Oh Kernkraft – Where Art Thou?

Moratorium, Ethikrat und AKW-Stresstest – viel hat sich seit den Vorgängen in Fukushima getan. An dieser Stelle möchte ich mal eine kurze Bestandsaufnahme wagen und meine zwei Cents dazugeben.
Als es vor etwas mehr als zwei Monaten zu den Vorfällen in Fukushima kam, änderte sich praktisch über Nacht alles für die Dinge, die hier in diesem Land den Stempel Kernkraft tragen. Und obwohl von vielen Seiten (nicht nur von mir ;-) ) gewarnt wurde, jetzt allzu schnell irgendwelche Maßnahmen zu planen und in die Wege zu leiten, wurden kurze Zeit später erstmal vorsorglich acht Meiler vom Netz genommen. Ferner wurde ein Ethikrat einberufen und die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) sollte ein Gutachten hinsichtlich der Sicherheit der deutschen Kernkraftwerke erstellen. Dies alles würde dann die Grundlage eines neuen Ausstiegsgesetzes bilden welches noch am 08.06. beschlossen werden soll.

Wie ist also nun der aktuelle Stand der Dinge? Das Moratorium läuft am 15.06. ab, vor allem RWE macht Dampf und will bis dahin seine Meiler wieder in Betrieb nehmen. Der Ethikrat hat sich bereits vergangene Woche geäußert, das Gutachten durfte zwar noch nicht veröffentlicht werden, aber der grobe Fahrplan stünde wohl drin: der Ausstieg ist bis 2021 geplant, möglich wäre er schon vorher. Und zu guter Letzt hat gestern die RSK die “Anlagenspezifische Sicherheitsüberprüfung (RSK-SÜ) deutscher Kernkraftwerke unter Berücksichtigung der Ereignisse in Fukushima-I (Japan)” vorgelegt.

Das RSK-Gutachten

Hier muss ich mal sagen, dass sich die Verantwortlichen mit diesem Gutachten keinen Gefallen getan haben. Und es ist eines der seltenen Male, dass ich Herrn Gabriel Recht geben muss, als dieser gestern im ZDF-Morgenmagazin sagte:

“Sie brauchen, um ein Kraftwerk wirklich zu überprüfen, ein bis eineinhalb Jahre”.

Hier spielt es denn auch keine Rolle, ob die Anforderungen nun dem bisherigen Sicherheitsstandard entsprechen oder völlig neu definiert worden sind. Fakt ist, dass in den kurzen acht Wochen ein umfassender Check aller 17 Reaktoren illusorisch ist. Und da muss man eben den Aussagen der Kraftwerksbetreiber trauen wenn die auf eine Frageliste, die vorher von der RSK erarbeitet wurde, antworten. Denn ein Besuch der Prüfer in den Anlagen, der für so ein Vorhaben an sich zwingend ist, fand auch nicht statt.

Aber hier muss den Verantwortlichen doch klar sein, dass man das den Leuten so nicht verkaufen kann. Ich für meinen Teil habe kein Problem mit einem solchen Gutachten, aber ich kenne auch die Zustände in den kerntechnischen Anlagen, weiß um deren Sicherheitsbestimmungen. Der sprichwörtliche Mann von der Straße aber tut das nicht. Und der wird misstrauisch wenn nun der Kraftwerkbesitzer versichert, es sei alles in Ordnung.

Abgesehen davon konstatiert der Bericht den KKW’s in Deutschland allerdings ausreichende Gewährleistung der Sicherheit. Außer, ja, außer wenn ein Flugzeug auf dieses stürzt. An dieser Stelle möchte ich einfach mal faulerweise einen Kommentar zitieren, den der Leser OPS unter meinem Artikel “Risiken der Technik” gegeben hat und der sehr zutreffend diesen Sachverhalt beschreibt:

