Endgelagertes Gas
Im Rahmen der eingeleiteten und vor einer Woche gesetzlich beschlossenen Energiewende soll darauf hingearbeitet werden, dass eines Tages nur noch Energie auf sauberem Weg erzeugt wird. Neben der Energieerzeugung, die immer emissionsärmer werden soll, soll ferner auch versucht werden, die Emissionen der bestehenden Kraftwerke weiter zu reduzieren. Und da im Rahmen der Abschaltung der KKW in Deutschland ein Ersatz der Grundlast derzeit nur durch Kohle möglich ist, geistert seit einigen Jahren ein Begriff durch die Medien: “Carbon Capture and Storage” oder kurz CCS.
Am 7. Juli wurde im Bundestag über die CCS-Technik entschieden, am Ende stimmten 306 Abgeordnete für und 266 gegen eine weitere Erprobung dieser Technologie; es gab eine Stimme Enthaltung. Damit wird es nun also losgehen und in den nächsten Jahren soll dieses Verfahren weiter erprobt und verfeinert werden sowie die (noch viel zu reichlich) vorhandenen Wissenslücken geschlossen werden.
Bereits im Vorfeld gab es hier viele Proteste seitens der Bürger, auch die Energiekonzerne scheinen nicht sonderlich begeistert. So gesehen ist die ganze Sache ein politisch sehr heißes Eisen. Aber auch von der rein technischen Seite gibt es immer wieder Bedenken ob es denn wirklich wirtschaftlich lohnenswert ist. Nicht zuletzt gibt es auch vom Umweltaspekt her Bedenken. Ich für meinen Teil will aber auf all diese Dinge hier gar nicht eingehen, mir geht es rein um den technischen Aspekt der Lagerung des Gases in tiefen geologischen Formationen im Vergleich mit der Endlagerung von radioaktiven Abfall.
Wie wird Gas endgelagert?
Für die folgenden Überlegungen gehen wir also mal davon aus, dass das CO2 bereits abgeschieden ist. Dabei vernachlässigen wir solche Fragen, dass beim derzeitigen Stand von Wissenschaft und Technik die Effizienz eines Kohlekraftwerkes um rund 10 Prozentpunkte gesenkt wird, wenn die CCS-Technik angewendet wird. Und wir lassen mal außen vor, dass das einem erhöhten Ressourcenverbrauch von fast 30 Prozent entspricht. Auch, dass es verschiedene Methoden gibt, die am Ende dafür sorgen, dass die Emissionen eines Kraftwerkes CO2-ärmer sin, soll hier nicht interessieren. Uns interessiert an dieser Stelle nur eines: das CO2 ist nun also da, abgeschieden von den für ein fossiles Kraftwerk üblichen Abgasen und soll nun entsorgt werden.
Die meisten Forscher befürworten eine Lagerung in so genannten salinaren Aquiferen (das sind salzwasserführende Schichten im Untergrund) sowie alte Erdgas- und Erdöllagerstätten. Die in Deutschland verfügbare Kapazität summiert sich zu rund 22,75 Mrd. Tonnen, eine Menge die für eine Lagerungszeit von 30 bis 60 Jahre ausreicht. Die Idee selber ist recht simpel: Das Gas wird in eine Tiefe von rund 800 Meter gepumpt. Aufgrund des Drucks, der dort herrscht, ist das Gas quasi flüssig (ähnlich wie das Gas im Feuerzeug). Dabei kommt es zu einer Erhöhung der Dichte dieses Gases welche dem Salzwasser entspricht. Dieses wird dadurch aus den wasserleitenden Poren verdrängt und macht Platz für das verpresste CO2. Um auszuschließen, dass das Gas wieder entweicht, wird eine absolute Dichtheit der umgebenden Gesteinsschichten gefordert. Wo das verdrängte Salzwasser hinfließen soll, gehört allerdings zu den bisher nicht ausreichend geklärten Punkten. Dazu aber später mehr.
