Wie teuer ist Atomstrom wirklich – Teil II

Im ersten Teil bin ich auf einige ausgewählte Punkte der Subventionsstudie eingegangen und habe die dort aufgezählten Posten zum Teil erläutert. Im Folgenden möchte ich mich hierzu noch einmal äußern und zu einigen Punkten noch weitere Anmerkungen machen die mir wichtig erscheinen. Neben einigen generellen Bemerkungen zu den Artikeln und Gutachten von Greenpeace will ich auch auf die Frage eingehen, ob der Atomstrom denn nun wirklich so teuer oder billig ist wie ihn seine Gegner bzw. Befürworter immer hinstellen.

An dieser Stelle möchte ich mich ganz allgemein mal zur Auffassung äußern, die bei Greenpeace in Bezug auf wissenschaftliches Arbeiten zu herrschen scheint. Denn leider habe ich oft den Eindruck, dass es sich bei den dort zuständigen Mitarbeitern um „wissenschaftliche Analphabeten“ (zitiert nach Patrick Moore, Mitbegründer von Greenpeace Deutschland) handelt. Zunächst möchte ich aber festhalten, dass ich weder auf der Gehaltsliste eines Energieunternehmers noch einer Behörde stehe. Ich arbeite als wissenschaftlicher Mitarbeiter und studierter Physiker in einem kleinen unabhängigen Ingenieurbüro und eines unserer Tätigkeitsgebiete ist die Endlagerforschung.

Angepasste Gutachten und subjektive Berichterstattung

Schon als Student habe ich Berichte von Greenpeace mit Skepsis betrachtet. Angefangen hatte das, als herauskam, dass Greenpeace ein Gutachten zur Versenkung der Brent Spar gefälscht hatte. Da wurden einfach die Daten „angepasst“ weil das ursprüngliche Gutachten nicht die gewünschten Resultate lieferte. Auch beim Greenpeace-Bericht zum Tschernobyl-Report der WHO zeigt sich, dass Greenpeace

praktisch ausschließlich solche Aussagen zusammengetragen [hat], die ihr für ihr Ziel, die Folgen des Tschernobyl-Unglücks möglichst drastisch erscheinen zu lassen, ‘geeignet’ erscheinen konnten. Andere Aussagen hat Greenpeace fast vollständig ignoriert oder oberflächlich als interessengebundene Aussagen abgetan.

(zitiert nach E. Roth in seinem Vergleich des WHO-Reports mit dem entsprechenden Report von Greenpeace zur Katastrophe von Tschernobyl, Seite 5 ff). Auch scheint Greenpeace kein Problem damit zu haben, auch mal eine Technologie wie die Kernkraft zu befürworten wenn es darum geht, andere Technologien wie die Gentechnik zu verteufeln. Diese Art, sein Fähnchen nach dem Wind zu drehen, macht es mir aber schwer, die Mitarbeiter und deren Berichte im Rahmen einer wissenschaftlichen Debatte ernstzunehmen.

Ich will hier nicht gegen die Berichte und Gutachten von Greenpeace generell was sagen, im Gegenteil. Sie sind auch für mich immer wieder Anregung, einige Dinge auch mal von einer anderen Seite zu betrachten und einen anderen Standpunkt wahr- und einzunehmen. Auch ist es sehr wichtig, dass gerade solche Themen an die Öffentlichkeit gebracht werden bzw. solche technologieafinen Menschen wie ich es bin, dadurch ein wenig zum Nachdenken gebracht werden. Aber leider ist es oft so, dass, wenn man sich mal etwas näher mit den in diesen Berichten genannten Fakten auseinandersetzt, man offensichtliche Mängel findet, die in Hinblick auf eine wissenschaftliche Betrachtung wenig seriös sind. Die wenigsten Menschen aber machen sich genau diese Mühe, und setzen sich kritisch mit solchen Gutachten auseinander. Oft wird lediglich das Ergebnis des Gutachtens (viele Tote, teuer Geld, kaputte Natur etc.) zur Kenntnis genommen und in entsprechenden Diskussionen kritiklos wiedergegeben.

Woher kommen die Foschungsgelder?

