Radon – die unterschätzte Gefahr

Bereits seit vielen Jahren ist die Gefahr, die durch die Inhalation von Radon ausgeht, ein international viel beachtetes Problem. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr rund 1.900 Menschen nachweislich aufgrund einer zu hohen Konzentrationen von Radon in der Raumluft. Ursache sind hier unter anderem Häuser die im Rahmen von Sanierungs- und Energieeinsparmaßnahmen quasi abgedichtet wurden. Dadurch kann sich das Radon, welches aus dem Boden emittiert wird, in den Wohnungen anreichern und extrem hohe Konzentrationen erreichen. Im Rahmen des Ende September vorgestellten Gutachtens der Bundesregierung soll nun geplant werden, die vorhandene Bausubstanz unter Beachtung der Wärmedämmung zu sanieren. Hier ist dringender Aufklärungsbedarf notwendig um diese (ohne Frage wichtigen) Maßnahmen sicher und ohne eine Gefährdung der Gesundheit durchzuführen.

Über das Ende September veröffentlichte Energiegutachten der Bundesregierung kann man geteilter Meinung sein. In diesem wird ein Szenario erstellt, wie bis in das Jahr 2050 der Energiehunger der Deutschen gestillt werden kann, ohne auf fossile Energieträger zurückgreifen zu müssen. Im Rahmen dieses Vorhabens wird auch geplant, nicht nur die Erzeugung von Energie zu reformieren sondern auch dessen Verbrauch zu reduzieren.

Hierzu wird unter anderem auch der Hausbau betrachtet und zum Teil erhebliche Sanierungsmaßnahmen vorgeschlagen. Immerhin wird ein nicht unbeträchtlicher Teil der Wärme an die Umgebung abgegeben wenn das Haus bzw. dessen Fassade nur unzureichend gedämmt sind. Umfangreiche Maßnahmen zur Gebäudesanierung werden daher aktuell diskutiert, die Grundlage einer solchen Sanierung bildet die Energieeinsparverordnung EnEV. Durch diese werden spezielle bautechnische Standardanforderungen zum effizienten Betriebsenergieverbrauch vorgeschrieben. Leider wird ein großes, und mittlerweile bereits seit langem bekanntes, jedoch von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommenes Problem, ignoriert: Radon in Wohnräumen. Bevor ich aber näher auf diese Problematik eingehe, möchte ich einige allgemeinen Informationen zu Radon geben und auch wichtige Grundbegriffe aus dem Bereich Strahlenschutz erläutern die im Folgenden wichtig sein werden.

Allgemeine Informationen zu Radon

Radon ist ein radioaktives Gas, das in der Erdkruste entsteht. Sein Symbol ist Rn, im Periodensystem ist es in der Gruppe der Edelgase zu finden. Wie alle Edelgase ist es inert, d.h. chemisch nicht reaktiv. Allerdings sind sämtliche in der Natur vorkommenden Isotope dieses Gases radioaktiv. Als Teil der Uran-Radium-Zerfallsreihe wird Radon im Erdboden freigesetzt und dringt über Erdspalten in die Zwischenräume und Risse im Mauerwerk sowie undichte Böden in Häuser ein.

Obwohl Radon überall in Deutschland vorkommt, gibt es Regionen, die aufgrund spezieller geogener Bedingungen eine besonders hohe Konzentration von Radon aufweisen. Vor allem in Gebieten, in denen Granit im Untergrund vorkommt, ist die Belastung teilweise sehr hoch. Hier ist eine Karte zu finden, die die aktuelle Situation der Radonkonzentration in der Bodenluft in Deutschland zeigt, die Radonkarte für Sachsen ist hier zu finden. Diese Karten dienen allerdings ausschließlich der regionalen Orientierung, eine Bewertung einzelner Gebäudestandorte ist damit nicht möglich sondern erfordert eine Messung vor Ort. Nichtsdestotrotz wird bereits aus diesen Karten ersichtlich, dass einige Regionen in Deutschland besonders betroffen sind. Vor allem in den Bundesländern Bayern, Sachsen und Thüringen werden schnell Strahlendosen erreicht, die weit über die gesetzlichen Grenzwerte hinausgehen und damit einen nicht mehr vernachlässigbaren Faktor in der Gesundheitsgefährdung darstellen.