Eine Frage der Zeit
Allgemein wird das Konzept auf Wikipedia recht anschaulich beschrieben (Hervorhebung durch mich):
Angestrebt wird eine Langzeitsicherheit, also ein Zustand, der gewährleistet, dass das gespeicherte Kohlenstoffdioxid unter Berücksichtigung der erforderlichen Vorsorge gegen Beeinträchtigungen von Mensch und Umwelt vollständig und auf unbegrenzte Zeit in dem Kohlenstoffdioxidspeicher zurückgehalten werden kann.
Bereits in diesen kurzen Zeilen wird meines Erachtens die Unmöglichkeit des ganzen Vorhabens deutlich: eine sichere Verwahrung auf unbegrenzte Zeit ist unmöglich zu erbringen. Wie ich bereits beschrieben habe, ist das Konzept einer Endlagerung keine Lösung für immer: ein Nachweis über die Stabilität einer geologischen Formation mag zwar über einen begrenzten (für einen Menschen zwar dennoch unvorstellbar langen) Zeitraum von einer Millionen Jahre machbar sein, aber hier werden unbegrenzte Zeiträume gefordert. Die Erklärung ist klar: im Gegensatz zu radioaktiven Abfällen, die nach einer gewissen Zeit ihr radiotoxikologisches Potenzial verlieren, ist das CO2 eben zeitlich unbegrenzt gefährlich.
OK, ganz so unbegrenzt ist eine solche Zeitspanne nicht, immerhin wird von Seiten der Bunderegierung eine Leckrate von 0,01 Prozent für akzeptabel gehalten – nach tausend Jahren sind dann also “nur” noch rund 90 Prozent CO2 im Lager vorhanden.
Gesucht: ruhige Lage – für immer
Dennoch muss ich mich wundern: ein ganz großer Kritikpunkt bei der Endlagerung von radioaktiven Abfall ist die (durchaus nicht unbegründete) Angst, dass das eingelagerte Abfallinventar ganz oder teilweise mobilisiert wird und über Grundwasserbewegungen wieder in die Biosphäre gelangt. Daher ist eines der Kriterien bei der Standortsuche die genaue Kenntniss der geologischen Schichten sowie eine Modellierung eventueller Transportvorgänge. Dass aber Gas mitunter doch um einiges leichter mobilisierbar ist, scheint bei der ganzen Diskussion um die CCS-Technik nicht wirklich eine Rolle zu spielen.
Ferner muss auch bedacht werden, dass, selbst wenn das CO2-Lager dicht bleibt, das verdrängte Salzwasser keine andere Möglichkeit hat, als an den Störungszonen des angrenzenden Gebirges aufzusteigen und sich dann (teilweise weit vom Lager entfernt) mit dem Grundwasser zu durchmischen. Dass eines der Kriterien für einen potenziellen Standort ein hinreichend großer Abstand zu möglichen Störungszonen ist, mag daher nicht überraschen, die Frage aber auch hier ist, woher wir denn wissen wollen, dass angesichts der tektonischen Bewegungen der Kontinente, eine solche Störung nicht irgendwann in (sagen wir mal) fünf oder mehr Millionen Jahren auftritt.
Dass es dann zu einer Versalzung des Trinkwassers kommt, ist nur eines der möglichen Szenarien und nicht einmal das schlimmste. Hier sei auf die Katastrophe von Nyos verwiesen. Der Nyos-See ist ein See in Kamerun, der mit CO2 gesättigt ist. Am 21. August 1986 setzte der See mit einem Schlag etwa 1,6 Millionen Tonnen CO2 frei. Dieses bewegte sich in nördliche Richtung bis in eine Entfernung von 27 Kilometern. Da CO2 schwerer als Luft ist, bewegte es sich am Boden entlang und erstickte förmlich alles, was an Leben in den Weg kam: etwa 1.700 Menschen und tausende Tiere starben.
Funktioniert es einmal, funktioniert es auch wieder
Bedenkt man nun, dass wir allein in Deutschland mehrere Milliarden Tonnen CO2 absolut dicht und auf möglichst unbegrenzte Zeit im Boden lagern wollen, dann drängt sich förmlich der Vergleich mit einer Bombe, die man aufzieht, auf. Aber möglicherweise schaut man ja auch auf die anderen, bereits laufenden Endlagerprojekte in Deutschland: immerhin wird ja seit den 1970er Jahren chemisch-toxischer Abfall im Boden gelagert, bisher mehrere Millionen Kubikmeter und ein Ende der Kapazität ist noch lange nicht erreicht. Auch hier werden, an vier verschiedenen Stellen Deutschlands, im Boden gigantische Blasen mit einer unheilvollen Fracht geschaffen. Nun sollen also auch noch einige weitere Blasen hinzukomme. Nun, wehe dem, der die eines Tages ansticht.