Dieses unreflektierte Übernehmen von Daten und Fakten durch die Menschen einerseits, die zum Teil willkürliche Berichterstattung von Seiten Greenpeace andererseits verwundert mich da immer wieder. Und so muss ich mich fragen, wie zum Beispiel der in der Subventionsstudie mit rund 55 Mrd. Euro bezifferte Anteil für die Forschung zustande gekommen ist. Denn wenn man sich mal selber die Mühe macht, etwas nachzuforschen, so stößt man auf die Drucksache 15/43 in der auf die Anfrage von Herrn Kubatschka die Aussage kommt, dass sich die Forschungsmittel bis 1998 auf eine Summe von 13,174 Mrd. Euro belaufen. Für die Jahre 1998 bis 2008 fielen weitere 3,631 Mrd. Euro an (Quellen: Bundesbericht Forschung 2000, Bundesbericht Forschung 2006 sowie der Bundesbericht Forschung und Innovation 2008). Insgesamt ergibt das die stolze Summe von 16,805 Mrd. Euro – immerhin rund 38 Mrd. Euro weniger als in der Studie angegeben. (Ironie An): Aber vielleicht sind die ja in den Jahren 2009 und 2010 angefallen? (Ironie Aus)

Nein, jetzt mal im Ernst: wenn man in die Subventionsstudie schaut, so werden schon Quellen genannt: bei den Forschungsausgaben zum Beispiel einmal die Drucksache 17/02646 sowie der Bundeshaushaltsplan 2008. Nach diesen Quellen hatte ich dann auch mal gegoogelt, gefunden habe ich aber nur drei oder vier Ergebnisse – eben die Subventionsstudie. Die eigentlichen Quellen wie sie im Bericht angegeben sind, sind für mich nicht recherchierbar. Auch das Literaturverzeichnis ist keine Hilfe, verweist es wieder mal nur auf diese Drucksache bzw. liefert einen Link der lediglich die Hilfen zu Tschernobyl auflistet. Vielleicht stelle ich mich aber auch einfach nur blöd an. Daher meine Frage: kann hier jemand helfen und die entsprechenden Quellen liefern? Seltsam erscheint mir auch, dass weitere Angaben im Folgekapitel einfach so genannt werden, da gibt es keine Quelle und nichts. Einfach der Satz „In dieser Zeit fielen soundsoviel Mittel an“ und Punkt. Seriös oder gar wissenschaftlich ist was anderes.

Investitionen – ein notwendiges Übel?

Auf einen weiteren Punkt möchte ich eingehen: in der Subventionsstudie fällt der Satz

Hätten die Atomenergiebetreiber allerdings in der Aufbauphase auch nur einen relevanten Teil der Kosten selbst tragen müssen, wäre diese Technologie nie eingeführt worden.

Das ist eine Binsenweisheit die sich auf sehr viele Technologien erstreckt. Aktuell zum Beispiel greift der Staat massiv ein, um die Solartechnik zu fördern. Im Gegensatz zur Kernkraft, die vom ersten erzeugten Watt an wirtschaftlich war, ist die Photovoltaik es bis heute nicht. Würde es aber die Subventionen nicht geben, würde diese Technologie nie eingeführt werden. Es ist nun mal die Pflicht eines Staates, regulierend einzugreifen und hier und dort durch Förderungen die Einführung einer neuen Technologie zu ermöglichen. Oder wie es mein Professor in Festkörperphysik so schön gesagt hatte:

Würden wir nur an den Anwendungen feilen, wir würden heute noch in Höhlen leben, hätten aber die beste Steinaxt überhaupt.

Aktuell erschien gerade in der taz ein Artikel der solche Kosten beschreibt. So wird dort geschrieben,

dass allein für Strom aus Wind und Sonne bis 2020 Leitungen für rund 200 Milliarden Euro gebaut werden müssen.

Ferner ist davon die Rede, dass privaten Investoren (die wohl sonst nie in diesem Bereich tätig würden) finanziell unter die Arme gegriffen werden soll. Es ist also durchaus Usus, dass für die Etablierung neuer Technologien ein gewisses Startkapital sowie Anreize für private Investoren gegeben werden. Jetzt auf die Kernkraft zu zeigen und Buh zu rufen mag in privater Runde am Stammtisch gehen, in einem Gutachten welches im Rahmen einer wissenschaftlichen Debatte zitiert werden soll, ist so was fehl am Platz.