Kernkraftgegner sind paradoxerweise politisch meist eher auf der Seite jener, die Überwachungsstaat, Präventivkrieg und Terrorismusparanoia ablehnen. Doch wenn es gegen Kernkraft geht, werden sie auf einmal ängstlich. Kernkraftwerke seien nicht ausreichend gegen terroristische Angriffe gewappnet. Der gezielte Absturz eines Flugzeugs auf einen Kernreaktor würde gewaltige Schäden anrichten.
Man kann sich über solche Vorwürfe reichlich wundern. Gibt es irgendeine zivile oder industrielle Anlage auf der Welt, die gegen Flugzeugabstürze gesichert ist? Keine Schule, kein Baudenkmal, kein Wahrzeichen und kein Bürogebäude bleibt von dem Einschlag eines mit Kerosingefüllten Hohlkörpers unbeeindruckt. Sprengstofffabriken und andere chemische Anlagen sind ebenso nicht gesichert. Und den Aufwand einer Flugzeugentführung muss man sich als Terrorist gar nicht antun. Eine Sprengladung bequem an einer Seite eines Laugebeckens einer Aluminiumfabrik platziert, schon hat man eine veritable Katastrophe.
Ein häufiges Missverständnis ist dies, dass Terroristen in erster Linie Schaden anrichten wollen. Ihr wahres Ziel ist die Verbreitung von Terror. Sie wollen Zeichen setzen und die Gesellschaft einschüchtern. Die Höhe des Sachschadens ist dabei gar nicht so wichtig, auch nicht die Anzahl der getöteten Gegner. Es ist die Menge der erzeugten Angst.
Ein Kernkraftwerk ist von vornherein ein ungeeignetes Ziel für Terroristen. Es ist kein Symbol der westlichen Welt, darin arbeiten nur ein paar Angestellte. Wenn sie nicht absolut sicher sein können, dass ihr Anschlag Erfolg hat, werden sie ihn nicht durchführen. Würden Terroristen ihre einzige Chance, ihren einzigen Schuss damit vergeuden ihr Flugzeug in ein kleines, vielleicht von Nebelmaschinen verhülltes, Kraftwerk zu steuern? Dabei der Gefahr ausgesetzt, dass ihr einziger Versuch auf die grüne Wiese einschlägt oder von der meterdicken Stahlbetonhülle des Ziels abprallt?
Gleichzeitig gibt es so viele leicht zu findende und ungeschützte Symbole des verhassten Systems: Bankenhochhäuser in Frankfurt, Symbole der internatonalen Finanzwelt, der Bundestag in Berlin, wo der Einsatz gegen Afghanistan beschlossen wurde, der Dom in Köln, Sinnbild des feindlichen Glaubens. Wir müssen dankbar sein für Terroristen die so dumm sind eine industrielle Anlage anzugreifen, wenn ihnen so viele zivile Ziele zur Verfügung stehen.
Abgesehen davon, gab es noch nicht einen geglückten terroristischen Anschlag in Deutschland. Was für eine abwegige Angst.

Die Ethikkommission

Über sechs Wochen beriet sich ein so genannter Ethikrat über diese ganze Thematik. Herausgekommen ist ein Papier mit dem tollen Titel “Deutschlands Energiekonsens – Ein Gemeinschaftswerk Energiezukunft Deutschland”. Dieses ist leider noch nicht öffentlich, es gelangte aber bereits in Ausszügen an die Medien. Ich beziehe mich im Folgenden auf den Artikel der bei Spiegel Online erschienen ist. Vorher aber noch ein Hinweis auf einen gelungenen Beitrag von Florian Freistetter, der auf seinem Blog die interessante Frage stellte: “Würde Jesus abschalten?”. Konkret geht es ihm um die Frage, warum in einer Kommission, deren Aufgabe es ist, sich zu einem Fachthema zu äußern, auch Vertreter der Kirche sitzen sollen. Ich kann dem nur zustimmen und empfehle diesen (wie immer sehr) lesenswerten Artikel.

In der personellen Zusammensetzung ist wohl auch das Dilemma zu suchen, was dieser Ethikrat hat, denn wirklich Gescheites kam in den sechs Wochen nicht raus. Im Gegenteil, die Verhandlungen waren offensichtlich sehr zäh und führten am Ende zu nichts. Was will man aber auch erwarten, wenn die Kernkraftnutzung per se als “Vergiftung der gesellschaftlichen Atmosphäre” bezeichnet wird.