Die gesundheitliche Gefährdung durch die Inhalation von Radon in Gebäuden ist mittlerweile ein weltweit viel beachtetes Problem. Abschätzungen aus internationalen Studien (siehe z.B. Darby et.al. und Kreuzer) haben ergeben, dass bis zu 10 % aller Lungenkrebsfälle pro Jahr auf Radon zurückzuführen sind (das entspricht allein in Deutschland rund 1.900 Fällen jährlich). Trotzdem wird die Gefahr, die durch die Inhalation von Radon ausgeht, massiv unterschätzt. Viele Menschen sind sich nicht bewusst, dass sie – sowohl zu Hause als auch am Arbeitsplatz – einer teilweise stark erhöhten radioaktiven Dosis ausgesetzt sind.

Aktuell geht das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) davon aus, dass allein in Deutschland etwa 50.000 Kinder und Jugendliche in Wohnräumen leben die eine Radonkonzentration von mehr als 400 Bq/m³ aufweisen (die hier genutzte Einheit Bq/m³ ist ein Maß für die Aktivität und wird im folgenden Abschnitt genauer beschrieben werden). Weiterhin wird geschätzt, dass ca. 20.000 Kinder und Jugendliche durch ihren regelmäßigen Aufenthalt in Kindergärten, Kindertagesstätten, Schulen, Jugendheimen etc. einer nicht vernachlässigbaren Belastung ausgesetzt sind. Doch wie kann eine solche Belastung beschrieben und quantifiziert werden?

Grundbegriffe des Strahlenschutzes

Die beiden wichtigsten Einheiten aus dem Bereich Strahlenschutz sind für die vorliegende Diskussion das Becquerel Bq und das Sievert Sv. Das Becquerel ist ein Maß für die Aktivität eines Stoffes und gibt an, wie viele Zerfälle pro Sekunde in einem definierten Volumen zu erwarten sind: 100 Bq/m³ bedeutet also, dass in einem Kubikmeter (z.B. Luft) etwa 100 radioaktive Zerfallsprozesse stattfinden. Die Strahlendosis hingegen wird mit der Einheit Sievert bezeichnet und ist ein Maß für die Energie, die von einem Körper durch ionisierende Strahlung aufgenommen wird. Im Allgemeinen wird diese Einheit für praktisch vorkommende Werte in Millisievert (1 mSv = 0,001 Sv) angegeben. Der Zusammenhang zwischen Aktivität und Dosis gemäß ICRP Ref 00/902/09 wird in der folgenden Übersicht veranschaulicht.

Aktivität [Bq/m³] Dosis [mSv/a]
100 3,3
300 10
1.000 33
2.000 66

Schon seither ist der Mensch einer Strahlenexposition aus natürlichen Strahlenquellen ausgesetzt. Ihrem Ursprung nach unterscheidet man zwischen der kosmischen und der terrestrischen Strahlung. Die Dosis liegt bei ca. 2,1 mSv pro Jahr. Hinzu kommt die Belastung durch künstliche Radioaktivität, diese wird mit rund 2 mSv angegeben. Im folgenden Bild ist die Verteilung dargestellt (Quelle: BfS).

Verteilung der Strahlenbelastung durch natürliche und künstliche Quellen

Gemäß § 46 der Strahlenschutzverordnung StrlSchV darf die Dosis, der eine Einzelperson der Bevölkerung im Jahr aus künstlichen Quellen maximal zusätzlich ausgesetzt sein darf, den Grenzwert von 1 mSv nicht überschreiten.