Das Fazit: Energiegewinnung erfordert Aufwand

Es ist richtig, dass die Nutzung der Kernenergie Geld kostet. Und auf jeden Fall sind die hier genannten Kosten angefallen und mussten von jemandem getragen werden. An dieser Stelle gebe ich auch gern zu, dass diese Studie hier einen guten Überblick über die ganzen Kosten liefert. Dass sie hier und da nicht ganz ordentlich ist und ihre Schwächen hat, mag dahingestellt sein – die Kernaussage, dass im Laufe der letzten sechs Dekaden viel Geld aufgewendet wurde bzw. in Zukunft noch aufgewendet werden muss, ist zweifellos richtig. Und so kann man am Ende auch die genannten Zahlen (304 Mrd. Euro insgesamt bzw. 4,3 Cent pro Kilowattstunde) als gegeben hinnehmen.

Die Schwäche aber offenbart sich an anderer Stelle: an der fehlenden Vergleichsmöglichkeit. So ist ja auch die Behauptung, zwei Meter sind viel, zunächst nur eine Behauptung. Im Vergleich zur Größe eines Menschen mag sie stimmen, im Vergleich zur Höhe eines Hauses eben nicht. So muss man immer ein vergleichendes Maß mitliefern, wenn man solche Aussagen trifft.

Und die Zahlen, die im Subventionsbericht stehen, mögen hoch erscheinen, solange man sie nicht ins Verhältnis zu anderen, vergleichbaren Dingen (hier die unterschiedlichen Energieformen) setzt, bleiben sie bloße Zahlen ohne tieferen Sinn. Würde man nämlich mal für alle Energieträger (Kohle, Wasser, Gas, Öl, Wind, Sonne, etc) sämtliche je angefallenen Kosten addieren und mit der durch diese insgesamt erzeugten Energiemenge verrechnen wie es in der Subventionsstudie für die Kernkraft getan wurde, es würde mich nicht wundern wenn die 4,3 Cent pro kWh auf einmal gar nicht mehr so hoch erscheinen würden. Hierzu möchte ich auf den Kommentar von OPS im ersten Teil hinweisen, der unter Punkt 3 wunderbar schreibt:

300 Milliarden Euro in 60 Jahren sind immer noch nur 5 Milliarden Euro im Jahr für 30% der Stromversorgung. Dagegen stehen 12 Milliarden für Erneuerbare im Jahr 2010 für 17% der Stromversorgung.

Besser kann man es fast gar nicht mehr formulieren.

Wie ich bereits in meinem Artikel Risiken der Technik angemerkt habe, wird in Bezug auf die Kernkraft mit zweierlei Maß gemessen. So rechnet man bei der Kernkraft jedes noch so kleine Fitzelchen zusammen um einen möglichst hohen Preis zu erhalten wohingegen man genau diese Dinge bei den anderen Energieformen verschweigt. Falls also im Jahre 2050 mal eine neue Subventionsstudie (egal für welche Energieform) erstellt wird, sollten wir diesen Preis für die Kernkraft in guter Erinnerung behalten – er wird uns dann gewiss sehr viel sympathischer erscheinen.

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    • Der Stefan aus dem Nachbarbüro
    • 11. Mrz. 2011 10:27am

    So, jetzt ist es soweit, ich lasse mich zu meinem ersten Kommentar hinreißen:

    Daumen rauf für diese zwei Artikel!

    Nachdem das Spiel mit der Angst der Menschen vor Unbekanntem zuletzt immer absurdere Züge angenommen hatte (vgl. “Studie” zur Geburtenverteilung m/w im Gebiet um die Asse) wird jetzt, mit ebenso fragwürdigen Argumenten, halt an dem anderen wunden Punkt gebohrt, dem Geld.
    Und ich finde es großartig, dass es Leute (wie dich) gibt die diese meinungsbildenden Argumentationen kritisch hinterfragen und Fehler aufdecken.

    Gruß
    SJ

  1. Sehr schön, danke für den Artikel.
    Ich finde es immer schwierig, bei der Debatte um die wahren Kosten von Kernkraft den Wahrheitsgehalt der Studien auf die Schnelle abzuschätzen. Beide Seiten — Befürworter und Gegner — werden sich Punkte raussuchen, die ihrer Argumentation zuträglich sind. In sofern danke, dass du dir die Zeit genommen hast, die Daten mal ein wenig zu hinterfragen.