Ferne lesen sich die Forderungen für mich sehr realitätsfern:

Die Gesellschaft werde in großem Stil Zielkonflikte heraufbeschwören, wenn sie die abgeschalteten Anlagen einfach durch Zukauf von Atomstrom aus dem Ausland ersetze. Auch Rationierung und das Inkaufnehmen stark erhöhter Strompreise sei nicht akzeptabel. Ebenso seien höhere CO2-Emissionen nicht verantwortbar. … Warnungen enthält das Dokument sogar vor einem “nochmals drastisch beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien”.

Ah ja. Wir wollen also keine erhöhten Strompreise, keine erhöhten CO2-Emissionen, sollen keinen Strom importieren (weil das ja zu Konflikten führt) und auch die regenerativen Energiequellen sollen nicht zu stark ausgebaut werden. Dennoch ist sogar ein früherer Ausstieg denkbar:

Im besten Fall kann der Ausstiegskorridor so verkürzt werden, dass das letzte Atomkraftwerk schon deutlich eher (als 2021) vom Netz genommen wird. In einem Begleitprozess soll entschieden werden, ob Atomkraftwerke schon früher abgeschaltet werden können.

Wir wollen also keine Opfer bringen, aber dennoch all die tollen Sachen haben. Ja nee, is klar. Nur wie wir das anstellen wollen, darüber wird nichts gesagt. Auch wie wir höhere CO2-Emissionen verhindern wollen, wenn wir zeitgleich mehr Kohlekraftwerke ans Netz nehmen (genau das ist eine der Forderungen des Ethikrates), erschliesst sich mir auch bei mehrmaligen Nachdenken nicht wirklich.

Weiterhin wird in dem Gutachten gefordert, dass

Deutschland künftig mit Hilfe neuer technologischer Verfahren eine Stromreserve von einem halben Jahr aufbauen [solle] mit Hilfe von Wasserstoff und Methan als Speichermedien.

Was für ein Unsinn. Natürlich kann ich irgendwelche Dinge fordern (ich würde zum Beispiel gerne fliegen können), aber ich sollte dabei den Bezug zur Realität behalten. Keine Frage: die Speicherung von Energie ist ein wichtiges Kernthema in der aktuellen Energiedebatte und muss mit allem nötigen Ernst vorangetrieben werden. Und die Speicherung mit Hilfe von Wasserstoff oder Methan mag ein gangbarer Weg sein. Aber in einem solchen Gutachten solche Vorschläge zu geben, halte ich für unseriös. Hier sollte man sich an den Fakten orientieren, die man hat und nicht an Dingen, die erst entwickelt werden müssen und deren Einsatz innerhalb einer so kurzen Zeit mehr als fraglich ist. Aber leider ist das ein normaler Zustand, viele Gutachten sind in der Form gestrickt, dass von einer möglichen Entwicklung ausgegangen wird, für die es aber (noch) keine Anzeichen gibt bzw. deren Realisierung in weiter Zukunft liegt.

Ein Beispiel: es wird beispielsweise behauptet, dass wir bis zum Jahr 2020, sagen wir mal, 10% des Stromes aus Photovoltaik gewinnen werden. Dabei wird aus dem Lauf der Entwicklung der letzten Jahre und unter der Annahme einer linearen und stetigen Weiterentwicklung auf den zukünftigen Verlauf geschlussfolgert. Prinzipiell mag das ne tolle Sache sein, ich halte es aber für gefährlich, komplett darauf zu bauen, denn wenn dann am Ende der erwartete oder erhoffte Zuwachs nicht stattfand, ist das auch irgendwie doof. Aber vielleicht bin ich da auch zu vorsichtig. Ich habe nunmal gerne ein Netz schon gespannt bevor ich den Ast, auf dem ich sitze, absäge.