Gesetzliche Bedingungen und Reglementierungen

Bereits seit vielen Jahren sind die Gefahren durch Radon in Gebäuden bekannt. So wurde im Amtsblatt der EU Nr. L080 am 27.03.1990 die Richtlinie 90/143/Euratom, „Empfehlung der Kommission vom 21. Februar 1990 zum Schutz der Bevölkerung vor Radonexposition innerhalb von Gebäuden“, herausgegeben. In dieser wird für das Jahresmittel allgemein ein Planungswert von 200 Bq/m³ für die Radonkonzentration in Neubauten empfohlen. Für bestehende Wohnräume gilt ein Referenzwert von 400 Bq/m³. Im Rahmen von epidemiologischen Studien wurde vielfach gezeigt, dass bereits ab Radonkonzentrationen von 140 Bq/m³ ein signifikanter Anstieg des Lungenkrebsrisikos zu verzeichnen ist. Von daher entsprechen diese EU-Empfehlungen nicht mehr dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik.

Auch wurde der Planungswert von 200 Bq/m³ zwar in das aktuell gültige Radon-Handbuch des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) übernommen und stellt derzeit eine Richtlinie in Deutschland für das Radonsichere Bauen dar. Allerdings wird sowohl vom BMU als auch vom BfS ein Radonzielwert von 100 Bq/m³ präferiert.

In 2005 wurde von Seiten des BMU der Entwurf des so genannten Radonschutzgesetzes vorgelegt. Dieses sollte verbindlich einen Zielwert von 100 Bq/m³ für Neu- und Altbauten festlegen. Wegen der vorgezogenen Bundestagswahl am 18. September 2005 wurde neben einigen anderen dieser Entwurf nicht verabschiedet. Bis heute gibt es in Deutschland weder gesetzlich festgelegte Grenzwerte noch konkrete und verbindliche Reglementierungen für Sanierungs- bzw. Modernisierungsmaßnahmen im Bausektor. Bisher gelten lediglich Empfehlungen deren Umsetzung im Ermessen der Besitzer liegen und nicht vom Mieter eingeklagt werden können. Auch eine Dosismessung in Gebäuden ist, auch wenn sie deutlich erhöhte Konzentrationen ermittelt, nicht rechtskräftig.

Zur Sanierung von Gebäuden hingegen gibt es bereits ein umfassendes Regelwerk. Die Energieeinsparverordnung (die die bis 2002 geltende Wärmeschutzverordnung WSchV und die Heizungsanlagenverordnung HeizAnlV zusammenfasste und ablöste) macht sehr konkrete Vorschriften bzgl. der bautechnischen Standardanforderungen zum effizienten Betriebsenergieverbrauch eines Gebäudes oder Bauprojektes. Grundlage hierfür ist das Energieeinsparungsgesetz EnEV.

Aktuelle Situation zu Radon in Gebäuden

Die hier geschilderte Situation sorgt nun dafür, dass einerseits die Häuser immer besser gedämmt werden sollen, andererseits wird durch die fehlenden Reglementierungen in Bezug auf Radon die Gefahr, die durch dieses Gas ausgeht, vernachlässigt. So ist es keine Seltenheit, dass sanierte Gebäude nach den Baumaßnahmen mit erheblichen Belastungen durch Radon zu kämpfen hatten. Ein solcher Zusammenhang wird in dem folgenden Bild (Quelle: „Modelllösung für die Vermeidung erhöhter Werte von Wohnungsradon durch energetische Gebäudesanierung“, DBU 2004) veranschaulicht: nach einer Sanierung gemäß EnEV haben sich zum Beispiel im Kinderzimmer die Belastungen durch Radon von ursprünglich 300 Bq/m³ auf 3.000 Bq/m³ verzehnfacht. Schauen wir noch einmal auf die obige Tabelle, so entspricht das einer Strahlendosis von rund 100 mSv pro Jahr. Zur Erinnerung: die „normale“ Belastung durch künstliche und natürliche Quellen liegt bei rund 4 mSv pro Jahr, zusätzlich darf maximal ein weiteres Millisievert pro Jahr hinzukommen.