    Eine Frage hab ich aber noch: du hattest (ich glaube im ersten Teil) geschrieben, dass sich Photovoltaik immer noch nicht rentiert (wenn man die Subventionen wieder rausrechnet). Bezieht sich das auf die Kosten oder den energetischen Aufwand?
    Ich erinnere mich an eine Vorlesung, die leider häufig mit etwas älteren Daten gearbeitet hat, aber selbst da hieß es, dass die energetisch nach 15-20 Jahren amortarisiert seien. Bei einer Lebensdauer von 30 Jahren lohnt sich das also schon, wenngleich natürlich nicht sonderlich geil.
    Wie es finanziell abzüglich der Subventionen aussieht weiß ich nicht, kann gut sein, dass es sich da nicht lohnt.

      • JanG
      • 11. Mrz. 2011 5:59pm

      Danke für Deinen Kommentar, auf die Antwort muss ich Dich aber etwas vertrösten, werde erst Anfang der kommenden Woche dazu kommen. Mach ich aber.

      Schönes Wochenende und bis denn dann.

      • JanG
      • 18. Mrz. 2011 5:04pm

      Sorry dass ich jetzt erst zum Antworten komme. Also, meine Aussage, dass sich die PV nicht rentiert ging mehr in die Richtung, dass sie derart hoch über das EEG subventioniert werden muss. Wäre diese Zulage nicht da, hätte sie keine Chance am Markt. Rein vom energetischen aber stimmt es, nach einiger Zeit (n paar zehn Jahre, genaue Zahlen habe ich leider nicht) hat sich das amortisiert.

    • Jocki
    • 16. Mrz. 2011 5:57pm

    Hallo! Tolle Seite!
    Es ist bei so einem emotionalen Thema leider so, dass praktisch niemand neutral berichtet. Auch hier kann die Atomfreundliche Ausrichtung wohl kaum geleugnet werden.
    Das Problem bei den Kosten sehe ich vor allem darin, wie sie kommuniziert werden. Bei der Umstellung auf alternative Energien wird einem jeder Cent aufs Auge gedrückt. Ökosteuer, EEG-Abgaben usw.
    Dagegen scheinen die öffentlichen Kosten für Atomenergie aus dem Nichts bezahlt zu werden. Woher kommen die bisher rund 700 Millionen Euro für den Rückbau des AVR Jülich? Aus welchen Mitteln kommen die vielen Milliarden für Asse und Gorleben?
    Wieso müssen sich AKWs nicht entsprechend ihrem Risiko versichern?

    So kommt es, dass die subjektiven Wahrnehmung der Kosten vollkommen verzerrt wird.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass Atomenergie letztendlich wirklich billig ist. Durch den Umgang mit den Kosten braucht man sich aber nicht wundern, wenn Atomkraftgegner lautstark auf die Barrikaden gehen.

      • JanG
      • 17. Mrz. 2011 10:47am

      In der Tat bin ich wohl eher auf den pro-Seite zu finden. Obwohl ich mich schon bemühe, objektiv zu bleiben. Ist aber schwer.

      Was die Kosten angeht, da kann ich zunächst meinen Artikel zu dieser Frage empfehlen. Des Weiteren ist schon eine Transparenz da, man muss nur etwas suchen, dann findet man recht gut, dass die Kosten zum Beispiel für die Asse oder in Jülich aus Steuergeldern kommt. Gorleben hingegen wird gemäß dem Verursacherprinzip durch die EVU’s finanziert. Wir reden hier von 96,5% der Kosten (sowohl die bisherigen als auch die noch anfallenden).

      Und im Fall eines Unfalls haften die Betreiber (zusätzlich zu den 2,5 Mrd. Euro die pro Schadensfall anzulegen sind) mit ihrem Gesamtvermögen. OK, hier kann es sein, dass im Fall eines Unfalls dieses nicht ausreichen wird, diese Kosten sind schwer zu kalkulieren. Hier aber ein beliebtes Argument von mir: würden Terroristen mal einen Flieger in eine der Staumauern des Zillertals steuern, es würde sich eine Flutwelle durch das Tal bahnen die (in der Hochsaison) tausende von Menschenleben kosten würde. Der materielle Schaden wäre ebenfalls in einem mehrstelligen Milliardenbereich. Ich bezweifle, dass es hier eine Absicherung gibt.