Zur Endlagerung hat sich der Ethikrat gleich noch mit geäußert, hier möchte ich aber demnächst einen extra Artikel dazu veröffentlichen. Nur soviel: es geht um die ewige Frage der Rückholbarkeit. Erst kürzlich äußerte sich ein Wissenschaftler vom KIT ebenfalls dazu, da schreibe ich gerade dran.

Ich für meinen Teil bin sehr gespannt, wie die Kollegen vom Ethikrat sich das alles denken und werde mir natürlich am 28.05. das Gutachten mal genauer durchlesen, dann soll es nämlich offiziell vorgestellt werden.

Das Fazit

Aber schon an dieser Stelle kann festgehalten werden, dass der Unfall von Fukushima “… die Begrenztheit menschlicher Katastrophen-Vorsorge auf[zeigt]“ und nicht als Restrisiko abgetan werden kann. Es gilt, “die Nutzung der Atomkraftwerke so bald zu beenden wie ihre Leistung durch risikoärmere Energien ersetzt werden kann”. Wie das genau passieren soll, welche konkreten Handlungsempfehlungen es gibt, steht noch nicht fest. Ich persönlich glaube auch nicht, dass von den Ethikratmitgliedern da was konkretes kommen wird. Das Papier wird wohl mehr in die Richtung gehen, dass Kernkraft schlecht ist und wir da wegmüssen, wie aber, das wird anderen überlassen.

Auch das RSK-Gutachten strotzt nicht gerade von konkreten Angaben: Irgendwie ist die Kernkraft ja doch gut, abschalten aber ist auch irgendwie richtig, und so wird für meine Begriffe etwas zu sehr geeiert. Kurz und knapp wird festgehalten, dass die Sicherheit in deutschen KKW’s sehr großgeschrieben wird, dennoch befürwortet man den Ausstieg da es nunmal dieses gewisse Restrisiko gibt. Und auch die pöhsen Terroristen hätten ja dann ein Ziel weniger.

Für die Politiker, die am 08.06. ein neues Gesetz zum Ausstieg beschließen sollen, sind beide Gutachten wohl nicht allzu hilfreich. Und so steht zu erwarten, dass der Ausstieg durchgeführt und beschlossen werden wird. Ob die derzeit stillgelegten Meiler wieder in Betrieb gehen glaube ich zwar nicht, aber man darf auch hier gespannt sein. RWE fährt hier ja einen recht eindeutigen Kurs und will zur Not sogar klagen.

Endlich mal ernsthaft die Wende vorantreiben

Insgesamt wurde mit den Vorfällen in Fukushima eine Entwicklung in Gang gestzt, die ich prinzipiell begrüße. Schon als 2002 Rot-Grün den Ausstieg beschlossen haben, hätte ein konsequenterer Ausbau der regenerativen Energien erfolgen müssen. Das ist mit dem EEG meines Erachtens zu halbherzig passiert und lief in eine falsche Richtung. Und auch im letzten Jahr, als die Brennelementesteuer im Rahmen der Laufzeitverlängerung beschlossen wurde, diskutierte man, wo und wie diese zusätzlichen Gelder verplant werden können (statt sie zur Finanzierung der Energiewende zu verwenden). Nun aber werden die Verantwortlichen ja förmlich gezwungen, diese Wende durchzusetzen. Dies ist der Punkt, den ich durchaus positiv bewerte, denn es muss einfach unser vordringliches Ziel sein, von den fossilen und nuklearen Energieträgern wegzukommen und eines Tages eine Energieerzeugung zu haben, die sauber und nachhaltig ist (hier denke ich aber mehr an die Fusion denn an Wind und Sonne, aber das ist ein anderes Thema).

Dass das nun aber so plötzlich und übereilt passiert, halte ich für nicht sonderlich zielführend. Dass ferner alles ohne Rücksicht auf die Kosten passieren soll, ist ebenso falsch. Eine solche geplante Wende ist ein großes Vorhaben, das kann man nicht über’s Knie brechen. Ein solcher Plan erfordert ruhiges und vor allem besonnenes Handeln. Und so habe ich die Befürchtung, dass uns recht bald alles auf die Füße fallen wird. Aber vielleicht wird daraus ja auch gar nichts mehr und am kommenden Samstag ist Schluss. Dann soll nämlich die Welt untergehen. Verlassen sollten wir uns darauf aber lieber nicht. Es gibt also noch viel zu tun und ich bin sehr gespannt, wo uns diese Entwicklung noch hinverschlägt.