Und leider ist das kein Einzelfall. Wie auf dieser Seite veranschaulicht wird, sind fast eine halbe Millionen Haushalte in Deutschland einer Strahlendosis von mehr als 15 mSv pro Jahr ausgesetzt. Hier wäre dringender Handlungsbedarf notwendig. Dieser aber lässt auf sich warten. Stellt sich die Frage, warum das so ist. Offensichtlich handelt es sich doch um ein großes Problem dessen Auswirkungen in bautechnischer Hinsicht nicht unlösbar sind. Aber eben leider teuer. Zwar ist die Errichtung eines Neubaus unter Berücksichtigung von Radonschutzmaßnahmen etwas preisintensiver, mit grob 1% der Bausumme als oberen Wert aber trotzdem bezahlbar. Die Crux liegt in den bereits bestehenden Bauten.

Sollte wirklich eine Radongesetzgebung durchgesetzt und der durch die WHO favorisierte Wert von 100 Bq/m³ als Grenzwert festgelegt werden, so müsste natürlich in erster Linie der Staat sämtliche öffentlichen Gebäude unter diesen Richtlinien sanieren. Im Rahmen eines umfangreichen Projektes (beschrieben unter anderem hier) wurde 1997 der Sanierungsaufwand allein für öffentliche Gebäude in Dresden mit einem mehrstelligem Millionenaufwand beziffert. Auch wird deutlich, dass aufgrund der Ergebnisse des eingangs genannten Energiegutachtens die energetische Sanierung der Gebäude ohnehin sehr kostenintensiv werden wird. Weitere Kosten, die durch Schutzmaßnahmen in Bezug auf Radon hinzukommen könnten, sind da nicht zu gebrauchen.

Schlussfolgerungen und Handlungshinweise

Angesichts solcher Zahlen wird deutlich, warum sich bisher so wenig in diesem Bereich getan hat. Was aber wäre hier zu tun? Immerhin treffen sich jedes Jahr Fachleute und Wissenschaftler auf verschiedenen Kongressen und Tagungen und mit dem Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit wurde ein Bündnis zwischen dem BMU und dem BMG vorgestellt dem mittlerweile auch weitere Behörden wie das BMELV, das BfS, das BfR, das Robert-Koch-Institut und das UBA angehören. Das zeigt, dass sowohl Behörden als auch Vertreter aus Wissenschaft und Technik sehr wohl um die Bedeutung und die Gefahren wissen. Allein die Politiker wollen dieses heiße Eisen einfach nicht anfassen.

Mehr noch, viele Politiker weisen die Gefahren ab, verharmlosen sie. So erteilte Werner Schnappauf (von 2003 bis 2007 Gesundheitsminister in Bayern) dem Radonschutzgesetz eine klare Absage und verweist auf die Natürlichkeit von Radon und vergleicht es mit der UV-Strahlung. Damit hat er ja prinzipiell auch Recht, nur wird durch bauliche Sanierungen, die das Ziel haben, den Wärmeausstoß der Häuser zu reduzieren, dem Gas keine Möglichkeit mehr gegeben, aus den Häusern zu entweichen. In der Folge akkumuliert dieses Gas und erreicht Konzentrationen die gefährlich werden. Und das wäre, um beim Vergleich mit der UV-Strahlung zu bleiben, als ob man sich unter eine große Linse legen würde um braun zu werden.

Meines Erachtens kann die Lösung nur in einer konsequenten Aufklärung zur Problematik liegen. Und als das soll auch dieser Text verstanden werden: als Aufklärung, nicht als Panikmache. Leider wird vor allem in Bereichen, die mit Radioaktivität zu tun haben sehr viel emotionalisiert. Schnell werden da die Diskussionen unsachlich und am Ende weiß der interessierte Laie nicht mehr, wem er glauben soll. Auch scheint mir, dass unter den Fachleuten eine gewisse Resignation vorherrscht. Wenn ich eine der Tagungen besuche beobachte ich, dass sich die dort Anwesenden auf die Schulter klopfen und die Hand schütteln, aber ansonsten diese Treffen mehr als Möglichkeit nutzen, sich den Bauch am Buffet vollzuschlagen. Und auch in den Medien wird ab und zu kurz auf das Thema eingegangen, ein bisschen was geschrieben und das war’s dann auch schon (wobei ich mich angesichts des Sensationshungers der Medien und deren Talent, auch aus Nichtigkeiten eine Katastrophenmeldung zu machen schon darüber wundere warum hier nicht mehr kommt).