      Wie ich immer wieder feststelle, wird in Bezug auf diese Thematik mit zweierlei Maß gemessen. Dier Kernkraft darf kein Risiko haben, bei den anderen Technologien wird es in Kauf genommen oder gar nicht beachtet. Bei der Kernkraft wird jedes noch so kleine Fitzelchen der Kosten zusammengerechnet, bei den anderen Technologien ein Teil großzügig übersehen. Zusammen mit der sehr asymmetrischen Berichterstattung in den Medien ergibt sich dann auch dieses sehr verzerrte Weltbild.

  2. Auch bei Greenpeace ist nicht alles Grün. Aber ein Reaktorunfall, Super Gau, in Deutschland würde unser halbes Land vernichten.

      • JanG
      • 21. Mrz. 2011 8:50pm

      Und genau hier bin ich mir eben nicht sicher. Es gab vor längerer Zeit mal eine Studie zu den Auswirkungen eines GAU’s. Diese wird denn auch immer als Maßstab genommen. Seit geraumer Zeit bin ich da schon auf der Suche, würde die gern mal lesen. Denn ich behaupte jetzt einfach mal, dass ein GAU natürlich schlimm, aber nicht so schlimm wie gemeinhin angenommen wäre.

      OK, es gäbe dann wohl eine Sperrzone um den Reaktor, aber das ist dann nicht gleich das halbe Land. Und in Japan werden wir ja sehen was nun weiter passiert, das halbe Land hat es da bisher auch nicht durch den GAU in Mitleidenschaft gezogen.

      Muss aber auch zugeben, dass ich mehr in der Endlagerforschung tätig bin. Damit bin ich zwar auch in der kerntechnischen Gemeinde zu Hause, aber gerade der Bereicht Kraftwerksicherheitstechnik ist nicht ganz mein Gebiet. Ich lasse mich hier gerne belehren.

      Und zu Greenpeace nochmal: ja, ich mag diese Menschen nicht. Was sie tun ich sehr wichtig und richtig. Und ich finde es auch gut, dass es Menschen gibt, die solche Technikaffinen und Fortschrittsfreudigen Menschen wie ich es bin, immer mal wieder bremsen und sie zum Nachdenken bringen. Aber die Methoden die Greenpeace dabei nutzt finde ich nicht korrekt.

    • Alex
    • 31. Mrz. 2011 9:19am

    Du schreibst “Im Gegensatz zur Kernkraft, die vom ersten erzeugten Watt an wirtschaftlich war..” Vom ersten Watt bist heute hat die Kernkraft noch nicht einen Teil der Atommülls entsorgt der bis jetzt enstanden ist. Und es geht ja nicht nur um die Brennstäbe, auch der Reaktor und teile des Gebäudes müssen nach dem Ende der Nutzung ja abgebaut werden. Wahrscheinlich zahlen wir das dann in 20 Jahren mit einer Energiesteuer auf die regenerativen Energien ab…

    Hätte es zu Jesus Zeiten Kernkraft gegeben, ständen heute vielleicht im Irak und in Pakistan immer noch strahlende Reste herum… Können wir uns wirklich anmassen das wir sicherstellen können das die Weltordnung für tausende von Jahren so bleibt wie Sie ist und immer mal jemand nach dem radioaktiven Abfall schaut und ab und zu mal wieder ein neues Dach oder dergleichen drüberbaut?

      • JanG
      • 31. Mrz. 2011 10:20am

      Na ja, Forschung zur Endlagerung gibt es seit den 1950er Jahren. Man hat damals in der Tat die Sache stark unterschätzt aber man hat auch viel gelernt seit damals. Und ich denke, dass die Chancen mittlerweile sehr gut stehen: technisch ist die Endlagerfrage ein gelöstes Problem. Die Argumente möchte ich jetzt aber hier nicht tippen, ich verweise da auf meinen Artikel “Endlagerung in Deutschland – wie funktioniert das?”.

      Was die Kosten angeht: für jedes Stück Abfall was aktuell zwischengelagert werden muss bzw. jeder Cent der in die Endlagerung gesteckt wird werden gemäß dem Verursacherprinzip abgerechnet. Und zwar jedes Jahr aufs Neue. Es besteht also keine Sorge dass wir irgendwann die Endrechnung präsentieren und alle sind weg. Genauer hab ich das aber auch schonmal beschrieben und würde (schon wieder) auf einen Artikel verlinken: “Wer zahlt für den Müll”.