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    • OPS
    • 19. Mai. 2011 5:40am

    Mal wieder ein interessanter Artikel.

    Eine Sache fällt mir bei dieser Diskussion sehr genau auf: Bis 2021 soll Kernkraft durch Erneuerbare Energien abgelöst werden können. Unabhängig davon ob das technisch tatsächlich möglich ist werden dabei verschiedene Aspekte nicht beachtet:
    Dafür war die Förderung von Erneuerbaren Energien gar nicht gedacht!
    Als das EEG im Jahr 2000 verabschiedet wurde, ging es darin nicht vorrangig um die Ersetzung der Kernenergie, sondern um den Klimaschutz.
    Seit dem haben wir Abermilliarden Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien gesteckt, mit dem Ergebnis dass sie 20 Jahre später einen so hohen Anteil an der Stromversorgung haben werden wie die Kernenergie als die Förderung begann.

    Wenn wir nun als Folge dessen die Kernenergie abschalten- weil wir deren Anteil ja “sauber” ersetzen können- dann haben wir den gesamten Fortschritt beim Klimaschutz verloren. 20 Jahre EEG für die Katz!
    Wir könnten 2020/21- durch Kombination von Kernenergie und Erneuerbaren 60% unseres Stroms CO2-arm erzeugen.
    Statt dessen bleibt der Anteil CO2-armen Stroms konstant, oder sinkt sogar, weil Kernkraftwerke abgeschaltet werden.

    Viele andere Länder der Welt (zum Beispiel Großbritannien, die Niederlande, Finnland) setzen auf eine kombinierte Strategie, Kernenergie und erneuerbare Energien auszubauen zur Bekämpfung des Klimawandels.
    Hat Deutschland sich von diesem Ziel jetzt endgültig verabschiedet?

      • JanG
      • 19. Mai. 2011 6:35am

      Ich glaube ja: der Ethikrat wies in seinem Gutachten immer wieder darauf hin, dass es um den “Risiko-Faktor” geht, Klimaziele sind da erst in zweiter Instanz entscheidend. Und das ist die Crux an der Sache, denn ich denke, dass in einem Zusammenspiel zwischen Kernenergie und erneuerbaren Energien Klimaziele erreicht werden können UND über kurz oder lang zuerst die fossile und später auch nukelare Energieerzeugung eingestellt werden kann. Dafür braucht es aber ein besonnenes Handeln und nicht diesen von (einer an sich irrationalen) Angst geprägten Populismus.

    • Rainer
    • 19. Mai. 2011 10:21am

    Sehr guter Artikel – wieder einmal! Das Problem ist inzwischen, dass eine Diskussion zwischen den “verfeindeten” Gruppen schlichtweg unmöglich ist. Eine Sachebene lässt sich nicht mehr finden. Vielleicht liegt dies auch an mir (glaube ich aber nicht, da ich eher der Typ – sachlich, rational, Mann bin.) Wenn die Gesellschaft zukünftig alle Problemlagen so diskutiert, dann können Menschen wie Du soviel bloggen wie sie wollen. Es wird dann eh nur von Leuten gelesen, die deiner Meinung sind (Soll aber nicht heißen, dass du aufhören sollst).
    Interessanterweise finden sich inzwischen schon andere Fronten: z. B. Offshore-Wind vs. Photovoltaik. Bin mal gespannt wer hier in der öffentlichen Meinung am Ende überlebt. Da liegen spannende Jahre vor uns. Ich tippe auf die Kohlekraftwerke als Sieger.
    Ist aber auch ok! Im Nordwesten der Republik war es mir im Mittel eh zu kalt!
    Laut Allensbach “wünschen stolze 98% der Bundesbürger mehr Forschung auf dem Gebiet der Alternativmedizin und Naturheilkunde.” hier gibt es mehr dazu: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/frohe_botschaft_aus_allensbach_die_fortschrittsfeindlichkeit_ist_vorbei/
    Mir fällt dazu nichts mehr ein!