Aber was ist die Lösung? Der ein oder andere mag sich hier verwundert fragen, was ich mich hier so habe. Einerseits präferiere ich ja wirklich das Verbringen von radioaktiven Abfall in tiefe geologische Formationen, auf der anderen Seite wettere ich über die chemisch-toxischen Endlager und die CCS-Technik. Ich denke aber, dass es wohl einen Unterschied macht. Immerhin ist, wie ich in meinem Langzeitsicherheitsartikel geschrieben habe, möglich, mit einer sehr hohen Sicherheit zu gewährleisten, dass ein Endlager für radioaktiven Abfall zumindest im geforderten Zeitraum von einer Millionen Jahre keinen Kontakt zur Biosphäre hat.
Des Weiteren finde ich ganz allgemein den Weg, den wir gerade anfangen zu gehen, für Unsinn. Wir schalten eine beherrschbare und emissionsarme Technologie ab und um diese dann zu ersetzten, nehmen wir wahre Dreckschleudern ans Netz. Dass in den fossilen und nuklearen Energieerzeugungen nicht die Zukunft liegt, sei unbestritten und wir sollten alles tun, um eine saubere und nachhaltige Energieerzeugung zu schaffen. Aber die derzeitige Entwicklung ist nicht nur ein Schritt zurück, das ist ein ganzer Weg zurück. Von den nicht absehbaren Folgen für kommenden Generationen mal ganz abgesehen.
Denn eines ist ebenfalls klar: radioaktiven Abfall haben wir bereits da, bis zum Ausstieg werden hier rund 30.000 Kubikmeter anfallen. Auf ein paar tausend Kubikmeter mehr kommt es nicht an und die Technik selber ist seit mehr als sechs Dekaden in der Erforschung. Nun aber völlig neue und bisher nicht wirklich erprobte Verfahren auf den Weg zu bringen, halte ich für einen gefährlichen Unsinn.
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30.000 Kubikmeter – das ist ein Würfel, der eine Kantenlänge von ca 31m hat. Wenn ich das richtig verstanden habe, umfasst das auch die Castor/Pollux-Behälter. Wir behaupten wirklich, dass wir dieses Volumen nicht qualifiziert und sicher überwachen können? Das ist schon armselig für eine Industrienation!
Ich bin mir sehr sicher, dass es genügend Lagerhallen und Betriebsstätten gibt, die hinsichtlich Größe und Gefahr mehr Schrecken verbreiten sollten.
Die 22,75 Mrd. Tonnen entsprechen bei der Dichte von Salzwasser etwas 20 Mrd.Kubikmeter und entsprechen damit fast einem Würfel von 3000m Kantenlänge,ohne extra Sicherungsbehälter!
Habe ich hier einen falschen Sinn für Größenordnungen oder erscheinen mir die Diskussionen und vor allen Dingen die Entscheidungen zurecht als total daneben.
hmm, hier hab ich mich missverstädnlich ausgedrückt: die rund 30.000 kubikmeter sind nur der reine abfall, die behälter kommen da noch dazu. aber mit ihren weiteren aussagen haben sie vollkommen recht: es gibt genug plätze und orte, die wesentlich gefährlicher sind. aber keiner weiss es so recht, und so lange alle den radioaktiven abfall haben, auf dem sie rumreiten können, wird sich da auch nix ändern.
aber hier kommen wir auch wieder auf den punkt, den ich so stark kritisiere: diese irrationalität der angst. beim transport von radioaktivem abfall werden selbst winzigste überschreitungen der strahlungen gemessen und es wird unterstellt, dass dieser nicht sicher händelbar ist, aber bei so gefährlichen gütern wie zum beispiel phosgen (was in der polyurethan-herstellung zum einsatz kommt) interessiert es nicht wenn da ein tanklaster durchs dorf fährt.