      Zum letzten Punkt aber nochwas: genau aus dem Grund wurde sich ja entschieden, dass wir die Abfallproblemtik in unserer Zeit lösen müssen. Eine oberirdische Lagerung bis mal irgendwann vielleicht was gefunden wird ist unverantwortlich gegenüber den Folgegenerationen aus genau dem Grund den Du hier nennst. Aber hier gilt wieder: ich denke schon, dass wir das lösen können.

    • Constantin
    • 31. Mrz. 2011 1:16pm

    Hallo,

    ich finde beide Artikel sehr gut! Vor ein paar Wochen habe ich auch die Greenpeace Subeventionsstudie gelesen, weil ich rausfinden wollte, ob die Kernkraft wirklich nur wegen staatlicher Foerderung rentabel ist, wie oft behauptet wird. Und ich hab mich sehr geaergert, den Punkt ueber die Forschung zu sehen. Mein erster Gedanke war: ca. 5 Milliarden Euro pro Jahr seit den 50er Jahren, aber bei der Forschung an erneuerbarer Energie wird jetzt bestimmt mehr pro Jahr ausgegeben. Leider habe ich dazu aber keine Quelle gefunden. Woher stammt die Information ueber die 12 Milliarden im Jahr 2010?

    Zum Thema des radioaktiven Abfalls durch Kernkraftwerke, hoffe ich dass in Zukunft Transmutationsreaktoren die notwendige Lagerungszeit drastisch verkuerzen werden!

      • JanG
      • 31. Mrz. 2011 1:31pm

      Danke für den Kommentar, freut mich wenn die Leute sich freuen :-)

      Ich muss zugeben, dass ich zunächst diese 12 Mrd. Euro lediglich aus einem Kommentar herauskopiert habe. Aber auf der Seite des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft bin ich dann fündig geworden. Dort ist die Präsentation “Erneuerbare Energien und das EEG in Zahlen” zu finden. Auf der Seite 38 gibt es eine Übersicht über die vergüteten Strommengen und Vergütungssummen von 2000 bis 2015. Und dort sind denn auch die 12 Mrd. Euro für 2010 zu finden.

      Transmutation ist natürlich n großes Stichwort, da recherchier ich auch grad was. Ist aber in der Tat vielversprechend.

        • Constantin
        • 31. Mrz. 2011 2:07pm

        Danke fuer die Info! Ich wuerde mich freuen, mehr ueber Transmutation zu lesen. Ich bin Physiker, und ueber Transmutationsreaktoren habe ich nur einen kurzen Abschnitt im “Demtroeder, Experimentalphysik 4″ gelesen.

    • paul
    • 2. Apr. 2011 3:01pm

    Die ständig laufende Subventionierung des Atomstroms über das Fehlen einer (in sonst allen Lebensbereichne und Industriezweigen üblichen!) Haftplichtversicherung darf man nicht vergessen.
    siehe auch http://www.AtomHaftpflicht.de

    Wenn die AKW-Betreiber verpflichtet wären, sich nur bis zu einer Summe in Höhe der Kosten der Tschernobyl-Katastrophe zu versichern (sprich bis maximal 200 Milliarden Euro), würde der Atomstrom allein nur durch die Versicherungsgebühren um 6 Cent pro kWh teurer werden – somit teurer als jeder angeblich teure Ökostrom.

    Berechnung siehe auch hier:

      • JanG
      • 2. Apr. 2011 3:51pm

      Na ja, einerseits müssen die Betreiber 2,5 Mrd. Euro pro Anlage zurücklegen um im Schadensfall erstmal Geld zur Verfügung zu haben, des Weiteren haften Sie eben im Schadensfall mit Ihrem Gesamtvermögen. Die Pflicht also, solche Beträge in Form einer Art Haftpflicht bereitzuhalten, gibt es. Aber in der Tat stellt sich die Frage, warum die Kollegen vom FÖS diesen Betrag in der Studie vergessen haben, zu erwähnen.