      • OPS
      • 19. Mai. 2011 12:19pm

      98%! Ich habe das gerade gelesen und ich kann eine Umfrage die so ein Ergebnis haben will nicht ernst nehmen.
      98%!
      Allein schon weil sie die Frage nicht richtig verstanden haben, trollen wollen oder sich verschreiben sind 98% unglaubwürdig.
      Da kann doch was nicht stimmen.
      Selbst Diktaturen mit gefälschten Wahlen sind oft nicht so dreist sich 98% Zustimmung zu verschreiben.
      Ich glaube nicht eine Sekunde an die Richtigkeit dieser Studie.

      Außerdem:
      Fazit von Allensbach: „Fortschrittsfeindlichkeit sieht anders aus.“

      Ich finde, die Ablehnung von Forschung und Unterstützung von Alternativ- und Naturheilkunde sind der Inbegriff von Fortschrittsfeindlichkeit!

      Der Aussage „Wenn es auch nur ein geringes Risiko für den Menschen gibt, dann sollte man auf technische Entwicklungen lieber verzichten“ stimmen 52 Prozent der Deutschen zu.

      Fast alle technische Entwicklungen haben ein mindestens geringes Risiko für Menschen.

      Diese Studie lässt mich den Glauben an die Vernunft der deutschen Bevölkerung verlieren!

    • Rainer
    • 19. Mai. 2011 12:44pm

    “Diese Studie lässt mich den Glauben an die Vernunft der deutschen Bevölkerung verlieren!” – geht mir genau so! Aber – was ist die Konsequenz. Soll man sich bei jeder Gelegenheit einen Wolf diskutieren? Habe gerade mit einer Bekannten über Kernenergie diskutiert, die ihren Kindern Globuli gibt und zeitgleich mit dem Ofen Altholz verheizt und nicht für richtige Lüftung sorgt. Es ist sooooo mühsam!
    Oder sollte man sich einfach zurücklehnen und leise lächelnd zuschauen?
    Leider fehlt mir dazu die Gelassenheit.

      • JanG
      • 19. Mai. 2011 1:07pm

      Geht mir genauso: zurücklehnen will ich mich nicht, aber nach dem x-ten Mal das selbe Argument bringen weiß ich manchmal echt nicht mehr weiter. Vielleicht muss man ab einem bestimmten Moment die Menschen machen lassen und kann zumindest hinterher versuchen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Ist auf Dauer aber auch nicht befriedigend :-|

    • Stefan
    • 20. Mai. 2011 11:27am

    Wie immer ein großartiger Artikel!
    Hier vielleicht noch zwei Zahlen zum Thema Kosten um den irrigen Aktionismus, welcher zur Zeit betrieben wird treffend zu beschreiben (diese stammen aus einem Vortrag von Herrn Prof. H. Alt von der FH Aachen im Rahmen der Jahrestagung Kerntechnik):

    1. Während des Stillstands durch das Moratorium exportieren die deutschen EVU nicht etwa wie bisher Strom, sondern sie importieren ihn im Wert von ca. 7 Mio €.
    Pro Tag!

    2. Die Subventionen für Erneuerbare (Einspeisevergütung usw.) beliefen sich in 2010 auf ca. 10 Mrd. € (bereinigt um Verdrängte und damit ersparte Stromerzeugungskosten in den ohnehin notwendigen Kraftwerken) und werden in 2011 wahrscheinlich auf ca. 14 Mrd € ansteigen.
    Zum Vergleich: Die Subventionierung des deutschen Steinkohlebergbaus (Kohlepfennig) wurde mit der Begründung einer Unwirtschaftlichkeit (und nicht Klimaschutz!) abgeschafft und belief sich zuletzt auf ca. 4 Mrd. € pro Jahr…

  1. 22. Dez. 2011
  2. 11. Feb. 2012

 

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