Wird die Sanierung der Bausubstanz wirklich in dem Maße vorangetrieben, wie es die Politiker planen, dann sehe ich es kommen, dass in den nächsten Jahren die Häuser hermetisch dicht gemacht werden. Die Menschen sitzen dann wie unter einer Käseglocke, setzen sich einer ungesunden Strahlung aus und sind vielleicht auch noch froh, dass sie ein paar Euro weniger im Monat zahlen weil der Energieverbrauch gesunken ist. Hier bitte mich jetzt nicht falsch verstehen: es ist wichtig, eine solche Reduzierung anzustreben. Und wer mich kennt mag überrascht sein, aber es muss unser vordringliches Ziel sein, von fossilen Brennstoffen wegzukommen und auf natürliche Energieformen wie eben Sonne, Wind und Wasser zurückzugreifen. Aber bei all solchen Maßnahmen sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass die Gesundheit ein wichtiges und schützenswertes Gut ist und es daher wichtig ist, besonnen und umsichtig eine Reform voranzubringen. Die Art und Weise, wie in der aktuellen Energiedebatte die Radonproblematik vernachlässigt wird, gehört definitiv nicht dazu.

Nachtrag: nach dem ein oder anderen Kommentar (leider nicht unter diesem Artikel veröffentlicht), möchte ich noch einmal auf einen wichtigen Aspekt eingehen. Also: die Problematik von Radon in Gebäuden ist da und sollte nicht unterschätzt werden. Andererseits darf sie jetzt auch nicht zu einer mittleren Katastrophe hochstilisiert werden. Sie ist im Rahmen unserer technischen Möglichkeiten lösbar. Hierzu gehört allerdings, dass behutsam vorgegangen werden muss. Vor allem die Debatte um solche Reizthemen wie Kernkraft oder Gentechnik haben gezeigt, dass eine solche Problematik schnell emotionalisiert geführt wird und dann kaum mehr eine Chance besteht, vernünftig vorzugehen. Daher wäre es wichtig, aus den Erfahrungen dieser Diskussionen zu lernen und die Menschen behutsam an dieses Thema heranzuführen. Und als das soll eben dieser Artikel verstanden werden.

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  1. sehr informativ!

      • Jan
      • 22. Feb. 2011 5:12pm

      Danke. Und dass das von jemanden kommt, der vom Fach ist, ist für mich nochmal so aufmunternd.

  2. Das ist doch alles nur eine riesige Verschwörung der Atomlobby!
    Ich gehe jetzt raus und demonstriere gegen geschlossene Fenster und radioaktive Gase!

    (Ironie aus)

    Btw: Wie lange muss ich bei einem GAU vor meiner Tür eigentlich im Haus bleiben, bis das Radon im Keller gefährlicher ist als seine Kollegen Cäsium und Strontium in meinem Garten? :)

      • JanG
      • 27. Jun. 2011 11:08am

      Das ist eine gute Frage und stark abhängig von der Konzentration von Radon im Boden sowie der Dichtheit der Gebäude. Unsere Messungen haben gezeigt, dass manchmal schon in wenigen Stunden ein signifikanter Anstieg von Radon in den Räumlichkeiten zu beobachten ist.

    • Harald
    • 14. Mrz. 2013 3:06pm

    Vielleicht mal ganz interessant zum Thema Radon: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2651614/

    Viele Studien (habe jetzt nicht die oben verlinkten gelesen) nutzen ja immer noch die LNT um irgendwie krampfhaft eine Strahlenbelastung in ein Krebsrisiko umzurechnen, auch wenn dies für die geringen Dosen und insbesondere geringen Dosisleistungen falsch ist. Noch dazu geht man dann oft von Daten von Bergleuten aus.