      Mein Lieblingsbeispiel beim Thema Terroranschlag ist immer das Zillertal. Wenn dort mal ein paar solcher Typen ein Flugzeug in eine der oberen Staummauern fliegt, dann gibt es eine Welle durch das Tal die einen Schaden verursacht der gut und gerne auch in einer mehrstelligen Mio. viell. sogar Mrd. Höhe liegt. Stellt sich die Frage, ob die Wasserwerker die die Staummauer betreiben, auch für sowas versichert sind.

      Meine Argumentation war ja die folgende: JEDE Energieform erzeugt Energie und verursacht Kosten. Und nun muss man, um einen fairen Vergleich zu haben, so wie es das FÖS für die Kernenergie gemacht hat, diese Kosten für jede Energieform zusammenrechnen. Und ich denke schon, dass dann am Ende Preise stehen würden, bei dem die Kernenergie nicht zwangsläufig so schlecht abschneidet.

    • Weidler
    • 19. Apr. 2011 9:44am

    Wenn du auf eine neue Subventionsstudio 2050 gespannt bist, wäre ich dann allerdings noch auf eine 102050 gespannt.

      • JanG
      • 19. Apr. 2011 10:00am

      Ich vermute Sie spielen auf eventuelle Kosten an die angeblich durch den Atommüll noch entstehen sollen. Hier kann ich Sie aber beruhigen: wir werden es (hoffentlich) bis Mitte des Jahrhunderts geschafft haben, aus der kerntechnischen Energieerzeugung auszusteigen. Bis zum Ende des Jahrhunderts ist dann der ganze Abfall in den Endlagern und diese werden verschlossen. Eine Nachsorge ist nicht notwendig. Siehe hierzu auch meinen Artikel Endlagerung in Deutschland. Dort lege ich das geplante Konzept dar.

    • Benjamin Koch
    • 19. Apr. 2011 2:08pm

    Vielen Dank für die interessanten Artikel und auch ihr klares Bekenntnis zur Kernenergie. Ich wünschte mir in der öffentlichen Debatte mehr dieser Beiträge. Denn mit dieser Grundlage kann argumentiert werden. Alles andere ist Polemik. Sei es von Seite der “Atomlobby” oder den “Öko-Faschisten”. Die Motive beider Seiten führen zwangsläufig zu Realitätsverzerrungen. Allerdings sind mir da ideale Hintergründe von Seiten Greenpeace wesentlich lieber als wirtschaftliche Interessen. Werde diese Seite positv “im Auge behalten”. Mit besten Grüßen, Benjamin Koch

      • JanG
      • 19. Apr. 2011 7:02pm

      Vielen Dank für diesen Kommentar, ich finde es sehr angenehm, dass es doch recht viele Menschen gibt, die in einer derart emotionalen Debatte dennoch sachlich bleiben. tut sehr gut :-)

    • Weidler
    • 19. Apr. 2011 3:26pm

    Ich hoffe, Sie haben recht.

    Zu dem Zitat “300 Milliarden Euro in 60 Jahren sind immer noch nur 5 Milliarden Euro im Jahr für 30% der Stromversorgung. Dagegen stehen 12 Milliarden für Erneuerbare im Jahr 2010 für 17% der Stromversorgung.” wollte ich aber noch etwas anmerken.

    5 Milliarden pro Jahr auf 60 Jahre gerechnet verglichen mit 12 Milliarden 2010 ist etwas unfair gegenüber einer Technologie, die zur Zeit in der Aufbauphase steht.

      • JanG
      • 20. Apr. 2011 9:50am

      Na ja, das mag natürlich sein. Meine ursprüngliche Intention war aber, dass mein eigentlich mal für alle Energien alle aufgewendeten Ausgaben mit der entsprechenden erzeugten Energie verrechnen sollte. Zudem muss man auch sagen, dass mittlerweile die Aufbauphase schon ganz schön lange zu dauern scheint. So richtig rentabel sind zum Beispiel PV-Anlagen bis heute nicht.

