    • JanG
    • 29. Mrz. 2012 8:59pm

    @jennico

    Zunächst danke für die Links. Ferner möchte ich mal, obwohl ich diesen Artikel nicht geschrieben habe, eine Antwort versuchen.

    Sie haben vollkommen recht: was in Fukushima passiert ist, war eine Katastrophe. Zuerst die beiden Naturkatastrophen, dann der Vorfall im KKW Fukushima. Und ebenfalls recht haben Sie, dass schlimmeres verhindert werden konnte weil japanische Techniker schnell und entschlossen gehandelt haben. Und genau hier ist eben auch der Ansatz: die Kernenergie als solche ist sehr sicher geworden. Und selbst wenn es zu einer Katastrophe kommt, so verfügen wir bei dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik über die Mittel, die Folgen so gering als möglich zu halten.

    Ferner sollte dieser Text keine zynische Bemerkung zu den Zuständen in Japan sein, schon gar nicht wollte sich der Autor über die Menschen und das Leid in dieser Gegend lustig machen. Wenn Sie das so verstanden haben, dann haben Sie offensichtlich den Text nicht richtig gelesen oder einfach nicht verstanden. Es ging einzig darum, dass trotz der furchtbaren Umstände, die dort zusammenkamen, die Folgen immer noch weit hinter den Horrorszenarien geblieben sind, die von einigen Kernkraftgegnern hier in Deutschland an die Wand gemalt werden.

    So gesehen ist der Text keine zynische Bemerkung zu den Zuständen in Japan sondern eher als eine zynische Abrechnung mit den Betonköpfen hier in Deutschland zu verstehen die in der friedlichen Nutzung der Kernenergie des Teufels Spielzeug sehen.

    • Bernd Mundlos
    • 18. Jul. 2012 8:13pm

    Wie so oft bin ich etwas spät dran – habe den Artikel erst jetzt entdeckt. Ich fühle mich allerdings in meiner Einschätzung zur Unperson (das ist er für mich seit einem Jahr) Pflugbeil bestätigt: Was dieser Mann über die Menschen gesagt hat, die in Fukushima unter Einsatz ihres Lebens Schlimmeres verhindert haben, war zynisch und menschenverachtend. Seitdem ist dieser Typ für mich entlarvt. Im übrigen stimme ich weitgehend den Analysen über gewisse “Experten” und ihrem unverantwortlichen Tun zu.
    Wir haben übrigens seitdem vor Ort (in Braunschweig-Thune) eine Bürgerinitiative, die das Geschäft mit der Strahlenangst so betreibt, dass es an Hexenjagden  im Mittelalter erinnert. Und alles wegen einer Firma, die seit 40 Jahren Radiopharmaka produziert und strahlenschutzmäßig als Vorzeigebetrieb gilt. Das alles ist einigen Agitatoren egal, sie führen einen Glaubenskrieg im Sinne einer “Anti-Atom-Taliban”.      

 

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