    Es gibt auch eine andere Studie von Klaus Becker (gleicher Autor wie oben, die finde ich aber grade nicht mehr) über die USA, die die um das Rauchverhalten korrigierte Lungenkrebsmortalität der US-Männer mit der Radonbelastung in der Umgebung verbindet. Hier zeigt sich bis etwa zum 5-fachen der Durchschnittsbelastung eine Abnahme der relativen Lungenkrebsmortalität von einem Faktor 1.3 bis etwa 0.9.

    • JanG
    • 16. Mrz. 2013 11:06pm

    Sehe ich ganz ähnlich: Strahlung ist nun mal nichts was mit Gewissheit Krebs verursacht. Es erhöht eben nur die Wahrscheinlichkeit. Bestes Beispiel: unser Altkanzler Schmidt. Die im Text verlinkte Studie von Darby fand ich immer ganz gut.

    Prinzipiell gilt bei Radon: egal ob und wieviele Menschen davon krank werden oder gar sterben, wir sollten sehen, dass wir uns nicht die Glocke dicht machen und uns in unseren Häusern einer solchen Strahlenbelastung aussetzen. In anderen Bereichen des Lebens tun wir das doch auch.

    • Oliver
    • 20. Mrz. 2013 4:06pm

    ein sehr informativer Artikel.

    Ich hätte allerdings eine Bemerkung zu den Grenzwerten, speziell zu § 46 StlSchV:

    Im Wortlaut steht in der Strlahlenschutzverordnung:

    Für Einzelpersonen der Bevölkerung beträgt der Grenzwert der effektiven Dosis durch Strahlenexpositionen aus Tätigkeiten nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 ein Millisievert im Kalenderjahr.

    § 2: Umgang mit radioaktiven Stoffen, Kernbrennstoffen, Betreiben von Beschleunigern, Röntgengeräten …

    Die generelle Aussage:

    … zusätzlich darf maximal ein weiteres Millisievert pro Jahr hinzukommen.

    ist also nicht richtig, insbesondere sind natürliche Quellen (wie Radon) nicht berücksichtigt. § 46 dient lediglich der Bewertung von Tätigkeiten (z.B. das Abfüllen von Radon in Flaschen :) ) in Bezug auf die unbeteiligte Nachbarschaft.

    Es ist nicht einmal verboten, Leute kostenpflichtig in einen Stollen mit erhöhter Radonkonzentration (in Deutschland bis 3 MBq/m³ also ~ 1 mSv/h) und ihnen dabei zu versprechen, dass sie davon gesund werden – solange die Nachbarschaft nicht direkt belastet wird.

      • JanG
      • 20. Mrz. 2013 4:35pm

      Das stimmt natürlich, hier war ich nicht so sauber in meiner Argumentation.

      Es geht sogar so weit, dass ich vor einiger Zeit bei einem Kunden in der privaten Wohnung eine ODL-Messung gemacht haben und dabei erhöhte Strahlenwerte gemessen haben (ca, 1,3 mSv/a). Der Streit mit seinem Vermieter hat ergeben, dass es keine Handhabe gibt. Das ist doch übel. Mein Chef hat dann (im Scherz) vorgeschlagen, dass sich der Mieter eine Haushaltshilfe holen soll, dann wäre das ja eine Tätigkeit (obwohl die natürlich nicht die nötigen 8700 Stunden in der Wohnung putzt).

    • Dan
    • 25. Apr. 2013 1:14pm

    Ich habe durch http://www.aj-radonmessung.de mein Radonhalt gemessen. Es war ganz einfach und eigentlich auch günstig! 

    Glücklicherweise hatte ich im Haus nicht viel Radon, trotzdem sollte man den Gas nicht übersehen! 

    //Dan

      • JanG
      • 25. Apr. 2013 7:24pm

      Ist in der tat kein großes Ding mit ner Radonmessung, nur wird es teilweise einfach nicht zur Kenntniss genommen. Allerdings muss man auch bedenken, dass auch bei geringen Konzentrationen die Gefahr besteht, dass sich bei entsprechend abgedichteten Häusern (saniert nach EnEV) das Gas akkumuliert. Oder wie ich es gerne sage: auch eine Badewanne, die man volltröpfelt ist irgendwann voll. Ein vernünftiges Lüftungsregime ist hier zu bedenken.