    • fakeraol
    • 29. Jun. 2011 8:07pm

    Im Subventionsbericht stehen aber natürlich nur direkt geflossene Gelder.
    Wenn das Uran in Deutschland gefördert werden müsste, gäbe es keins mehr, weil die Umweltschutzbestimmungen (zu recht) das ganze viel zu teuer machen würden.
    Wenn wir also fairerweise die Kosten der (nicht stattfindenden) Dekontamination und sicheren Lagerung des strahlenden Abraums und der Tailings in den Abbauländern mit zu den Kosten dazurechnen würden (als aufrechte Befürworter der UN-Menschenrechtskonvention gestehen wir den Menschen dort doch sicher das gleiche Recht auf eine saubere, gesunde Umwelt zu?),
    wenn wir die Erde als unser aller unendlich wertvollen Besitz (in Ermangelung einer Ersatz-Erde) ansehen, und die Schäden in der Umwelt, zb. bei den Fischbeständen durch die Einleitung strahlender Abfälle, täglich 400qm nur durch le Hague in den Ärmelkanal, den Betreibern in Rechnung stellen würden,
    von den potentiellen Kosten eines Super-Gau in Europa garnicht zu reden, weil die Verursacher damit sofort pleite wären und wir die Kosten selber tragen müssten,
    dann hätte sich Kernkraft vom ersten Tag an nicht gerechnet, und das Militär hätte, um trotzdem zu seinen Atombomben zu kommen, die ganze Forschung, Entwicklung, und den Bau entsprechender Anlagen alleine stemmen müssen, was widerum die militärausgaben in die Höhe getrieben hätte.

      • JanG
      • 2. Jul. 2011 3:45pm

      na ja, in der tat kommen da ne ganze menge gelder zusammen. aber mir ging es in erster linie um den subventionsbericht, um die posten die dort aufgezählt waren.

      was nun die anderen kosten angeht, da muss ich mal drüber nachdenken. aktuell bearbeitet ein kollege von mir ein projekt, da geht es um die sanierung der abbraumhalden in mittelasien (kirgisistan, tadschikistan, usbekistan und kasachstan). das ist aber ein eu-projekt, wird also von der gemeinschaft gestemmt. Obwohl hier auch ein nicht geringer teil von den evus kommt (was aber eigentlich nicht sein muesste, sind ja altlasten der sowjetunion).

      was die kosten fuer einen gau angeht: hast du da mal genaue angaben? ich finde im netz alles mögliche von 250 mio bis hin zu 15 billiarden. aber eine (ordentliche und per-reviewte) studie hab ich noch nicht gefunden, immer nur den spruch: das kostet soviel und das wars.

      ach so: ich denke, das militär haette auch so seine kernwaffen bekommen. wenn man mal sieht, was dort fuer gelder fließen, da wird einem ganz anders.

      ganz allgemein noch am ende eine anmerkung von mir: es war einer der größten fehler der menschen, in den 50er jahren einfach so ohne nachzudenken mit der kernkraft anzufangen ohne sich über den abfall gedanken zu machen. und die problematik war bekannt!!! trotzdem wurde einfach drauflosgebaut. und das war scheiße (sorry, aber das war es nun mal). Und nun haben wir den salat und müssen sehen, wie wir das problem gelöst bekommen. deswegen hat es mich aber auch in die endlagerforschung verschlagen – ich finde das neben der tatsache, dass es sehr interessant und spannend ist, auch ein tolles gefühl, hier was zu tun. OK, dass ich dabei ein wenig in die pro-kernkraft-ecke komme, liegt wohl in der natur der sache und dem umgang den ich pflege.

    • fakeraol
    • 4. Jul. 2011 9:50pm

    http://driesch.com/weblog/atomarererwartungswert/
    da gibts zum beispiel mal eine berechnung, die auf 5 billionen kommt. man sieht zumindest, wie er darauf kommt, und ich denke, es ist auch nachvollziehbar. müsste man eigentlich nur mal schauen, was für gewinne ein quadratkilometer durchschnittlich abwirft, als land-/ forstwirtschaftliche fläche, oder industrie / wohngegend. und dann bei berücksichtigung der europäischen bevölkerungsdichte das auf die jahrhunderte hochrechnen und die grundwerte von land und gebäuden/industrieanlagen noch mit reinrechnen und natürlich die privaten verluste der anwohner und gesundheitl. folgeschäden, denn die kontamination lässt sich nicht auf ein gebiet begrenzen, die wird durch wind, tiere, wasser usw. weiter verbreitet und verteilt sich letzten endes über die ganze erde mit der zeit.

      • JanG
      • 5. Jul. 2011 5:35am

      es ist natuerlich klar, dass von dieser warte gesehen zum beispiel der unfall in tschernobyl nicht mit einem in deutschland vergleichbar wäre. aber ich werd mir das mal anschauen. danke fuer den link.

 

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